dm nimmt Fisch in die Verkaufsregale – kann das gut sein?

Followfish
Bild: followfish / Montage: Utopia

Mit dem Followfish Trade Fair Dosenthunfisch nimmt dm einen neuen Thunfisch in die 1.900 Märkte der Drogeriemarktkette auf. Aber Moment – Thunfisch in Dosen, kann das überhaupt irgendwie gut sein?

Thunfisch in Dosen in eines dieser Convenience-Produkte, die wir als gegeben hinnehmen: Etwa acht Dosen verzehrt der Durchschnittsbürger pro Jahr, es ist sein viertliebster Fisch.

Zugleich gehen Schätzungen davon aus, dass wir zum Beispiel im Mittelmeer heute 80 Prozent weniger erwachsene Blauflossen-Thunfische haben als noch vor rund 20 Jahren – der Greenpeace-Fischratgeber rät daher ab. Die Bestände gelten als radikal überfischt, die gängigen Fangmethoden sind grausam, Delfine und andere Tiere enden häufig als Beifang in den Netzen.

dm will es allerdings besser machen – und holt sich dafür die Marke Followfish ins Boot. Seit kurzem gibt es daher (Stand 8.8.: noch nicht überall) Followfish MSC Fair Trade Thunfisch Natur (185 g) und Thunfisch in Olivenöl (160 g) sowie zwei Salate. Aber ist das wirklich besser?

dm bietet tatsächlich den nachhaltigsten Thunfisch an

Followfish ist 2007 gestartet. Hinter der Marke steht die Fish & More GmbH aus Friedrichshafen. Jürgen Knoll, einer der Mitbegründer der Marke (im Bild oben), wollte tatsächlich eine „100 Prozent nachhaltige Fischmarke gründen“ (ein gutes Portrait des Unternehmens gibts beim Enorm Magazin).

Das Unternehmen versucht seitdem mit begrüßenswerter Konsequenz, nachhaltigeren Fisch anzubieten. Ein bei Followfish erstmalig eingeführter Tracking-Code (inzwischen von vielen kopiert) soll es den Kunden erlauben, alle Lieferanten und Beschaffungswege über die Produktpackungen herauszufinden.

Kann Dosenthunfisch nachhaltig sein?
Kann Dosenthunfisch nachhaltig sein? (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de - Taken)

Mit dem Followfish Trade Fair Dosenthunfisch liegt außerdem das erste und bisher einzige Fischprodukt in Europa vor, das nach Kriterien der Fair Trade Organisation FTO zertifiziert ist. Das Unternehmen will seine Fischereipartner künftig sogar mit Hilfe von Schiffs-Satellitendaten kontrollieren, um die Nachhaltigkeit der Produkte garantieren zu können.

Der Fisch kommt von den Malediven und wird dort von Hand (!) mit der Angel (!) einzeln gefangen. Das vermeidet Beifang und schont die Meeresböden. Das Angeln wird daher von Greenpeace als „eine der selektivsten und umweltverträglichsten Methoden für den Thunfisch-Fang“ gelobt.

Der Followfish Fair Trade Dosenthunfisch ist zudem das weltweit erste Fischprodukt, das sowohl mit dem Label MSC (Marine Stewartship Council) als auch Fair Trade ausgezeichnet ist. „Fair“ am Fisch ist übrigens die Prämie, die den Fischereiorganisationen des maledivischen Laamu-Atolls bezahlt wird, um in das Gemeinwohl der beteiligten Inseln zu investieren.

Muss man Thunfisch essen?

Als bewusster Konsument ist man hin und hergerissen. Denn Thunfisch geht einfach gar nicht, das haben wir verinnerlicht. Andererseits kann man kaum nachhaltigere Thunfisch-Produkte herstellen als als Followfish Trade bzw. derzeit eigentlich gar nicht. Also nichts wie ran an die Dosen?

Utopia meint: Eigentlich ist dieses Produkt eine ideale Konsum-Alternative, denn es macht so vieles besser, was die vorhandenen Konkurrenzprodukte falsch machen. Doch wie bei Bio-Quetschies und fairem Bio-Kokoswasser muss man schon auch mal die grundsätzliche Frage stellen: Brauchen wir das überhaupt?

In Italien zum Beispiel ist Thunfisch ein regionales Produkt – ihn dort frisch zu essen erscheint uns vernünftiger als ihn hier aus der Dose zu kratzen. Brauchen wir hier wirklich Thunfisch – oder könnten wir nicht auch regionale Fische wie den guten alten Karpfen essen, für den alle Fischratgeber grünes Licht geben? Weniger chic? Vielleicht. Aber halt ohne Dose und ohne Anreise aus dem indischen Ozean. Und natürlich stellt sich heute auch die Frage, ob wir überhaupt Fische und andere Tiere essen müssen.

Wahr ist aber auch: Wer unbedingt Thunfisch essen möchte, der sollte wenigstens den von Followfish nehmen. Denn einen nachhaltigeren Thunfisch in Dosen gibt es derzeit tatsächlich nicht.

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(2) Kommentare

  1. Interessanter Artikel. Ich finde es fehlt noch ein Hinweis um welchen Thunfisch es sich genau handelt. Es gibt neun Arten die in Deutschland als Thunfisch verkauft werden dürfen, und nicht um alle steht es so schlecht wie um den Blauflossenthun.

    Einen regionalen Thunfisch aus dem Mittelmeer sollte man allerdings auch in Italien nicht essen.

  2. Ein sehr guter Hinweis. Bei unserem Thunfisch handelt es sich um Skipjack Thunfisch, echten Bonito. Die Bestände im Indischen Ozean sind gesund. Und auch aus unserer Sicht wäre frischer Blauflossen Thun aus Italien keine Alternative, auch nicht vor Ort. Viele Grüsse! Team followfish

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