Hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften: Woran liegt das und was hilft?

Hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften
Foto: CC0 / Pixabay - Markus Spiske (links) / Free Photos (rechts)

Selbst wer regelmäßig lüftet, hat manchmal mit zu hoher Luftfeuchtigkeit zu kämpfen. Die möglichen Ursachen sind vielfältig, lassen sich aber mit den richtigen Maßnahmen in den Griff bekommen.

Manche Räume scheinen einfach wie verhext. Da lüftest du jeden Tag mehrfach und trotzdem will die Feuchtigkeit einfach nicht nach draußen weichen. Die Luft ist klamm, Schimmel droht, doch nichts zeigt Wirkung. Tatsächlich gibt es manchmal tieferlegende Probleme an der Bausubstanz, die dafür verantwortlich sein können und die nur sehr aufwendig zu beseitigen sind. Oft sind die Gründe für hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften aber ganz simpel.

Wann ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch?

Bevor wir uns den Ursachen zu hoher Luftfeuchtigkeit trotz Lüften widmen, klären wir zunächst, was „zu hoch“ überhaupt bedeutet.

Als Faustregel gilt: Die Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen sollte 40 bis 60 Prozent betragen, um Schimmelentstehung zu vermeiden und zugleich auch ein angenehmes Raumklima zu bieten. Da wir Menschen leider sehr schlecht darin sind, Luftfeuchtigkeit präzise wahrzunehmen, empfiehlt sich ein Hygrometer, das den Wert misst. Hygrometer bekommst du zum Beispiel bei Saturn, Mediamarkt oder Amazon.

Hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften
Ein Hygrometer zeigt die Luftfeuchtigkeit und manchmal auch die Temperatur an. Es gibt sie auch digital. (Foto: CC0 / Pixabay - stux)

Sollte der Wert an vereinzelten Tagen mal etwas über 60 Prozent liegen, ist das noch kein Grund zur Panik. Doch spätestens wenn nach mehreren Tagen trotz sorgfältigen Lüftens keine Besserung in Sicht ist, solltest du der Ursache zeitnah auf den Grund gehen und Maßnahmen treffen, um Schimmel zu verhindern.

Vorsicht vor diesem Fehler!

Zunächst solltest du dich vergewissern, dass du auch korrekt lüftest. Ein gerne vernachlässigter Faktor beim Lüften ist in etwa die Raumtemperatur. Wer Energie sparen will und deshalb die Heizung nur auf Sparflamme laufen lässt, macht einen großen Fehler. Denn warme Luft nimmt Feuchtigkeit besser auf als kalte. Das bedeutet: Bei der exakt gleichen Menge Wasser in der Luft ist die relative Luftfeuchtigkeit höher, je kälter es ist.

Beispiel: Beträgt die Luftfeuchtigkeit optimale 50 Prozent in einem 20 Grad warmem Raum, erhöht sie sich auf schimmelfreundliche 63 Prozent, wenn das Zimmer auf 16 Grad abkühlt, ohne dass ein einziger Tropfen Wasser hinzugefügt wurde. Die Temperatur in deiner Wohnung sollte deshalb nie unter 16 Grad fallen.

Weitere Gründe für hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften

Laut Rita Maria Jünnemann von der Verbraucherzentrale NRW kann es folgende Gründe haben, dass die Luftfeuchtigkeit trotz lüften zu hoch bleibt:

  • Der absolute Feuchtgehalt der Außenluft ist in etwa genauso hoch oder höher als der der Raumluft. Dazu kommt es vor allem im Sommer (draußen sehr heiß) oder in den Übergangsmonaten (milde Temperaturen bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit).
  • Die Wohnung liegt windgeschützt (etwa zu einem Innenhof gerichtet) und es gibt keine Möglichkeiten zur Quer- oder Durchzuglüftung, was den Luftaustausch erschwert.
  • Es gibt oder gab einen Leitungswasserschaden, einen Bauschaden oder ein Starkregenereignis mit Durchfeuchtung eines Bauteils, sodass diese selbst nach längerem und häufigen Lüften immer wieder Feuchtigkeit abgeben.

