Amazon Smile: für 10.000 Euro einkaufen, um 50 Euro zu spenden

Amazon Smile
Foto: Utopia.de

Mit dem Wohltätigkeitsprogramm Amazon Smile können wir shoppen und gleichzeitig spenden. Doch das Charity-Shopping-System hat mehr als einen Haken…

Per Mausklick Bücher, Schuhe oder die komplette Wohnzimmereinrichtung bequem von zu Hause aus zu erwerben gehört für viele längst zum Alltag. Mit Amazon Smile, einem relativ neuen Programm des Online-Versandhauses, kann man beim Shoppen auch gleich das soziale Gewissen entlasten.

„Kunden können ihren Fußballverein im Ort unterstützen, ein Tierheim oder große, international tätige Organisationen“, schwärmt Deutschland-Chef Ralf Kleber über das neue Angebot. „Sie müssen nicht in die eigene Tasche greifen, sondern dürfen Amazon in die Tasche greifen lassen.“

Amazon Smile: Spenden klingt erstmal gut

Faire Pakete dank Amazon Smile?
Faire Pakete dank Amazon Smile?

Die Anmeldung bei Amazon Smile erfolgt schnell und mühelos. Man braucht dazu lediglich ein bestehendes Kunden-Konto, mit dem man sich auf smile.amazon.de anmeldet. Dann wählt man aus mehr als 10.000 sozialen
Einrichtungen in Deutschland und Österreich – von bekannten Organisationen wie WWF und Greenpeace bis hin zu kleineren gemeinnützigen Vereinen – und kauft wie gewohnt ein.

Das Spenden erledigt der US-Konzern: 0,5 Prozent der Einkaufssumme gibt das Unternehmen an die bevorzugte Organisation weiter, ohne Abzüge und ohne Preiserhöhung für den Kunden.

In den USA läuft das Spenden-Programm seit 2013, bei uns seit Ende 2016. Laut Konzern wurden seit dem Start mehr als 37 Millionen Dollar an 170.000 soziale Organisationen (zur Auswahl steht ca. eine Million …) weitergegeben.

Berechtigte Amazon-Kritik: 0,5 Prozent – kein echtes Charity Shopping

Das sieht beeindruckend aus. Aber wehe, man schaut genauer hin. Denn die Rechnung ist ja ganz einfach: Wer als Shopper insgesamt 50 Euro spenden will, müsste via Amazon Smile ganze 10.000 Euro ausgeben! Wer spenden will, macht dies am einfachsten direkt – lies dazu unseren Beitrag Sinnvolle Spenden.

Amazon Smile ist beim Spenden nicht der erste. Seit Jahren betreiben Portalseiten ähnliche Modelle zur Spendengenerierung. Das sogenannte Charity-Shopping entwickelte sich aus Werbepartnerschaften mit Online-Händlern. Wer von einer Website oder einem Blog über Direktlink im Netz einkauft, verschafft der jeweiligen Seite bis zu 10 Prozent der Kaufsumme als Provision. Führt der Link zu einer sozialen Organisation, dann wandert diese Provision meist ohne Mehrkosten für den Kunden in den jeweiligen Spendentopf.

Plattformen wie boost bieten dem Konsumenten einen Überblick über die wachsende Zahl an Partnershops, die ebenfalls für den guten Zweck zu spenden bereit sind. Dabei sind die meisten allerdings spendierfreudiger als Amazon: Der wohltätige Durchschnitt beim boost-Projekt liegt laut Anbieter bei sechs Prozent.

Während man bei boost aus mehr als 500 Online-Shops wie IKEA, Otto oder ZooPlus wählen kann, sind es beim Mitbewerber PlanetHelp sogar 1815 Einkaufspartner. Andererseits behalten die einzelnen Plattformen auch einen gewissen Anteil der Spendensumme für Betriebs- und Verwaltungskosten ein; PlanetHelp versichert den Kunden immerhin, dass mindestens 51 Prozent der erzielten Spendengewinne an die gewählte Organisation gehen.

