World Recycle Week: Altkleider sammeln bei H&M

Foto: © H&M

Die World Recycle Week ist eines der umfangreichsten Umweltprojekte von H&M bisher: 1000 Tonnen Altkleider sollen innerhalb von einer Woche für Recycling in den Filialen gesammelt werden.

Von der einsamen Socke bis zum völlig ausgebleichten T-Shirt: Jeder hat die ein oder andere Leiche im Kleiderschrank, die seit Jahren eigentlich nur noch Platz wegnimmt. Auf solche Kleidungsstücke hat es H&M mit seiner neuen Kampagne World Recycle Week abgesehen. Dabei darf natürlich nicht nur H&M-Kleidung, sondern jegliche Altkleidung in den Filialen abgegeben werden – sogar Bettlaken und Handtücher werden gesammelt.

„Das Recyceln eines einzelnen T-Shirts kann 2100 Liter Wasser sparen“ oder „95% aller weggeworfenen Kleidung könnte ein zweites Leben bekommen“ – mit Sätzen wie diesen möchte H&M seine Kunden zum Recyceln animieren. Bei der Aktion World Recycle Week vom 18. bis zum 24. April werden sämtliche Altkleider in den mehr als 3.600 Filialen der schwedischen Modekette weltweit gesammelt. Das Ziel: 1000 Tonnen abgetragener Kleidung zusammen zu bekommen. Eine Karte auf der Website verrät, in welchen Städten und Filialen die Altkleider abgegeben werden können.

So funktioniert Recycling bei der H&M Recycle Week

Schon seit 2013 kümmert sich die Modekette H&M mit der Initiative „Kleidung sammeln bei H&M“ um Altkleider-Recycling. In den letzten drei Jahren kamen so 25.000 Tonnen Altkleider zusammen, die recycelt wurden. Und das funktioniert bei H&M so: Wenn die Boxen in den Filialen voll sind, werden sie in eine von insgesamt sieben Sortieranlagen transportiert, die zu Europas größtem Textilsortierer, der Soex-Gruppe gehören. Diese sammelt Bekleidung und Schuhe über ihre Tochter I:Collect AG (I:CO) – mit weltweit über 15.000 Sammelstellen ist I:CO in 64 Ländern vertreten. Auf der H&M Charitystar Webseite kann man übrigens verfolgen, wie viele Kilos in dem jeweiligen Land zusammengekommen sind. Um die Kunden zum Kleider spenden zu animieren, bekommen sie pro abgegebener Tüte Altkleider 15 Prozent Nachlass auf ihren nächsten Einkauf.

In den Sortierwerken angekommen, werden die Kleidungsstücke in verschiedene Kategorien eingeteilt: in noch tragbare Kleidung, die in Second-Hand-Läden verkauft werden kann, in wiederverwendbare Kleidung, die zu Putzlappen, Flickenteppichen oder Isolierungen und Polsterungen für Autos weiterverarbeitet wird und zu guter Letzt in recycelbare Kleidung, aus denen von Grund auf neue Ware entsteht. Bis zu 40 Prozent der Ware wird recycelt. Und hier kommt nun das Tochterunternehmen I:CO ins Spiel: Mit der Idee, Altkleidung als Rohmaterial zu begreifen, das in einem Kreislauf zirkulieren soll – im besten Falle endlos. So soll aus einem alten T-Shirt ein neues Shirt entstehen – und kein Putzlappen. Mit Unterstützung des I:CO-System hat H&M auch eine Jeans-Kollektion lanciert, die zu 20 Prozent aus recycelten, also gebrauchten Denim-Stoffen besteht.

World Recycle Week: H&M spendet an „Menschen für Menschen“

Die World Recycle Week hört sich erst einmal gar nicht so schlecht an. Ebenso wie die Info, dass sämtliche Gewinne aus der Altkleider-Initiative laut Unternehmen in soziale Projekte investiert oder in Forschungsprojekte gesteckt werden, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Recycling in der Textilindustrie beschäftigen. H&M beteuert auch auf Nachfrage, dass es mit dieser Initiative keinen Gewinn anstrebt. Für jedes gesammelte Kilo gehen außerdem zwei Cent an die Organisation „Menschen für Menschen“ aus Deutschland.

