Mit ihrer Anlage wollen diese Münchner Flüsse und Seen von Mikroplastik befreien

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Foto: © Janina Laszlo

Ein Projekt aus Deutschland hat der Plastikverschmutzung den Kampf angesagt: Wir haben mit dem Münchner Unternehmen Ecofario darüber gesprochen, was ihren Mikroplastik-Filter für Gewässer besonders macht.

Sebastian Porkert, Firmengründer von Ecofario, kennt das Problem der Wasserverschmutzung seit seiner Kindheit – denn er wuchs am Ammersee auf. Auch bei seiner Arbeit als Papier-Ingenieur bekam er mit, wie Mikroplastik aus Altpapier in die Gewässer überging. „Dann bin ich eines Nachts aufgewacht und hatte plötzlich eine Idee“, verrät Prokert im Gespräch mit Utopia. Seine Eingebung: ein neuartiger Mikroplastik-Filter.

Daraufhin gründete der 36-Jährige ein Unternehmen, welches sich ganz dem Gewässerschutz verschreibt. Nun hat Ecofario Porkerts Idee in die Realität umgesetzt: Nach einem Prototypen steht die erste Pilot-Anlage in der Kläranlage in Eching am Ammersee. Nächste Woche soll sie nach Röthenbach an der Pegnitz verlegt werden.

Mikroplastik-Filter entfernt auch Hormone und Medikamentenrückstände

Mit ihrer Erfindung wollen Firmengründer Sebastian Porkert und sein Team Gewässer vor Mikroplastik aus Haushalten bewahren. (Lies auch: Das meiste Mikroplastik stammt nicht aus Kosmetik) Denn eine große Menge an Mikroplastik stammt ursprünglich aus Waschmitteln, Duschgels oder anderen Haushaltsprodukten. Kläranlagen können die winzigen Plastikpartikel nicht herausfiltern; so gelangen sie in Flüsse, Seen und Bäche. Würde man die Plastikteilchen allerdings schon in der Kläranlage zurückhalten, könnte man einen großen Teil der Belastung vermeiden.

Porkerts Kunststofffilter namens „High-G-Separator“ soll genau das schaffen: In den Aufbereitungsanlagen sollen verschmutzte Abwasser durch den Filter rotieren – mit einer Kraft, die der 2000-fachen Erdanziehungskraft entspricht. Dadurch können die leichteren Plastikpartikel getrennt und später einfach entfernt werden. Die Technologie kommt also ganz ohne Filtermedium aus – so kann sie auch nicht verstopfen.

Auch die ersten Analysen der Anlage in Eching sind vielversprechend: Laut Gründer können in nur einem Durchgang bereits über 84 Prozent der Mikroplastikteilchen herausgefiltert werden, bei zwei Durchgängen sind es bereits 95 Prozent. Ecofario will es aber noch besser machen: Der High-G-Separator soll 95 bis 99 Prozent Effizienz erreichen. Ein weiterer Vorteil: Mikroplastik absorbiert auch Toxine, Hormone und Medikamentenrückstände. Diese werden also gleich mit aus dem Wasser gefiltert.

Lies auch: Die 10 größten Waschmaschinen-Fehler

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Diese Anlage kann Mikropastik aus dem Abwasser filtern. (Foto: © Janina Laszlo)

Mikroplastikfilter für 3 bis 5 Euro im Jahr

Und wie viel soll der Mikroplastikfilter kosten? Das lässt sich nur schätzen, erklärt Porkert, denn: „Jede Kläranlage ist anders“. Der Gründer vermutet aber, dass sich die Kosten im Schnitt auf 6 bis 10 Cent pro Kubikmeter Wasser belaufen. Das wären zwischen 3 und 5 Euro im Jahr pro Bürger:in.

Die beiden Testanlagen sind mit jeweils einem Hydrozyklon ausgestattet, also um einiges kleiner als die Mikroplastikfilter, die Ecofario bald in Serie produzieren möchte. Doch die Größe ließe sich laut Porkert einfach an die Kläranlage anpassen, indem man mehr oder weniger Kernkomponenten, also Filteranlagen, miteinander kombiniert.

Bevor das passieren kann, muss das Unternehmen aber erst noch einen Investor finden. Auch hier ist Porkert zuversichtlich. Läuft alles nach Plan, will er bereits ab Mitte des Jahres erste Anlagen verkaufen, Ende des Jahres dann auch in Serienproduktion.

Ecofario: Gibt es andere Mikroplastik-Filter?

Porkerts Unternehmen ist nicht das erste, das Mikroplastik-Filter entwickelt: Vor kurzem hat zum Beispiel eine 15-jährige Schülerin im Rahmen von „Jugend forscht“ einen Prototypen erfunden, den man einfach in die Waschmaschine einsetzen kann. Alternativ hält auch der Beutel von Guppyfriend Mikrofasern aus der Wäsche davon ab, in den Wasserkreislauf zu gelangen.

Auch was Filteranlagen für Kläranlagen angeht, sind Ecofario nicht die ersten: Ein Forschungsteam des Fraunhoferinstituts hat zum Beispiel einen Filter mit lasergebohrten kleinen Löchern entwickelt – er soll auch in Kläranlagen zum Einsatz kommen.

Anders als der High-G-Separator arbeitet er mit einem „aktiven Filtermedium“. Das entfernt Mikroplastik, indem das Wasser unter hohem Druck durch kleine Öffnungen gepresst wird. Das benötigt Porkert zufolge viel Energie und Druck. Seine Erfindung macht sich die Strömungsgeschwindigkeit des Abwassers zunutze und kommt dadurch mit nur etwa 0,2 bis 0,3 Kilowattstunden pro Kubikmeter Wasser aus.

Hier erfährst du mehr über den Mikroplastik-Filter von Ecofario:

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