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Rechtzeitig vorsorgen: Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

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Wer kümmert sich um dich, wenn du es aufgrund eines Unfalls oder einer plötzlichen Erkrankung nicht mehr kannst? Das lässt sich in einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht regeln – und zwar am besten in kerngesunden Zeiten. Wir erklären dir, was du beachten musst.

Wir alle wollen alt werden – und dann am liebsten einfach einschlafen und nicht mehr aufwachen. Höchstwahrscheinlich wird es anders kommen. Und das kann ganz überraschend passieren: Ein Unfall, ein Schlaganfall oder eine schwere Erkrankung können ganz plötzlich dafür sorgen, dass man keine eigenen Entscheidungen mehr treffen kann.

In einem solchen Ernstfall ist es wichtig, dass ein Mensch schriftlich festgehalten hat, wer für ihn sorgen und in seinem Sinne entscheiden darf und wie sich der Betroffene seine medizinische Behandlung und vielleicht auch sein Lebensende vorstellt.

Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsvollmacht

Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsvollmacht gehören zu den Dingen, die Menschen erfahrungsgemäß gerne vor sich herschieben. Das Zögern ist verständlich – die Verfügungen sind aber äußerst wichtig. „Jede volljährige Person sollte eine Patientenverfügung, eine Vollmacht und eine Betreuungsverfügung haben“, rät die Deutsche Stiftung Patientenschutz.

Es macht Sinn, sich über medizinische Notsituationen und auch den Tod Gedanken zu machen und darüber nachzudenken, was einem selbst wichtig ist. Manche Menschen haben Angst, dass sie bei schwerer Krankheit viel zu lange an technischen Geräten hängen – andere wiederum fürchten das Gegenteil und sorgen sich, dass nicht alles Menschenmögliche getan wird, um ihr Leben zu retten.

Überlegungen dieser Art sind nicht einfach – wer sich aber einmal damit auseinandergesetzt hat, wird froh sein, das Thema in der Theorie vom Tisch zu haben. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsvollmacht – alle drei Dokumente sind ganz leicht zu erstellen. Wir erklären dir, was du beachten musst.

Vollmacht auch bei Ehe- und Lebenspartnern wichtig

Warum braucht man die Vollmachten und Verfügungen überhaupt? Kann im Notfall nicht einfach die eigene Familie entscheiden? „Manche Paare gehen irrtümlich davon aus, dass jeder der Partner auch ohne Vorsorgevollmacht für den anderen entscheiden darf, etwa in einem medizinischen Notfall“, weiß Simone Weidner von der Stiftung Warentest. Doch das ist nicht der Fall.

Liegt keine Vollmacht vor und du selbst kannst wichtige Entscheidungen nicht mehr eigenhändig treffen, ist das Amtsgericht verpflichtet, einen rechtlichen Betreuer einzusetzen. Das kann zwar durchaus jemand aus der Familie sein, es kann aber auch ein Außenstehender eingesetzt werden. In der Hälfte der Fälle benennt das Gericht eine völlig fremde Person.

Eine Vorsorgevollmacht beugt diesem Fall vor, mit ihr kannst du selbst bestimmen, wer dein Vertreter sein soll. Für Kinder entscheiden übrigens grundsätzlich die gesetzlichen Vertreter, meist also die Eltern.

Was regelt eine Patientenverfügung, was eine Vorsorgevollmacht?

Eine Patientenverfügung hält fest, welche lebenserhaltenden Maßnahmen du wünschst – und welche du ablehnst. Eine Vorsorgevollmacht dagegen regelt, wer für dich entscheiden soll, wenn du nicht mehr geschäftsfähig bist. Geregelt werden können hier nicht nur die Art der Unterbringung, sondern auch die Verwaltung des Vermögens und die Vertretung vor Behörden.

Am besten in gesunden Tagen erledigen: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
Am besten in gesunden Tagen erledigen: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht (Foto: Rike. / photocase.de)

Patientenverfügung

Was ist eine Patientenverfügung?

In der für Ärzte verbindlichen Verfügung wird festgehalten, welche medizinischen Maßnahmen du im Ernstfall wünschst und welche du wiederum ablehnst. Hier werden die eigenen Vorstellungen vom Lebensende festgehalten.

Die Patientenverfügung wird erst aktiv, wenn der Patient nicht mehr selbst artikulieren kann, welche Art der Behandlung er möchte. Die Patientenverfügung muss schriftlich vorliegen.

Was muss darin stehen?

  • Vor- und Familienname, Geburtsdatum, Anschrift
  • Beschreibung der Situation, in der die Patientenverfügung gelten soll
  • Genaue Angaben zu lebenserhaltenden Maßnahmen, Schmerzbehandlung, künstlicher Ernährung
  • Wünsche den Sterbeort und die Sterbebegleitung betreffend
  • Hinweis auf weitere Vorsorgeverfügungen
  • Datum und Unterschrift

Wie soll eine Patientenverfügung aussehen?

Eine Patientenverfügung muss klar formuliert sein und den Willen des Patienten eindeutig erkennen lassen. Sätze wie „Ich will nicht an Schläuchen hängen“ oder „Ich möchte in Würde sterben“ sind zu unpräzise, erklären die Experten von Stiftung Warentest in ihrem Ratgeber „Richtig vorsorgen“.