In einem Infovideo erklärt das Unternehmen: 99 Prozent der per Recycling-Week gesammelten Kleidung werden weitergetragen, wiederverwertet oder recycelt. Und ein Prozent wird „in neue Energie umgewandelt“ – auf welche Weise erfährt der Kunde leider nicht.

Ein berechtigtes Argument vieler Kritiker bleibt trotzdem: H&M World Recycle Week schön und gut, aber das Unternehmen würde wahrscheinlich mehr für die Umwelt tun, wenn es nicht jede Woche neue Kollektionen herausbringen würde. Denn diese Tatsache und steigende Produktionsmengen fachen einen übermäßigen Kleidungskonsum nur weiter an.

„Rewear it“: Kritik für die Musikerin M.I.A.

Prominente Unterstützung bekommt der schwedische Konzern bei der Recycling-Week von der Rapperin M.I.A.. Sie ist sowohl das Gesicht der Kampagne als auch Teil des dazugehörigen Videos. Den Song „Rewear it“ hat sie exklusiv für H&M und World Recycle Week geschrieben. Er weist auf die ökologischen Folgen hin, die durch textile Abfälle entstehen. Dafür erntete die Musikerin allerdings viel Kritik bei ihren Fans: Die Künstlerin ist bekannt für ihre gesellschafts- und politikkritischen Songs. Da kommt es nicht gut an, wenn man ausgerechnet mit einem Mode-Konzern kooperiert, der immer wieder wegen schlechter Arbeitsbedingungen für Näherinnen in den Schlagzeilen ist.

Ist das einfach nur naive Doppelmoral oder ein berechnender Weg, über große Konzerne idealistische Ziele zu propagieren? Fest steht, dass diese Zusammenarbeit der Künstlerin nicht zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen wird – aber vielleicht verschafft sie der World Recycle Week von H&M mehr Aufmerksamkeit, und das wäre wünschenswert.

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(7) Kommentare

  1. Inwieweit wird denn die „noch tragbare Kleidung“ weiterverkauft? In dem Artikel steht nur etwas von „Second-Hand-Läden“? Muss man davon ausgehen, dass damit auch Läden in z. B. zentralafrikanischen Ländern gemeint sind?
    Die Intention meiner Frage ist, ob man damit der Kleidungsindustrie in anderen Ländern schadet oder nicht? Ich spende aktuell nur noch an lokale Organisationen, die die Kleidung direkt an Bedürftige weiterleitet.

  2. Auf unsere Nachfrage hin antwortet H&M, die Ware „international weiterzuverkaufen“. Weiter heißt es: „In diesen Verkauf ist H&M jedoch nicht involviert, weshalb es leider keine weiteren Informationen hierzu gibt.“

    Viele Grüße,
    Anja

  3. Genau das würde mich auch interessieren… Schade, dass der Bericht zu diesem wichtigen Aspekt keine Klarheit schafft. Diese Rückfrage war doch absehbar…

  4. Jetzt steigt auch noch H&M in den lukrativen Altkleidermarkt ein.
    H&M ist ein Unternehmen, das Profit-Maximierung anstrebt.
    Tolle Marketing-Idee; es müssen nicht einmal mehr Container aufgestellt und entleert zu werden.
    Pfui und Extra-Pfui,

  5. Ich sehe diese Aktion von H&M mehr als kritisch!
    Die Altkleider werden benutzt, um Neukleidung zu verkaufen – auf die gibt es dann auch gleich einen nennenswerten Rabatt.
    Unser gemeinschaftliches Problem ist nicht die Frage, wo gehen wir mit ausrangierten Dingen hin. Unser wirkliches, echtes, großes und zentrales Problem ist der sinnlos viel zu grosse Konsum.
    H&M lässt uns unser Gewissen erleichtern, uns nach vorne als Gutmenschen fühlen, damit wir uns umdrehen können und weiter konsumieren wie gewohnt – DAS nehme ich H&M richtig übel!

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