Aus Unternehmensperspektive ein Spendenspar-Programm

Einige soziale Organisationen sehen das Smile-Spendensystem positiv. So wird etwa Christian Reuter, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes, von Amazon zitiert: „Die geringen Teilnahmebarrieren machen uns hoffnungsfroh, auch über Amazon Smile neue Unterstützergruppen zu erreichen.“ Auch Bernd Siggelkow, Vorstand des christlichen Kinder-und Jugendwerks Die Arche, meint: „Wir freuen uns, dass wir bei Amazon Smile mit dabei sind und dass die Kinder der Arche von diesem vielversprechenden Weg sowie Amazons Infrastruktur profitieren können.“

Doch es gibt auch Kritik. Zum Beispiel muß der Kunden stets bewusst auf smile.amazon.de den Einkauf beginnen, nur dann wird das magere halbe Prozent gespendet. Das ist eine Hürde, die so mancher Kunde vielleicht nicht nehmen wird und Smile als Bluewashing-Programm erscheinen läßt.

Amazon Smile

Schlimmer: Bis vor kurzem war Amazon Partner der oben genannten, eher großzügigen Portale und spielte dort eine bedeutende Rolle im Spendenbusiness. Laut Benjamin Vahle, Gründer und Geschäftsführer von boost, kamen zeitweise bis zu 50 Prozent des Spendenaufkommens über Amazon-Einkäufe herein – und die durchschnittliche Provision des Mega-Versandhändlers betrug damals noch 6,75 Prozent.

Seit Amazon Smile am 11.11.2016 das Licht der Online-Welt erblickte, haben die anderen Portale ihren größten Geldgeber verloren. „Effektiv bedeutet das geringere Spendenbeträge für die Charities und höhere Einsparungen für Amazon“, heißt es auf der boost-Plattform. Smile ist also aus Unternehmensperspektive eher ein Spendenspar-Programm.

Deutliche Kritik kommt außerdem von der Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch. Die Organisation sieht in Amazons Spendenprogramm eine „unverschämte Irreführung“, da das Geld nicht immer bei der Organisation landet, die sich der Kunde für seine Spende ausgesucht hat.

Utopia meint:

  • Wer ohnehin viel beim Online-Riesen bestellt, kann mit Amazon Smile beim Shoppen ganz einfach Gutes tun und sollte das daher auch machen, denn 0,5 % sind besser als Nichts.
  • Wer einfach nur Charity-Shopping betreiben will, muss wegen Smile nicht Amazon-Kunde werden – hier sind Portalseiten wie boost oder PlanetHelp hilfreicher. Es lohnt sich aber, die Spendenaufschlüsselung der jeweiligen Anbieter genau anzuschauen.

Prinzipiell sollte Charity Shopping nur eine Ergänzung zum normalen Spendenverhalten sein. Und wer dem Obdachlosen an der Straßenecke ein paar Münzen schenkt, erntet dafür vielleicht sogar ein reales Lächeln …

Mehr zum Thema Spenden auf utopia.de:

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(10) Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    eine wie auch immer geartete Werbung fuer Amazon sollte generell unterbleiben. Vielmehr sollte ueber die Praktiken dieses weltweit agierenden Konzerns aufgeklaert und von jeglichem Kauf abgeraten werden; Gleiches gilt fuer Nestle.

  2. Hallo Herr Schwarzmaier,

    vielen Dank für Ihr Feedback. Wir können Ihre Kritik gut nachvollziehen. Zur Erklärung: Unser Ziel ist es, viele verschiedene Möglichkeiten zu nachhaltigerem Konsum aufzeigen und damit ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Wir wissen natürlich, dass es dafür bessere Bezugsquellen gibt als Amazon (und haben auch schon mehrmals kritisch über Amazon berichtet). Wir wissen aber auch, dass viele Leute ausschließlich Amazon nutzen und diesen möchten wir zeigen, dass sie auch dort nachhaltige Produkte kaufen können.

  3. Soso, was für Praktiken hat der Konzern denn? Ihrer Schreibweise nach sind Sie ein sehr verbitterter Mensch.

    Vor allem Amazon mit Nestlé zu vergleichen ist als unverschämt zu bewerten.

    Aber manche Kerle haben halt eine sehr „spezielle“ Denkweise, nicht wahr? ;-D

  4. Selten so ein Unsinn gelesen. Eure tollen beiden Beispiele haben sehr geringe Auswahl an Organisationen und nicht mal eine Arche im Programm.
    Amazon erreicht mit dem Smile Programm ja nun deutlich mehr Förderer, als über die nicht mehr unterstützende Webseite. Es ist nur ein Mausklick entfernt und jedem fällt sofort die Möglichkeit auf.
    Vorher habe ich bei Amazon bestellt und habe gar nichts gespendet und nun sind es zumindest 0,5%. Und ich bestelle gerne über Amazon und solange wir noch eine Servicewüste in Deutschland haben bleibt es auch wohl so. Auch wenn mir der Verpackungsmüll auch nicht gefällt. Aber um das zu unterbinden müsste ich theoretisch eh nur lokal einkaufen. Wenn ich bei den anderen Anbietern schon das ganze Styropor und Plastik sehe, grrrr

  5. Das Spendenverhalten des Users Meissner entnehmen Sie Ihren weitreichenden Kenntnissen und der langjährigen privaten Verbindung zu dem User? Oder sind Sie doch nur wieder ein weiterer Schwätzer?

