Amazon Smile: für 10.000 Euro einkaufen, um 50 Euro zu spenden

Amazon Smile: Spenden sinnvoll?
Bild: Utopia.de

Mit dem Wohltätigkeitsprogramm Amazon Smile können wir shoppen und gleichzeitig spenden. Doch das Charity-Shopping-System erntet auch Kritik und hat einige Nachteile …

Per Mausklick Bücher, Schuhe oder die komplette Wohnzimmereinrichtung bequem von zu Hause aus zu erwerben gehört für viele längst zum Alltag. Mit Amazon Smile, einem Programm des Online-Versandhauses, kann man beim Shoppen bei Amazon auch gleich das soziale Gewissen entlasten.

„Kunden können ihren Fußballverein im Ort unterstützen, ein Tierheim oder große, international tätige Organisationen“, schwärmte Deutschland-Chef Ralf Kleber beim Start des Angebots. „Sie müssen nicht in die eigene Tasche greifen, sondern dürfen Amazon in die Tasche greifen lassen.“

Amazon Smile: Spenden klingt erstmal gut, aber …

Faire Pakete dank Amazon Smile?
Faire Pakete dank Amazon Smile?

Die Anmeldung bei Amazon Smile erfolgt schnell und mühelos. Man braucht dazu lediglich ein bestehendes Kunden-Konto, mit dem man sich auf smile.amazon.de anmeldet.

Dann wählt man aus Tausenden (angeblich über 14.000, Stand 2019) Einrichtungen in Deutschland und Österreich – von bekannten Organisationen wie WWF bis hin zu kleineren gemeinnützigen Vereinen – und kauft wie gewohnt ein.

Das Spenden erledigt dann der US-Konzern im Hintergrund: 0,5 Prozent der Einkaufssumme gibt das Unternehmen an die bevorzugte Organisation weiter, ohne Abzüge und ohne Preiserhöhung für den Kunden.

AmazonSmile-Kritik: die Nachteile

In den USA läuft das Spendenprogramm seit 2013, bei uns seit Ende 2016. Laut Konzern wurden seit 2013 mehr als 100 Millionen US-Dollar an soziale Organisationen in den USA, Deutschland und im Vereinigten Königreich weitergegeben (Stand 2018), für Deutschland nennt Amazon Smile 5,5 Mio. Euro (Stand August 2019).

Solche Zahlen sehen beeindruckend aus. Aber wehe, man schaut genauer hin.

Amazon Smile spendet viel zu wenig

Macht man zum Bespiel die Rechnung mit 05, Prozent, dann wird schnell klar, was das eigentlich für ein Konsumwahnsinn ist: Wer als Shopper insgesamt 50 Euro spenden wollte, müsste via Amazon Smile ganze 10.000 Euro ausgeben!

Das bedeutet:

  • Wer spenden will, macht dies besser & einfacher & effektiver direkt – lies dazu unseren Beitrag Sinnvolle Spenden.

Fragwürdige Spendenempfänger

Die Frage ist auch, an wen man da spendet? Denn das AmazonSmile-Programm macht das alles andere als transparent. Sucht man zum Beispiel nach dem Stichwort klima, wird unter anderem ein „Europaeisches Institut fuer Klima und Energie e.V.“ aufgeführt.

Dem gutmütigen Klima-Spender wird angesichts von so gut wie keinem Infotext nicht klar, dass es sich bei EIKE um einen Klimawandelleugner-Verein handelt. Er „täuscht Wissenschaftlichkeit vor, verbreitet gezielt Desinformationen und versucht, Einfluss auf Parteien zu nehmen (Wikipedia), ist „kein Forschungsinstitut und publiziert nicht in wissenschaftlichen Fachzeitschriften“ (Psiram), bestärkt hauptsächlich die bereits bestehenden Ansichten ihrer Klientel, statt „echte, unparteiische Aufklärungsarbeit nach beiden Seiten“ zu leisten (Klimaretter) und kann offenbar auch gut damit leben, die Grundlage für bewusste Falschinformationen zu liefern (correctiv.org).

Man kann übrigens den Spenderverein nachträglich ändern: Auf Mein Konto gehen, dann bei Shopping-Programme auf Hilfsorganisation ändern klicken (nur sichtbar, während man auf https://smile.amazon.de ist).

