Painless Giving: Gutes tun mit Mikrospenden

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Bild CC0 Pixabay

Der deutsche Spendenmarkt bleibt seit Jahren konstant. Das Prinzip „Painless Giving“ kann dafür sorgen, dass vor allem die Jüngeren zu aktiven Spendern werden. Ein Gastbeitrag von Henryk Seeger.

Vor einem halben Jahrzehnt gingen die Kinder noch mit ein paar Pfennigen oder einem Groschen zum Kiosk oder Bäcker. Man bekam etwas für sein Geld, seine Pfennige. Heute mit dem Euro und ein paar Inflationsjahre später wirken die Cent-Münzen bereits wie ein Relikt aus einer fernen Zeit. Denn wer bückt sich heute noch nach einem Cent, der auf der Straße liegt? Wir schätzen unser Kleingeld nicht mehr. Im Gegenteil: nicht selten ärgern wir uns über Portemonnaies voller Münzen. Aber sind Cents vielleicht doch mehr ein Segen als ein Fluch? Immerhin hängen wir Deutschen an unserem Bargeld und haben im Vergleich zu unseren Nachbarn die höchste Bargeldquote beim Bezahlen. Andere Länder wie Finnland, die Niederlande oder Italien haben die 1- und 2-Cent auf Grund der hohen Bargeldhandlingkosten abgeschafft.

Spendenmarkt seit Jahren konstant

Wirft man nun einen Blick auf den deutschen Spendenmarkt, stellt man fest, er bleibt mit rund fünf Milliarden Euro Spendenvolumen pro Jahr konstant. Doch wer spendet eigentlich? Besonders die Spendenbeteiligung der Bundesbürger bis 29 Jahre ist mit 15 Prozent mit Abstand am geringsten. Im Alter 70+ sind es zum Beispiel 57 Prozent. Nur 33 Prozent aller Deutschen haben 2016 gespendet. Die durchschnittliche Spendenhöhe betrug 35 Euro.

Die Zahlen sind seit Jahren nahezu unverändert, was darauf schließen lässt, dass eine Sättigung eingesetzt hat und mit der heutigen Art Spenden einzutreiben keine großen Veränderungen im Volumen bei der Anzahl der Spender sowie der Gesamtspenden zu erwarten sind. Betrachtet man die Altersstruktur mit dem Aspekt der Spendenhöhe als mögliche Barriere für junge Menschen zu spenden, so kristalisieren sich die bisherigen Nicht-Spender als eine Zielgruppe heraus, die prädestiniert dafür ist, den Cents wieder einen Wert zu verleihen: als Mikrospende.

Der Cent als Türöffner

Die verbreitetste Methode der Mikrospende ist die klassische Spendendosen im Einzelhandel, bei der Wechselgeld in kleine oft transparente Gefäße eingeworfen werden kann. Wie viel genau in den Dosen jedoch gesammelt wird, ist nicht bezifferbar. Da ihr Inhalt nicht einzelnen Spendern zugeordnet werden kann, werden die Dosen auch nicht in den Statistiken erfasst.

Die moderne Variante hiervon ist Aufrunden während des Bezahlprozesses, wobei der finale Rechnungsbetrag freiwillig aufgerundet werden kann. Der gesamte Prozess wird hierbei digital durchgeführt. Der Spendenbetrag wird auf der Rechnung ausgewiesen und direkt an soziale Einrichtung weitergeleitet. Es entfällt komplett das zeit- und kostenaufwändige Abholen, Einzahlen und Überweisen der gespendeten Münzen. Auch eine effektive Möglichkeit mit wenigen Cents Gutes zu tun ist das Abrunden von Gehaltsabrechnung beim Nettogehalt. So wird ein Monatsgehalt von zum Beispiel 2039,13 Euro auf 2.039,00 Euro abgerundet und 13 Cents werden monatlich gespendet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die einzelne Mikrospende sich nicht sehr relevant und bedeutsam anfühlt, aber die große Anzahl enorme Summen entstehen lassen. So sammeln beispielsweise McDonalds rund 3,2 Millionen Euro und „Deutschland rundet auf“ 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Der Begriff aus dem Englischen „Painless Giving“ (zu deutsch: schmerzfreies Geben) beschreibt die Tätigkeit abschließend sehr treffend. Kleine Spendenbeträge helfen dabei Gutes im „Vorbeigehen“ zu tun und ermöglichen es (Erst-)Spendern in Relation zu ihrem Geldbeutel auch etwas zu spenden – ohne größeren Aufwand, ohne große finanzielle Ausgaben. Somit ist die Mikrospende eine unterschwellige Methode um potenzielle Spender durch eine vergleichsweise geringe Spende an den Spendenmarkt heranzuführen und an den Spendenempfänger zu binden.

GASTBEITRAG aus enorm
Text: Henryk Seeger

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