  6. Das Smile-Programm gibt es in der USA (amazon.COM) schon lange. Auch dort wurden schon immer 0.5 % ausgeschüttet. In Deutschland bezieht sich das meines Wissens auf den Nettopreis, also ohne Umsatzsteuer und ggf. Versandkosten.

    Für Vereine gibt es aber noch eine weit lukrativere Möglichkeit, an Bestellungen über Amazon zu partizipieren. Wer am Affiliate-Programm von Amazon teilnimmt, bekommt Ausschüttungen von 2-10 % je nach Produktkategorie. Meistens sind es um die 5 %, also dem Zehnfachen von Smile.

    Vereine (oder auch Einzelpersonen) melden sich einfach beim Affiliate-Programm an und Posten dann den entsprechenden Link oder Banner auf ihrer Webseite oder in Newsletter. Fertig. Da kann dann schnell ein ansehnliches Sümmchen zusammenkommen.

  7. Selten so ein Blödsinn gelesen.

    Ich kaufe so oder so viele meiner Produkte bei Amazon und wenn Amazon dann ein Bruchteil davon abgibt sollte man das eher loben anstatt zu kritisieren. Sie könnten auch nur die Gewinne einstreichen und nichts abgeben.

  8. Das kann ich so unterschreiben. Wem das an Spenden zuwenig ist, dem bleibt unbenommen, zusätzlich noch direkt an Organisatiopnen zu spenden. Mit Smile profitiert jemand von Handlungen, die ich sowieso vollziehe; warum also nicht.

  9. Die große Frage ist ja: WARUM macht Amazon das?

    Neben den bekannten Gründen in den Bereichen branding und ggf. steuerlichen Vorteilen finde ich vor allem spannend, dass ein Einkauf nur über einen bestimmten link möglich ist, der zwei Begriffe miteinander verbindet, welche dem Kunden bei der Eingabe immer wieder vergegenwärtigt werden: „smile“& „Amazon“.
    Amazon hätte ja auch sagen können: Ab sofort gehen 0,5% des individuellen Umsatzes über die reguläre website an eine im Benutzerprofil eingestellte gemeinnützige Organisation. Und wenn keine eingestellt sein sollte, dann halt an eine zufällig oder so. Haben sie so aber nicht gemacht.

    Das legt eine andere Vermutung nahe: hier sollen vielleicht zwei Begriffe miteinander verknüpft werden, „smile“ und „Amazon“. Im Deutschen gibt es dazu das Beispiel „Brille: Fielmann“, allerdings geht Amazon noch einen Schritt weiter: Durch das Lesen von „smile“ (im Englischen durchaus als Imperativ zu verstehen!) kann (insbesondere bei Muttersprachlern) die Emotion „Freude“ aktiviert werden, in Teilen ob wir wollen oder nicht. Der reguläre Weg wäre Emotion => Handlung, mittlerweile weiß man aber, das es umgekehrt auch teilweise funktioniert. Und nach ausreichender Konditionierung reicht ggf. irgendwann allein der verknüpfte Begriff „Amazon“, um „Freude“ zu aktivieren (s. Beispiel mit dem Hund & der Glocke: klassische Konditionierung [1]).

    Werbepsychologisch also vielleicht ein genialer Schachzug, gleichzeitig wäre das aber auch eine (legale) hochmanipulative Methode. Selbst bei kritischen Berichterstattungen werden nämlich die beiden Begriffe vom Gehirn des Lesers automatisch in Verbindung gebracht und nicht zwangsläufig auf Verstandesebene sauber getrennt. Entsprechend sind sie bei mir während des Schreibens dieses Beitrag (leider) auch stärker miteinander assoziiert worden. ;o)

    disclaimer: Ich arbeite zwar im psychotherapeutischen Bereich, bin aber kein Profi im Bereich Werbepsychologie.

    [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Klassische_Konditionierung#Der_Pawlowsche_Hund

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