Generell gilt: Je mehr Feuchtigkeitsquellen du in deiner Wohnung hast, desto schwerer ist es, die Luftfeuchtigkeit niedrig zu halten. Ausgefallene Einrichtungsgegenstände wie Aquarien und Zimmerbrunnen erhöhen den Wert ebenso wie zum Trocknen aufgehängte Wäsche und ein Übermaß an Zimmerpflanzen.

Hohe Luftfeuchtigkeit trotz Lüften
Aquarien und andere Wasserquellen erhöhen die Luftfeuchtigkeit im Raum. (Foto: CC0 / Pexels - imsogabriel Stock)

Die Anzahl der Menschen und Haustiere, die sich in der Wohnung aufhalten, hat ebenfalls Einfluss auf die Luftfeuchtigkeit, weil sie alle Flüssigkeit in die Umgebung abgeben.

Das hilft bei hoher Luftfeuchtigkeit trotz Lüften

Häufiges Lüften ist nicht automatisch richtiges Lüften. Auch hier spielt die Raumtemperatur eine große Rolle. Denn nur, wenn es drinnen wärmer ist als draußen, kann ein ordentlicher Feuchtigkeitsaustausch stattfinden.

In den kalten Monaten November bis März empfiehlt es sich deshalb drei- bis viermal am Tag für je etwa fünf Minuten stoßzulüften. Während von Mai bis September und vor allem im Hochsommer längere Lüftphasen am frühen Morgen und späten Abend den größten Effekt erzielen.

Außerdem: Selbst wenn es draußen regnet oder schneit und die Luftfeuchtigkeit 100 Prozent beträgt, ist Lüften dennoch sinnvoll, solange der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außentemperatur hoch genug ist.

Wäsche solltest du am besten draußen aufhängen. Falls das nicht geht, dann möglichst in einem Raum, der nicht vom Problem betroffen ist und diesen extra gründlich lüften. Auch andere Wasserquellen sollten so gut es geht entfernt oder in Räume verlagert werden, die kein Feuchtigkeitsproblem haben. Nach dem Duschen (am besten möglichst kurz) und dem Kochen (mit Deckel auf dem Topf oder Dunstabzug benutzen) empfiehlt es sich ebenfalls, unmittelbar danach kurz durchzulüften.

Wenn du einen Bau- oder Feuchteschaden in Verdacht hast, solltest du aber unbedingt einen Sachverständigen zu Rate zu ziehen. Nur diese seien in der Lage, die Zusammenhänge zu analysieren und geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, erklärt Rita Maria Jünnemann und betont: „Normales Heizen und Lüften hilft hier nicht weiter!“

Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Sachverständigen gibt es auf svv.ihk.de (Architekt:innen, Ingenieur:innen und weitere naturwissenschaftliche Fachgebiete sowie bei svd-handwerk.de, Handwerker:innen mit Zusatzschwerpunkten in ihren Fachgebieten).

Luftentfeuchter: Hilfreich, aber keine Dauerlösung

Zu guter Letzt gibt es noch die Möglichkeit, die Feuchtigkeit aus der Luft herauszuziehen. Dafür gibt es zum Beispiel elektrische Luftentfeuchter. Diese sind zwar sehr effektiv, verbrauchen aber Strom und machen Lärm.

Nachhaltiger, kostengünstiger und leise sind Luftentfeuchter ohne Strom, die stattdessen mit Granulat aus Calciumchlorid funktionieren. Dieser Stoff wird auch als Streusalz verwendet und ist in großen Mengen umweltschädlich, doch die kleinen Beutel von etwa ein Kilogramm stellen kein Problem dar und sind auch gesundheitlich unbedenklich.

Luftentfeuchter seien allerdings keine Dauerlösung und sollten nur bei akut auftretender hoher Feuchtigkeit eingesetzt werden, erklärt Rita Jünnemann. Wenn es etwa durch Bau- oder Wasserschäden zur Durchfeuchtung kommt, müssen professionelle Bautrockner zum Einsatz kommen.

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