Eine Solaranlage zu mieten, wirkt auf den ersten Blick wie eine Alternative zum Kauf. Allerdings lohnt sich das nur in den wenigsten Fällen. Wir erklären, warum.
Auch wenn die Preise für Solaranlagen in den vergangenen Jahren gesunken sind, kosten sie je nach Größe immer noch über 10.000 Euro. Wer keine größeren Rücklagen hat und keinen Kredit aufnehmen möchte, hat aber noch eine Möglichkeit: eine Solaranlage mieten.
Der Photovoltaik (PV)-Anbieter DZ4 brachte bereits 2012 das Konzept aus den USA nach Deutschland. Es sollte eine einfache Solarlösung, bei der man sich selbst um nichts kümmern muss.
Auch über 10 Jahre später bieten Solarteure dieses Geschäftsmodell an. Allerdings handelt es sich immer noch um ein Nischenthema. Es gibt nur wenige Unternehmen mit entsprechenden Angeboten und einige haben sich bereits aus diesem Markt zurückgezogen. Auch für den Pionier DZ4 verlief die Reise nicht optimal: Er musste 2024 das Geschäft aufgeben, wie das PV Magazine berichtete.
Wir schauen uns daher genau an, wie das Mietmodell funktioniert, was es kostet und ob es für dich überhaupt wirtschaftlich ist.
Solaranlage mieten: Wie funktioniert das?
Das Konzept ist recht einfach: Statt eine Solaranlage bei einem Anbieter zu kaufen, mietest du sie. Das heißt, der Anbieter baut dir eine PV-Anlage aufs Dach, die du dann zumeist 20 Jahre lang nutzen kannst. Während dieser Zeit überweist du ihm eine monatliche Leihgebühr und fertig. Der große Vorteil dabei: Du benötigst keine Anfangsinvestition und kannst sofort loslegen.
Da dir die Anlage nicht gehört, musst du dich auch um nichts weiter kümmern. Der Anbieter übernimmt nicht nur den Aufbau, sondern auch die Anmeldung, Wartung, Reparaturen und Versicherungskosten. Währenddessen kannst du den Solarstrom vom Dach in deinem Haushalt nutzen und so deine Stromkosten senken. Bei guter Ausrichtung und der Module kannst du so etwa 80 Prozent deiner Stromkosten einsparen.
Am Ende der Vertragslaufzeit entscheidest du dann, was mit der PV-Anlage passieren soll. In der Regel darfst du sie vom Anbieter übernehmen oder zu einem oft symbolischen Preis von 1 Euro abkaufen. Da Solaranlagen deutlich länger als 20 Jahre funktionieren, kannst du dann weiterhin Strom mit deiner abgezahlten Anlage produzieren.
Solaranlage mieten: Was ist der Unterschied zur Pacht und Finanzierung?
Solaranlagen kannst du nicht nur mieten, sondern auch pachten, leasen und finanzieren. Gelegentlich werden die Begriffe synonym verwendet. Trotz inhaltlicher Überschneidungen gibt es Unterschiede.
- Miete: Bei der Miete zahlst du einen monatlichen Betrag und hast keine weiteren Verpflichtungen. Den Solarstrom kannst du im Haushalt nutzen, den Überschuss aber nicht. Er geht ins öffentliche Netz, dafür bekommt der Vermieter eine Einspeisevergütung. Miete und Pacht werden in der Solarbranche oft synonym verwendet.
- Leasing: Auch beim Leasing baut der Anbieter dir eine PV-Anlage aufs Dach. Anders als bei der Miete musst du alle Nebenkosten wie Versicherungen, Reparaturen etc. selbst tragen. Dafür gehören dir alle Einnahmen, die die Anlage erzielt – also nicht nur der Eigenverbrauch, sondern auch die Einspeisevergütung. Auch die monatlichen Raten fallen günstiger aus. Ähnlich wie bei einem Auto kannst du die Solaranlage dann am Ende der Vertragslaufzeit auslösen.
- Pacht: Eine Solaranlage pachten meint zumeist, dass du eine Solaranlage mietest. Pacht kann aber auch bedeuten, dass du dein Dach für die Stromproduktion zur Verfügung stellst. Ein PV-Unternehmen nutzt die Fläche dann für eine Solaranlage und wirtschaftet mit dem Strom. An den Erträgen wirst du nicht beteiligt, sondern bekommst eine monatliche Pacht gezahlt. Du beziehst also deinen Strom weiterhin aus dem Netz, hast aber über die Vertragslaufzeit ein stabiles Einkommen.
