Alternativen zu H&M

Fotos: © ilyashapovalov, Evgenia Smirnova - Fotolia.com

Hungerlöhne, überfüllte Fabriken, mangelnde Sicherheitsmaßnahmen – die Zustände in der Textilproduktion sind untragbar. Branchenführer H&M versucht, Verantwortung zu übernehmen. Trotzdem müssen wir weg von Fast Fashion.

Trendige Klamotten zu Tiefstpreisen, dafür steht H&M wie kein anderes Mode-Unternehmen. Deutschland ist der wichtigste Markt für H&M. 2013 machte der schwedische Konzern allein bei uns einen Umsatz von umgerechnet 3,6 Milliarden Euro. Wenn also hierzulande bei H&M nur T-Shirts gekauft würden, wären das bei einem Stückpreis von 10 Euro 360 Millionen pro Jahr. Das Bild ist ein wenig schief, aber gerade genug, um sich einer absurd hohen Zahl anzunähern.

Die andere Zahl ist greifbar und wirkt für uns ganz normal. 10 Euro, manchmal nur 5 Euro, für ein T-Shirt. Wenn man daran denkt, wie aufwendig es ist, Kleidung herzustellen, geraten auch diese Preise schnell ins Absurde. Wie sollen Mode-Unternehmen daran noch verdienen? Die Antwort ist einfach. Weder H&M und Co. noch wir Konsumenten hören sie gern: Die Menschen, die unsere Kleidung herstellen, zahlen den wahren Preis.

Arbeiten ohne zu leben – Modeproduktion in Billiglohnländern

Wie die meisten Mode-Unternehmen lässt H&M hauptsächlich in Asien produzieren und ist für die schlechten Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie mitverantwortlich. Als 2013 beim Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch über 1000 Menschen starben, gerieten die miserablen Arbeitsbedingungen in der Textilbranche in die Schlagzeilen.

Näherinnen arbeiten häufig über 12 Stunden am Tag unter hohem Druck in überfüllten Fabriken mit unzureichenden Sicherheitsbedingungen. Von ihrem Lohn leben können sie trotzdem nicht. In Bangladesch werden die niedrigsten Löhne weltweit gezahlt. Eine Näherin verdient im Monat umgerechnet etwa 30 Euro. Ein sogenannter „existenzsichernder Lohn“ läge bei 260 Euro. Dieser würde die Näherinnen in die Lage versetzen, sich selbst und ihre Familie zu ernähren, Miete zu zahlen sowie für Kleidung, medizinische Versorgung und Bildungskosten aufzukommen.

Man kann nicht behaupten, dass H&M nichts für bessere Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern tut. In Bangladesh hat sich H&M beispielsweise für einen höheren gesetzlichen Mindestlohn bei der Regierung eingesetzt. Bei seinen strategisch wichtigen Lieferanten will der Konzern in den nächsten Jahren sogar existenzsichernde Löhne etablieren. Die Textil-NGO „Kampagne für saubere Kleidung“ begrüßt dieses Vorhaben, kritisiert aber, dass H&M keine klare Definition von einem Existenz-Lohn gibt und für eine sinnvolle Umsetzung zu wenig mit Gewerkschaften in Asien für zusammenarbeitet.

Gemischte Gefühle – Conscious Collection und Organic Cotton

Seit 2010 ist H&M der weltweit größter Abnehmer von Bio-Baumwolle. Dennoch besteht nur ein sehr kleiner Anteil des Sortiments aus Bio-Baumwolle. „Organic cotton“ heißt bei H&M außerdem, dass ein entsprechendes Kleidungsstück trotzdem zu einem großen Anteil aus konventioneller Baumwolle bestehen kann.

Ein Blick auf das Etikett ist hier hilfreich. Auch bei der „Conscious Collection“ werden meist herkömmliche Materialen mit Bio-Baumwolle und Recyclingfasern vermischt. Und darf man seine Kollektion wirklich als „bewusst“ ausloben, wenn allein in Kambodscha seit 2010 über 2000 Textilarbeiterinnen aufgrund von Mangelernährung kollabiert sind? Die Kampagne für saubere Kleidung ist anderer Meinung und hat vor einiger Zeit eine Gegenkampagne gestartet. Mit verfremdeten Werbefotos der Conscious Collection macht die Organisation auf die schlechten Arbeitsbedingungen in Asien aufmerksam.

Kopfsache: Fast Fashion ausbremsen

H&M Arbeitsbedingungen
Ohnmächtige Näherinnen – verfremdete Werbung für die Conscious Collection (Foto: Inkota)

H&M mag in puncto Nachhaltigkeit zu dick auftragen, aber trotzdem bemüht sich das Unternehmen um bessere Arbeitsbedingungen und umweltfreundlichere Materialen. Und auch kleine Schritte können viel bewirken, wenn sie ein Riese geht. H&Ms Handeln hat Signalwirkung und kann die gesamte Textilbranche verändern.

In einer anderen Grundsatzfrage wird sich H&M vermutlich nicht bewegen. H&M gehört zu den Pionieren der Fast Fashion. Schnelle Mode heißt: die neuesten Modelle bekannter Designer werden innerhalb weniger Wochen kopiert und zu deutlich günstigeren Preisen angeboten. Sechs bis acht neue Kollektionen innerhalb eines Jahres sind mittlerweile die Regel. Das sind sechs bis acht Trends, denen wir Konsumenten hinterherlaufen. Laut Greenpeace haben deutsche Verbraucher heute vier Mal so viel Kleidung als noch im Jahr 1980. Die Folge sind überfüllte Kleiderschränke mit kaum getragenen Klamotten – für die andere Menschen ausgebeutet werden. Alternativen zu H&M beginnen deshalb im Kopf: wir müssen weg von der Kleider-Verschwendung.

Alternative: Die besten nachhaltigen Mode-Shops

Grüne Mode-Shops verkaufen Kleidung von Modelabels, die nachweislich nachhaltig wirtschaften. Solche verwenden für ihr gesamtes Sortiment fast ausschließlich zertifizierte Bio-Baumwolle und verzichten soweit wie möglich auf umweltschädliche Chemikalien und gesundheitsgefährdende Färbemittel. Meist handelt es sich zudem um zertifizierte Fairtrade-Baumwolle. Durch eine Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation setzten sich viele Labels für faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie ein.

Wer in nachhaltigen Mode-Shops einkauft, wird vermutlich ganz automatisch kein Fast-Fashion-Opfer mehr. Denn verantwortungsvoll produzierte Klamotten haben ihren Preis. Von dem sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Anstatt drei T-Shirts kauft man einfach nur eines – das ist dafür sauber produziert.

Hier geht’s zu den besten nachhaltigen Mode-Shops.

Alternative: Kleider kreiseln

Wer bei gebrauchten Klamotten an eingestaubte Mäntel aus Omas Kleiderschrank denkt, liegt falsch. Gerade weil wir so viel Kleidung kaufen, gibt es haufenweise schöne Teile in gutem Zustand. Portale wie Kleiderkreisel.de haben das Potential erkannt und eine neue Subkultur für gebrauchte Kleidung geschaffen. Kleidung muss nicht immer neu sein, vorbeischauen lohnt sich! Secondhand-Läden und der gute alte Flohmarkt sind nicht nur für Kinderkleidung gute Alternativen. Wer gebraucht kauft, zahlt kein Geld für neue Produkte an Unternehmen und bricht damit ein Stück weit aus dem Konsumkreislauf aus. Und die Preise schlagen üblicherweise sogar H&M.

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