Neue Erfindung: So will dieser Münchener unsere Flüsse und Seen von Mikroplastik befreien

Foto: Ecofario

Ein weiteres Projekt aus Deutschland hat der Plastikverschmutzung den Kampf angesagt: Wir haben mit dem Münchner Unternehmen Ecofario darüber gesprochen, was ihren Mikroplastik-Filter für Gewässer besonders macht und warum ihr Projekt jetzt Unterstützung braucht.

Vor wenigen Monaten machte eine deutsche Architektin mit einem Projekt zur Säuberung der Meere Schlagzeilen. Nun hat ein Münchner Startup eine neue Idee – ein Mikroplastik-Filter in Aufbereitungsanlagen soll Flüsse und Seen vor Kunststoffpartikeln schützen.

Sebastian Porkert, Firmengründer von Ecofario, kennt das Problem der Wasserverschmutzung seit seiner Kindheit – denn er wuchs am Ammersee auf. Auch bei seiner Arbeit als Papier-Ingenieur bekam er mit, wie Mikroplastik aus Altpapier in die Gewässer überging. „Dann bin ich eines Nachts aufgewacht und hatte plötzlich eine Idee“, verrät Prokert im Gespräch mit Utopia. Seine Eingebung: ein neuartiger Mikroplastik-Filter.

Daraufhin gründete der 34-Jährige ein Unternehmen, welches sich ganz dem Gewässerschutz verschreibt. Nun hat Ecofario den Prototypen für einen Mikroplastik-Filter entwickelt – und sammelt per Crowdfundig für die Entwicklung eines funktionstüchtigen Modells. Porkert verfolgt ambitionierte Ziele: Er und sein Team wollen jede Abwasser-Aufbereitungsanlage mit ihrer Technologie ausrüsten, um die durch Abwasser verursachte Mikroplastik-Verschmutzung zu beseitigen.

Mikroplastik-Filter entfernt auch Hormone und Medikamentenrückstände

Mit ihrer Erfindung wollen Firmengründer Sebastian Porkert und sein Team Gewässer vor Mikroplastik aus Haushalten bewahren. (Lies auch: Das meiste Mikroplastik stammt nicht aus Kosmetik) Denn eine große Menge an Mikroplastik stammt ursprünglich aus Waschmitteln, Duschgels oder anderen Haushaltsprodukten. Kläranlagen können die winzigen Plastikpartikel nicht herausfiltern; so gelangen sie in Flüsse, Seen und Bäche. Würde man die Plastikteilchen allerdings schon in der Kläranlage zurückhalten, könnte man einen großen Teil der Belastung vermeiden.

Porkerts Kunststofffilter namens „High-G-Separator“ soll genau das schaffen: In den Aufbereitungsanlagen sollen verschmutzte Abwasser durch den Filter rotieren – mit einer Kraft, die der 2000-fachen Erdanziehungskraft entspricht. Dadurch können die leichteren Plastikpartikel getrennt und später einfach entfernt werden. Dem Gründer zufolge könne der Filter durchschnittlich 90 Prozent des Mikroplastiks ab einer Größe von unter 0,5 Millimetern herausfiltern. Ein Vorteil: Mikroplastik absorbiert auch Toxine, Hormone und Medikamentenrückstände. Diese werden also gleich mit aus dem Wasser gefiltert.

ecofario mikroplastik-filter
Sebastian Porkert (2.v.l.) und das Team von Ecofario. (Foto: © Ecofario)

Crowdfunding: Ecofario setzt sich ambitionierte Ziele

prototyp mikroplastik filte ecofario
So sieht der Prototyp für den Mikroplastik-Filter aus. (Foto © Ecofario)

Bis der Mikroplastik-Filter den Betrieb aufnehmen kann, wird es allerdings noch dauern. Das Münchner Unternehmen Ecofario hat bisher erst einen verkleinerten Prototypen hergestellt. Auf der Plattform Indiegogo will das vierköpfige Team bis zu 600.000 Euro Startkapital sammeln, um die erste High-G-Separator-Pilotanlage zu bauen. Bisher kamen jedoch erst 3.025 Euro zusammen; die Crowdfunding-Aktion läuft noch 24 Tage. Hier kannst auch du die Kampagne unterstützen.

Mit der Summe will das Unternehmen seine Forschung möglichst unabhängig durchführen können. Doch auch falls durch das Crowdfunding nicht so viel Geld zusammen kommt, geben Porkert und sein Team nicht auf. „Investoren stehen schon Schlange“, verrät der Gründer. Jetzt müsse man nur noch den richtigen finden, der ihnen als Sponsor genügend Freiraum für ihre Forschung lässt – seinen „Weltretter-Gedanken“ will das Team nämlich beibehalten.

Die erste Anlage mit Prototyp soll 2020 in Betrieb gehen, schreibt das Team auf Indiegogo. Auch seien einige Kläranlagenbetreiber bereits an der Erfindung interessiert.

Ecofario: Gibt es andere Mikroplastik-Filter?

Porkert’s Unternehmen ist nicht das erste, das Mikroplastik-Filter entwickelt: Die SZ berichtete zum Beispiel, dass auch Forscher des Fraunhofer-Instituts an einer Erfindung arbeiten, welche Plastikpartikel nach dem Vorbild von Walfischen oder Köcherfliegen herausfiltern soll. „Viele Tiere filtern Nahrungsteilchen in entsprechender Größe aus dem Wasser und haben dabei für Ingenieure interessante Strategien entwickelt“, erklärt Leandra Hamann vom Fraunhofer-Institut Umsicht in Oberhausen gegenüber der SZ.

Ein anderes Forschungsteam hat einen Filter mit lasergebohrten kleinen Löchern entwickelt – er soll auch in Kläranlagen zum Einsatz kommen. Das Forschungsprojekt endet Juni 2021.

Der Unterschied zum High-G-Separator? All diese Filter anderen arbeiten mit einem „aktiven Filtermedium“. Sie entfernen Mikroplastik, indem sie das Wasser unter hohem Druck durch kleine Öffnungen pressen. Das benötigt Porkert zufolge viel Energie und Druck. Seine Erfindung macht sich die Strömungsgeschwindigkeit des Abwassers zunutze und kommt dadurch mit nur etwa 0,3 bis 0,4 Kilowattstunden pro Kubikmeter Wasser aus.

Hier erfährst du mehr über den Mikroplastik-Filter von Ecofario:

Weiterlesen auf Utopia.de:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(1) Kommentar

  1. Leider ist das Foto ziemlich nichtssagend. Ich würde gerne mehr erfahren. Die Kugelhähne und Manometer sind vermutlich nicht die entscheidenden Teile. Die Beschreibung deutet auf das Zyklon-Prinzip hin, was ja für Staubpartikel in der Luft schon lange erfolgreich eingesetzt wird, am bekanntesten vermutlich in beutellosen Staubsaugern. Allerdings bin ich über den vergleichsweise geringen Durchmesser des weißen Kunststoffteils verwundert. Wird hier das Wasser in schnelle Rotation versetzt und der Kern des Zyklons nach oben abgezogen? Wird die Rotationsenergie anschließend wieder zurückgewonnen, um das verbleibende Druckgefälle zu reduzieren? Oder verliert sich die Energie ohnehin größtenteils als Reibungswärme an den Wänden?

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.