- Finanzierung: Bei der Finanzierung kaufst du eine Solaranlage mit einem Kredit und zahlst ihn über einen individuellen Zeitraum ab. Der Vorteil: Die PV-Anlage und die gesamten Erträge gehören vom ersten Tag an dir. Dafür musst du dich um alles selbst kümmern und im Gegensatz zu einem Direktkauf fallen Zinsen ein.
Was kostet eine Solaranlage zur Miete?
Die monatlichen Kosten für eine Miet-Solaranlage hängen von der Größe der Anlage und die Qualität der Komponenten ab. Zudem kannst du auswählen, ob du zusätzlich einen Speicher nutzen möchtest.
Für eine typische Anlage auf einem Einfamilienhaus mit einer Leistung zwischen 5 und 10 Kilowattpeak (kWp) kannst du mit monatlichen Raten zwischen etwa 100 und 200 Euro rechnen. Wünschst du dir zusätzlich zur Photovoltaik-Anlage einen Stromspeicher, um auch abends und nachts deinen Solarstrom zu nutzen, steigen die monatlichen Kosten auf etwa 200 bis 350 Euro. Diese Raten sind meist für 20 Jahre festgeschrieben.
Wichtig dabei: Solaranbieter machen dir immer ein individuelles Angebot und geben auf ihren Websites immer nur Startpreise an. Sie beziehen sich auf die kleinstmöglichen Anlagen ohne Speicher. Du musst also mit deutlich mehr rechnen. Zudem empfehlen wir dir, mindestens drei Angebote einzuholen und sie untereinander zu vergleichen. Denn neben den Anlagen beinhalten sie oft nützliche Extras wie ein Energiemanagementsystem und ein dynamischen Stromtarif.
Einige Anbieter von Miet-Solaranlagen:
- Enpal: Ab 98 €/Monat
- Finley Solar: Ab 99 €/Monat
- Otovo: Ab 55 €/Monat
- Svea Solar: Ab 99 €/Monat
Solaranlage, Wallbox, Wärmepumpe: Kann ich alles zusammen mieten?
Solaranlagen rentieren sich stärker, wenn du noch eine Wärmepumpe und ein E-Auto verwendest. Das haben auch die Anbieter von Miet-Solaranlagen erkannt. Einige bieten Kombipakete an, bei denen du einen höheren Mietpreis zahlst und dafür eine Wallbox oder Wärmepumpe dazubekommst. Unter anderem geht das bei Viessmann.
Vorteile einer Miet-Solaranlage
Wenn du dich dafür entscheidest, eine Photovoltaik-Anlage zu mieten, kannst du von mehreren Vorteilen profitieren.
- Keine Anfangsinvestition: Der größte Vorteil ist der Wegfall der hohen Anschaffungskosten. Du benötigst kein Eigenkapital, um mit der Produktion von Solarstrom zu beginnen.
- Planungssicherheit: Du zahlst eine feste, monatliche Rate über die gesamte Vertragslaufzeit. Unerwartete Kosten für Reparaturen oder Wartung gibt es nicht, was deine Ausgaben kalkulierbar macht.
- Rundum-Sorglos-Paket: Der Anbieter kümmert sich um alles von der Planung über die Installation bis hin zur Versicherung. Auch beim Austausch des Stromspeichers und Wechselrichters nach etwa 15 Jahren entstehen für dich weder Aufwand noch Kosten.
- Sofortige Ersparnis: Vom ersten Tag an senkst du deine Stromrechnung, da du den produzierten Solarstrom selbst verbrauchst.
Nachteile einer Miet-Solaranlage
So gut Solaranlagen zur Miete auch klingen, sie bringen auch einige Nachteile.
- Höhere Gesamtkosten: Über die gesamte Laufzeit von 20 Jahren zahlst du in Summe deutlich mehr, als wenn du die Anlage direkt gekauft hättest.
- Kein Eigentum: Die Anlage gehört dir nicht. Das bedeutet, sie trägt nicht zur Wertsteigerung deiner Immobilie bei und du kannst sie nicht als Vermögenswert betrachten.
