Alte Tomatensorten: Für mehr Vielfalt und Geschmack

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Es gibt eine große Vielfalt an alten Tomatensorten, die kaum jemand kennt. Denn im Supermarkt landen nur ein paar wenige Sorten, dabei könnten viele alte Sorten auch bei uns in Deutschland angebaut werden.

Alte Tomatensorten lassen sich noch direkt auf jene Sorten zurückführen, die seit dem 16. Jahrhundert aus Lateinamerika nach Europa gelangt sind. In den folgenden Jahrhunderten entwickelten sich unzählige Tomatensorten, die meistens nur in einem kleinen Gebiet gewachsen sind und sich gut an die dort herrschenden Bedingungen angepasst haben.

Damals gab es noch keine registrierten Tomatensorten, wie wir sie heute kennen. Erst im 19. Jahrhundert wurde damit begonnen, Register mit genauen Sortenbeschreibungen anzufertigen. Eine der ersten registrierten Tomatensorten war um 1800 die gelbe Sorte „Yellow Pearshaped“ in den USA.

Wie steht es heute um die alten Tomatensorten?

Tomaten, die für den kommerziellen Vertrieb angebaut werden, sollen einheitlich aussehen.
Tomaten, die für den kommerziellen Vertrieb angebaut werden, sollen einheitlich aussehen. (Foto: CC0 / Pixabay / Hans)

Heutzutage gibt es Register mit allen Tomatensorten, deren Saatgut in den Handel gebracht werden darf. Das EU-weite Register führt etwa 4.000 Tomatensorten, aber nur wenige alte Sorten. Woran liegt das?

  • Die Registrierung ist aufwendig, kostet Geld und muss im Abstand von einigen Jahren erneuert werden.
  • Das Problem ist, dass die meisten alten Tomatensorten sich nicht für den kommerziellen Vertrieb eignen, weil sie nicht ertragreich und lagerfähig genug sind. Sie sind schlichtweg nichts für den Massenmarkt.
  • Hinzu kommt, dass die alten Sorten nicht auf Uniformität ausgelegt sind: Die Tomaten sehen oft je nach Bodenbeschaffenheit und Klima unterschiedlich aus – von kommerziell vertriebenen Sorten wird aber erwartet, dass sie stets wiedererkennbar sind.

Dennoch gibt es Liebhaber, die alte Tomatensorten am Leben erhalten. Insbesondere in den letzten Jahren ist das Interesse an den historischen Sorten wieder gewachsen. Inzwischen gibt es auch die Möglichkeit, sie in einem etwas weniger aufwendigen Prozess als „Amateursorten“ registrieren zu lassen.

Vorteile alter Tomatensorten

Alte Tomatensorten sind optisch und geschmacklich sehr vielfältig.
Alte Tomatensorten sind optisch und geschmacklich sehr vielfältig. (Foto: CC0 / Pixabay / KlausHausmann)

Alte Tomatensorten haben viele Vorteile gegenüber neuen Züchtungen und sollten deshalb bewahrt werden:

  • Alten Tomatensorten sind samenfest. Das bedeutet, dass aus den Samen einer Pflanze neue Pflanzen gezogen werden können. Bei modernen Sorten (sogenannten „F1-Hybridsorten“) ist das nicht möglich, sodass du das Saatgut jedes Jahr neu kaufen musst.
  • Das Saatgut von Hybrid-Sorten gehört meistens großen Konzernen. Wenn du alte Tomatensorten anbaust, kannst du einen Teil dazu beitragen, dass die Übermacht der Konzerne nicht weiter wächst.
  • An alten Tomatensorten wird oft kritisiert, dass sie nur für sehr spezielle Böden und Klimata geeignet sind. Das ist auch kein Wunder, da sie sich über die Jahrhunderte hinweg an bestimmte Regionen angepasst haben. Das Gute ist jedoch, dass du für fast jede Region eine passende Sorte finden kannst. Generell gilt: Je kühler die Region ist, desto kürzer sollte die Reifezeit der Tomate sein, damit du sie möglichst spät im Frühjahr aussäen kannst.
  • Es gibt die unterschiedlichsten Größen, Farben, Formen und Geschmäcker. So kannst du alte Tomatensorten in der Küche vielfältig einsetzen.
  • Viele alte Tomatensorten sind robust gegenüber einer Vielzahl von Krankheiten und Schädlingen. Du musst also keine Pestizide einsetzen.

Empfehlenswerte alte Tomatensorten: Eine Auswahl

Es gibt zu viele alte Tomatensorten, um sie alle vorzustellen. Deshalb haben wir nach folgenden Kriterien einige ausgewählt:

  • Du kannst sie hierzulande anbauen (Klimabedingungen).
  • Sie haben vergleichsweise hohe Erträge und sind robust.
  • Sie schmecken sehr aromatisch.
  • Für unterschiedliche Einsatzgebiete in der Küche zeigen wir jeweils geeignete Sorten.