Wichtig ist, dass ein Bevollmächtigter genannt wird, mit dem sich die behandelnden Ärzte bei offenen Fragen absprechen können und der den Willen des Patienten gut kennen sollte.

Bei inhaltlichen Fragen ist es hilfreich, diese mit dem Hausarzt zu besprechen. Hier darf auch der Bevollmächtigte (siehe Vorsorgevollmacht) dabei sein, so kann er sich frühzeitig ein Bild über die Vorstellung des Vollmachtgebers machen.

Laien sind oft damit überfordert, welche Angaben wie festgehalten werden soll. Hilfreich sind Musterformulare, die den Anforderungen des Bundesgerichtshofs (BGH) entsprechen. Mehr Infos dazu bei unseren Linktipps.

⇒ Wichtig zu wissen: Wenn ein Mensch nicht mehr bei Bewusstsein ist und keine Patientenverfügung vorliegt, wird vom Gericht ein Betreuer eingesetzt, der dann entscheidet.

Eine Patientenverfügung ist noch keine Rundum-Versorgung für den Ernstfall. Dazu braucht es zusätzlich eine Vorsorgevollmacht.

Vorsorgevollmacht

Was ist eine Vorsorgevollmacht?

In einer Vorsorgevollmacht wird eine Vertrauensperson (Ehepartner, Lebenspartner, Kinder, Geschwister, Freund) benannt. Diese Person wird durch die Vollmacht zum Bevollmächtigen in Sachen Gesundheit und Alltag und entscheidet – wenn du es selbst nicht mehr kannst – in deinem Namen. Bevollmächtigt werden können auch mehrere Personen, zum Beispiel die Kinder. Und: Es können auch unterschiedliche Personen für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt werden.

Eine Vorsorgevollmacht ist auch zwischen Lebens- und Ehepartnern wichtig.

Was muss darin stehen?

  • Vor- und Familienname, Geburtsdatum, Anschrift
  • Ab wann soll die Vollmacht gelten (zum Beispiel ab sofort oder ab dem Zeitpunkt, wenn ein Arzt die Geschäftsunfähigkeit festgestellt hat)?
  • Genaue Beschreibung der Aufgaben
  • Datum und Unterschrift, optimalerweise auch vom Bevollmächtigen

Wie soll eine Vorsorgevollmacht aussehen?

In der Vollmacht sollte möglichst genau festgehalten werden, für welche Aufgaben der Bevollmächtigte entscheiden soll. Diese Bereiche kannst du deinem Bevollmächtigen anvertrauen:

  • Geldgeschäfte, Vermögensverwaltung, Rechtsgeschäfte (Kontoführung, Rechnungen begleichen, Hausverkauf etc.)
  • Gesundheit (Wahl von Arzt, Krankenhaus, Pflegedienst, Untersuchungen erlauben und ablehnen etc.)
  • Wohnsituation (Pflege zu Hause oder im Pflegeheim etc.)
  • Post
  • Todesfall (Beerdigung)

Ein einfaches schriftliches Dokument ist bei einer Vorsorgevollmacht völlig ausreichend. Eine notarielle Beglaubigung ist nur notwendig, wenn es um das Verwalten größerer Vermögen oder wenn es um den Kauf oder Verkauf von Immobilien geht.

Wenn der Bevollmächtigte auch auf das Konto zugreifen soll, ist zusätzlich eine Bankvollmacht notwendig.

Wichtig zu wissen:

  • Wer keine Vorsorgevollmacht hat, bekommt einen gerichtlichen Betreuer.
  • Eine Vorsorgevollmacht kann jederzeit ganz oder in Teilen widerrufen werden.
  • Beide Vertragsteilnehmer müssen geschäftsfähig sein.
  • Es können auch unterschiedliche Personen für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt werden.

Betreuungsverfügung

Was ist eine Betreuungsverfügung?

Alternativ oder ergänzend zur Vorsorgevollmacht ist eine Betreuungsverfügung sinnvoll. Hier wird festgehalten, wer dich im Fall des Falles betreuen und wie die Betreuung aussehen soll. Sie gilt in dem Fall, dass die Vorsorgevollmacht nicht ausreicht und das Betreuungsgericht eingeschaltet wird. Ein Richter muss den Vorgeschlagenen erst prüfen und dann zustimmen oder ablehnen. Ein Bevollmächtigter, der in einer Vorsorgevollmacht genannt wurde, darf ohne richterliche Prüfung sofort in deinem Sinne handeln.

Hier wird auch festgelegt, für welche Krankheitssituation er bestimmten Behandlungen zustimmt und welche medizinischen Behandlungen er ablehnt.

Eine Betreuungsverfügung kann auch noch erstellt werden, wenn man nicht mehr voll geschäftsfähig ist. Besser ist es aber, sie zu schreiben, wenn man voll geschäftsfähig ist.

Eine Betreuungsverfügung sollte schriftlich verfasst sein, sie muss aber keine bestimmte Form haben.

Wo sollten Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht deponiert werden?

Die nächsten Angehörigen und der Hausarzt sollten eine Kopie der Patientenverfügung bekommen. Zudem macht es Sinn, einen Hinweis bei sich zu tragen, wo man die Dokumente aufbewahrt. Wird eine Vertrauensperson bevollmächtigt, sollte diese in jedem Fall Bescheid wissen und das Dokument erhalten.

Weitere Informationen

Weiterlesen auf Utopia.de:

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

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