- Lange Vertragsbindung: Mietverträge laufen meist 20 Jahre. Ein vorzeitiger Ausstieg ist oft schwierig und teuer, was deine Flexibilität bei einem möglichen Hausverkauf einschränken kann.
- Verzicht auf Erträge: Die staatlich garantierte Einspeisevergütung für den Strom, den du ins Netz einspeist, geht in der Regel an den Anbieter. Dir entgeht damit eine Einnahmequelle.
- Weniger Gestaltungsfreiheit: Du hast keinen Einfluss auf die Auswahl der Komponenten. Der Anbieter entscheidet, welche Module und welcher Wechselrichter verbaut werden.
Lohnt es sich, eine Solaranlage zu mieten?
Betrachten wir die Vor- und Nachteile einer Mietanlage stechen zwei Punkte besonders heraus. Zum einen fällt die Einspeisevergütung weg, zum anderen sind die Gesamtkosten der Anlage höher. Beide haben massive negative Auswirkungen auf die die Wirtschaftlichkeit.
Ein Rechenbeispiel:
Eine 10-kWp-Solaranlage mit Speicher kostet im Mittel etwa 15.000 Euro. Zudem fallen in 20 Jahren Betriebskosten wie Versicherungen (4.000 Euro) und ein einmaliger Tausch von Wechselrichter und Speicher an (5.500 Euro). Im Gesamten hättest du also Kosten von etwa 24.500 Euro.
Gleichzeitig würdest du durch gesparte Stromkosten (28 Cent/kWh für Neukund:innen) und die Einspeisevergütung (7,86 Cent/kWh) rund 27.000 Euro an Einnahmen bzw. Einsparungen generieren (Stand August 2025). Das heißt, du gehst mit einem Plus von circa 2.500 Euro raus.
Wie die genauen Preise und Einnahmen sich zusammensetzen, kannst du in unserem Ratgeber „Lohnt sich eine Solaranlage?“ nachlesen.
Bei einer Mietanlage sieht die Beispielrechnung wie folgt aus:
Nehmen wir an, du hast ein gutes Angebot bekommen und zahlst 250 Euro pro Monat für die gleiche Anlagengröße. Du hast dann keine weiteren Investitions-, Betriebs-, Reparatur und Austauschkosten und nach Ablauf der Laufzeit kannst du die Solaranlage kostenfrei übernehmen. Dann würdest du über 20 Jahre 60.000 Euro zahlen (250 Euro x 12 Monate x 20 Jahre) – also deutlich mehr als bei einem Kauf.
Auch auf der Einnahmeseite sieht es düster aus. Eine Einspeisevergütung bekommst du in der Regel nicht, da sie beim Anbieter landet. Also kannst du nur noch deine eigenen Stromkosten senken. Mit diesem Setup könntest du einen Autarkiegrad [SB1] von 80 Prozent erreichen. Bei einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh würdest du also 3.200 kWh durch die PV-Anlage decken. Bei einem Strompreis von 28 Cent/kWh sparst du dann 896 Euro pro Jahr, in 20 Jahren wären es 17.920 Euro. Mit einer Mietanlage machst du also einen Verlust von 42.080 Euro.
Rein finanziell betrachtet lohnt sich eine Solaranlage zum Mieten in diesem Szenario also nicht einmal ansatzweise.
Fazit: Warum du besser keine Solaranlage mieten solltest
Solaranlagen zu mieten klingt nach einem spannenden Konzept. Schließlich kannst du ohne Startkapital anfangen, deinen eigenen Strom zu produzieren. Das senkt deine Stromkosten und kommt dem Klima zugute. Zudem musst du dich um nichts kümmern, auch wenn die Solaranlage mal kaputt geht.
Finanziell betrachtet sind Mietanlagen aber ein Minusgeschäft. Selbst bei optimistischeren Rechnungen zahlst du immer gewaltig drauf.
Wir würden sie dir daher nur empfehlen, wenn du aus reiner Überzeugung eine Solaranlage haben möchtest, ohne dich groß darum kümmern zu müssen. Aber selbst dann solltest du dir mehrere Angebote geben lassen und sie miteinander vergleichen.
👉 Portale wie Aroundhome oder das Solaranlagenportal können hierfür sinnvoll sein. Dort bekommst du unverbindliche Angebote von verschiedenen Installationsbetrieben in deiner Nähe.
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