Lukullus: Die alte deutsche Tomatensorte

  • Lukullus ist eine der ältesten in Deutschland angebauten Sorten. Das Saatgut ist nicht für den Handel zugelassen, aber du kannst es einmal bei Fachhändlern erwerben und dann selbst vermehren.
  • Die Sorte ist frühreif und somit auch für kühlere Gegenden geeignet.
  • Du kannst Lukullus-Tomaten sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus anbauen.
  • Die Früchte der Lukullus-Tomate werden rot, rund und etwa 150 bis 200 Gramm schwer. Sie sind etwas weniger fest und dementsprechend empfindlicher als moderne Sorten, aber dafür sehr aromatisch.

Johannisbeertomate: Die wilde Tomatensorte

Als „wild“ werden Tomatensorten bezeichnet, die in keinster Weise durch Züchtung verändert wurden. Die Johannisbeertomate ist eine der wilden Sorten:

  • Wie andere Wildtomaten auch, hat die Johannisbeertomate eine kurze Reifezeit.
  • Sie ist sehr robust und wächst an bis zu zwei Meter hohen Büschen.
  • Wie der Name andeutet, werden die Früchte nur etwa einen Zentimeter groß. Es gibt sie in rot oder gelb und sie schmecken sehr süß.

Ochsenherz-Tomaten: Die Riesen

Ochsenherz-Tomaten kannst du gut roh essen, zum Beispiel mit etwas Balsamico-Essig und Olivenöl beträufelt.
Ochsenherz-Tomaten kannst du gut roh essen, zum Beispiel mit etwas Balsamico-Essig und Olivenöl beträufelt. (Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Es gibt verschiedene Arten von Ochsenherz-Tomaten. Du kennst sie vielleicht auch unter ihrem französischen Namen „Coeur de Beuf“:

  • Ochsenherz-Tomaten gehören mit etwa 15cm Durchmesser zu den besonders großen Tomatensorten. Darüber hinaus erkennst du sie an der gerippten Oberfläche.
  • Wenn du Ochsenherz-Tomaten anbauen möchtest, musst du beachten, dass die Früchte sehr schwer werden und du die Triebe abstützen musst, damit sie nicht unter der Last abknicken. Falls du die Tomaten im Gewächshaus anbaust, kannst du das Problem lösen, indem du über den Pflanzen eine Stange anbringst. Daran kannst du die Triebe befestigen.
  • Da die Ochsenherz-Tomaten ein festes Fruchtfleisch haben und sehr groß sind, kannst du sie gut füllen oder Brote damit belegen.

Whippersnapper: Die platzsparende Tomatenpflanze

Die Whippersnapper fühlen sich auch auf dem Balkon wohl.
Die Whippersnapper fühlen sich auch auf dem Balkon wohl. (Foto: CC0 / Pixabay / Gerhard_Romero)
  • Das Besondere an dieser alten Tomatensorte ist, dass die Pflanzen nur etwa 40 Zentimeter hoch werden. Du kannst den „Dreikäsehoch“ deshalb gut in Blumenkästen und Blumentöpfen ziehen. Damit passen Whippersnapper auch auf kleine Balkone.
  • Die Früchte sind rot, ein bis zwei Zentimeter groß und haben eine lange Ernteperiode: Sie haben eine kurze Reifezeit und können noch bis zum ersten Frost geerntet werden.
  • Mit ihrem süß-fruchtigen Geschmack eignen sich die kleinen Tomaten gut als gesunder Snack.

Das Andenhorn: Die peruanische Paprika

Das Andenhorn ist eine sehr beliebte alte Sorte aus Peru:

  • Sie ist ertragreich und du kannst sie sowohl im Gewächshaus, als auch im Freiland anbauen.
  • Die roten Früchte haben eine besondere Form, die an Spitzpaprika erinnert.
  • Die aromatischen Tomaten kannst du gut roh essen, aber ebenso zum Kochen verwenden.

De Barao: Die große Robuste

De Barao Tomaten sind vor allem zum Einkochen geeignet.
De Barao Tomaten sind vor allem zum Einkochen geeignet. (Foto: CC0 / Pixabay / ulleo)

Diese alte Tomatensorte gilt als besonders widerstandsfähig, da sie im Gegensatz zu den meisten anderen Tomatensorten gegen Kraut- und Braunfäule resistent ist.

  • Du brauchst allerdings etwas Platz nach oben und gute Ranghilfen: Die „Baumtomate“ wird bis zu drei Meter hoch.
  • Ihre ovalen Früchte, die du zwischen Juli und Oktober ernten kannst, können rot, rosa, gelb oder sogar dunkel sein.
  • Da sie häufig ein bisschen mehlig sind, sind sie vor allem zum Einkochen geeignet.

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