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Mediathek-Tipp: Jean Ziegler – Optimismus des Willens

Foto: wfilm

Das Porträt von Regisseur Nicolas Wadimoff zeigt die nachdenkliche Seite des Kapitalismus-Kritikers Jean Ziegler.

„Jeder muss kämpfen, wo er geboren ist.“ Dieses Mantra wurde dem jungen Jean Ziegler von Che Guevara mitgegeben, den er Anfang der sechziger Jahre bei einer internationalen Konferenz in Genf trifft. Ziegler will mit ihm aufbrechen, um gemeinsam die Welt zu verändern. Doch Che Guevara überzeugt ihn, in Europa zu bleiben, um hier gegen den „Kopf des kapitalistischen Monsters“ zu kämpfen. Seither kämpft Ziegler; als Autor, Professor, Abgeordneter im Schweizer Parlament und Mitarbeiter der UNO, unermüdlich gegen die Macht der Manager, des Kapitals und deren Mitschuld am Hunger in der Welt.

Jean Ziegler, geboren 1934 im schweizerischen Thun, gehört zu den renommiertesten Kritikern weltweiter Profitgier und ist eines der großen Idole der Antiglobalisierungsbewegung. Der Soziologe ist Autor zahlreicher kontroverser Sachbücher. Auch mit 82 ist Jean Ziegler noch kein bisschen leise: 2015 ist er einer der Hauptredner bei der Münchner Großdemonstration gegen den G7-Gipfel auf Schloss Elmau. Als er danach mit seiner Frau Erica nach Kuba reist, trifft er auf ein Land im Wandel und sieht plötzlich all seine Ideen in Frage gestellt. Waren seine lebenslange Mühen umsonst? Wird letztendlich das „kapitalistische Monster“ die Oberhand behalten?

Jean Ziegler 2015 auf der Münchner Großdemonstration gegen den G7-Gipfel. (Foto: wfilm)

Antworten auf diese Fragen sucht Ziegler in der Dokumentation „Jean Ziegler – Optimismus des Willens“. Das Porträt feierte auf dem Internationalen Filmfestival in Locarno Premiere und startet am 23. März 2017 in den deutschen Kinos. Wie es sich für eine filmische Biografie gehört, reist der Film auch zurück den Anfängen Zieglers.

Bereits in jungen Jahren entdeckt er die sozialen Ungerechtigkeiten in seinem behüteten Umfeld. Er beschließt, die Welt der vorgefestigten Rollen von Arm und Reich zu ändern. In Afrika wird er erstmals mit brutaler Armut konfrontiert: Kinder, die um weggeworfene Essensreste kämpfen. Er unterstützt Bewegungen aus Lateinamerika und Afrika. Ziegler sieht die Macht des Volkes und dessen Zukunft bei den zahlenmäßig überlegenen Unterprivilegierten. Er kämpft als Professor für Soziologie in Genf gegen Imperialismus, Faschismus und Kapitalismus.

Die verletzliche Seite des Jean Ziegler

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Regisseur Nicolas Wadimoff begleitet Ziegler und beobachtet seine Arbeitsweise; zeigt die Ideen, die ihn antreiben: Der Zufall der Geburt beziehungsweise das Glück, in Zentraleuropa geboren zu sein. Sein Appell an das menschliche Gewissen als größte, treibende Kraft zur gesellschaftlichen Veränderung. „Ein gutes Buch trägt zur Emanzipierung des Menschen bei, hilft bei der Selbstbestimmung und der Freiheit des Lesers“, ist er von seiner Arbeit als Autor überzeugt. Und als moralische Instanz wacht Che Guevara über allem, was er schreibt.

Jean Ziegler
Jean Ziegler, geboren 1934 im schweizerischen Thun, gehört zu den international renommiertesten Kritikern weltweiter Profitgier und ist einer der großen Idole der Antiglobalisierungsbewegung. (Foto: wfilm)

Ziegler führt den Zuseher durch Kuba, trifft Weggefährten, zeigt die Auswirkungen der Handels-Blockade durch die Amerikaner. Erklärt wie er sich in Genf in den Beratenden Ausschuss für Menschenrechte der UN eingeschlichen hat, um gegen den Hunger der Welt zu kämpfen. Die inneren Widerstände, mit denen er sich konfrontiert sieht: Das Umschwenken der Intellektuellen in Europa von links auf rechts. Der Notwendigkeit, trotz allem optimistisch zu sein. Kofi Annan macht ihn zum UNO- Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.

„Ein Kind, das durch Hunger stirbt, ist ein ermordetes Kind.“

Dieser Satz wird sein Mantra und gibt seinem Kampf einen Sinn.

Einer der stärksten Momente des Films: Ziegler besucht ein Museum mit den sterblichen Überresten Che Guevaras, was beinahe etwas von einem spirituellen Ereignis hat. Er erklärt, warum der Revolutionär so wichtig für ihn war: „Weil er mit seinen Überzeugungen bis zum Ende geht und sogar sein Leben opfert. Er hat getan, was ich mich nie traute, ich als privilegierter Kleinbürger. Den letzten Schritt habe ich nie gemacht.“ Durch seine Privilegien sieht er es als seine Pflicht, sich zu engagieren.

In dem Porträt zeigt sich auch die bisher unbekannte, verletzliche Seite Zieglers: diplomatische Fehler, die ihm unterlaufen, weil er sich zu sehr auf den amerikanischen Feind einschießt. Die Dummheiten, die er in seinem Leben begangen hat. Seine Frau Erica, die seinen Kampf mitträgt. Die Angst vor dem Tod, die er von sich weg schiebt, als er auf Kuba plötzlich ins Krankenhaus muss. Einen umfassenderen Ein- und Überblick über das Lebenswerk des unermüdlichen Rebellen Jean Ziegler gab es noch nie. Empfehlenswert nicht nur für Fans, sondern für alle, die offen für Alternativen zu den gängigen Denkmustern der westlichen Welt sind.

Jean Ziegler – Optimismus des Willens läuft ab jetzt für einige Zeit in der ARTE-Mediathek

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