Amazon baut Hürden auf

Auch muß der Kunde stets bewusst auf smile.amazon.de den Einkauf beginnen, nur dann wird das magere halbe Prozent gespendet. Das ist eine Hürde, die so mancher Smile-Kunde wohl nicht täglich nehmen wird.

Und es ist so eine klassische Hitech-Konzern-Konstruktion. Ja, jeder Kunde „könnte“ spenden, er „müsste ja nur“ … aber ein kleines User-Interface-Fallgrübchen wie dieses sorgt dann halt doch dafür, dass das Geld im Hause bleibt.

Amazon Smile: Spenden (fast) nebenbei
Amazon Smile: Spenden (fast) nebenbei (Screenshot: Amazon.e)

Kunden wurden irregeführt

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch warnte 2017 vor dem Programm: Mit Amazon Smile werde der Kunde in die Irre geführt, denn das Geld lande nicht immer bei der Organisation, für die sich der Kunde entschieden hat. Foodwatch selbst war damals als Spendenorganisation genannt, ohne davon etwas zu wissen (Quelle). (Das konkrete Problem wurde inzwischen behoben.)

 Charity-Shopping: SocialWashing für Amazon

Amazon Smile ist beim Spenden keineswegs der erste. Seit Jahren betreiben Portalseiten ähnliche Modelle zur Spendengenerierung.

Das sogenannte Charity-Shopping entwickelte sich aus Werbepartnerschaften mit Online-Händlern. Wer von einer Website oder einem Blog über Direktlink im Netz einkauft, verschafft der jeweiligen Seite bis zu 10 Prozent der Kaufsumme als Provision. Führt der Link zu einer sozialen Organisation, dann wandert diese Provision meist ohne Mehrkosten für den Kunden in den jeweiligen Spendentopf.

Dagegen ist nicht nur nichts zu sagen, das ist sogar eine gute Idee, aber: andere spenden viel mehr! Zum Beispiel boost. Die bieten dem Konsumenten einen Überblick über die wachsende Zahl an Partnershops (darunter Bahn.de, Tchibo.de und Otto.de, über 500 Stand 2019), die ebenfalls für den guten Zweck zu spenden bereit sind (ca. 1000 Partner).

Und Boost ist spendierfreudiger als Amazon: Der wohltätige Durchschnitt beim boost-Projekt liegt laut Anbieter bei sechs Prozent, konkret liegen sie zwischen 0,5 und 20 Prozent des Nettowarenwerts.

Natürlich behalten solche Plattformen auch einen gewissen Anteil der Spendensumme für Betriebs- und Verwaltungskosten ein, bei Boost waren es 2019 nach eigenen Angaben zehn Prozent der Shop-Provisionen.

Fazit: Charity-Shopping & AmazonSmile

Charity-Shopping à la Amazon Smile ist oft nur ein Marketinginstrument und als solches stets zwiespältig: Etwas zu konsumieren, nur um damit „Gutes zu tun“, ist aus Nachhaltigkeitssicht einfach nicht sinnvoll. Auf der anderen Seite will natürlich auch niemand solche Spenden abschaffen – denn dann fänden sie gar nicht statt.

Utopia meint:

  • Wer ohnehin viel beim Online-Riesen bestellt, kann mit Amazon Smile beim Shoppen ganz einfach Gutes tun und sollte das daher auch machen, denn 0,5 % sind besser als Nichts. Aber „mehr shoppen um mehr zu spenden“? – Bitte nicht!
  • Wer einfach nur Charity-Shopping betreiben will, muss wegen Smile nicht Amazon-Kunde werden – hier sind Systeme wie boost oder deutschland-rundet-auf.de spannender.
  • Die Utopia-Alternative: 12 sinnvolle Sach- und Geld-Spenden.

Prinzipiell sollte Charity Shopping à la AmazonSmile nur eine Ergänzung zum normalen Spendenverhalten sein. Wer dem Obdachlosen an der Straßenecke mal ein paar Münzen schenkt, erntet dafür vielleicht sogar ein reales Lächeln …

Weiterlesen auf utopia.de:

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