Dürfen Kassenbons, Kassenzettel, Automatenbelege ins Altpapier?

Kassenzettel Kassenbon Altpapier
Foto: Utopia/vs

Wir bekommen sie täglich in die Hand gedrückt: Kassenbons und Kassenzettel. Und oft entsorgen wir sie als Altpapier. Aber gehören sie da wirklich hin?

Noch immer bestehen Kassenbons und Kassenzettel in vielen Fällen aus Thermopapier, genauso wie Automatenbelege und Lotteriezettel, selten auch noch Fax-Papier und Kontoauszüge. Seit Jahrzehnten gehen wir sorglos damit um – dabei steckt in vielen Thermopapieren eine gefährliche Substanz.

Thermopapier: Kassenbons & Kassenzettel

Thermopapier sind spezielle Papiere, bei denen der Druck ohne Farbauftrag durch Hitze erzeugt wird. Der Farbstoff des Papiers wird dabei chemisch entwickelt, ähnlich wie bei einem Foto. Als Entwicklungssubstanz dient häufig eine Beschichtung mit Bisphenol A (BPA).

Gefährlich ist das vor allem für Menschen, die ständig mit diesem Papier in Kontakt kommen, Kassierer und Kassiererinnen zum Beispiel. Denn BPA ist „hormonell wirksam“ – lies dazu auch Wo Bisphenol A (BPA) überall drinsteckt und was du wissen solltest.

Dürfen Kassenbons, Kassenzettel, Automatenbelege ins Altpapier? Meistens nein, denn viele Thermopapiere sind giftig
Dürfen Kassenbons, Kassenzettel, Automatenbelege ins Altpapier? Meistens nein, denn viele Thermopapiere sind giftig (Foto: © industrieblick - Fotolia.com )

Der Einsatz alternativer phenolfreier Farbentwickler wird zwar mittlerweile von vielen Seiten gefordert, er ist jedoch noch lange kein Standard und es wird wohl noch dauern (siehe BPA in Kassenbons und Kassenzetteln: das allgegenwärtige Gift).

Kassenbons: warum Thermopapier nicht ins Altpapier darf

Bisphenol-A-haltiges Thermopapier ist aber nicht nur ein direktes Gesundheitsproblem. Durch falsche Entsorgung gelangt mit dem Papier das darin enthaltene BPA in den Recyclingkreislauf und wird so zu einem ausgewachsenen Umweltproblem.

Zum Beispiel gelangt Recyclingtoilettenpapier, im dem auch per Altpapier recycelte Kassenbons stecken, mit dem Abwasser in kommunale Kläranlagen und bringt so Bisphenol A in die Kläranlagen und – bei unzureichendem Abbau – in die Gewässer ein.

„Wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie staatliche Überwachungsprogramme bestätigten in den letzten Jahren das verbreitete Vorkommen von Bisphenol A in Gewässern“, heißt es dazu beim Umweltbundesamt (PDF).

Utopia rät:

  • Kassenbons und Kassenzettel daher bitte nicht per Altpapier entsorgen!
  • Wirf Thermopapiere dieser Art statt dessen in den Restmüll.
  • Wasche deine Hände, wenn du Thermopapier wie Kassenzettel angefasst hast.
  • Kleine Kinder sollten nicht mit Quittungen spielen, sie könnten sie in den Mund stecken.

Der Weg in die Müllverbrennung gilt im Fall von Kassenzetteln als die bessere Alternative.

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(78) Kommentare

  1. In den USA bin ich auf dieses Buch gestoßen: http://www.readthegreenbook.com/
    neben tausenden von guten Tips steht da auch etwas zum Thema Quittungen: einfach bevor!!! sie ausgedruckt werden sagen, dass man keine möchte. Das spart Papier, Tinte und Giftstoffe! Bei Rewe fragen die oft an der Kasse ob man überhaupt eine Quittung braucht. In meinen Bioläden erstaunlicher Weise nicht, ich hab das aber angesprochen und nun machen einige Kassierer es. Es heißt also schnell sein und rechtzeitig bescheid sagen, dann wird auch kein Bon ausgedruckt!

  2. Klar, wenn man schnell genug ist, kann man u.U das Ausdrucken verhindern. Oft aber auch nicht, das kommt darauf an, welches System der Laden hat. Manche drucken den Bon grundsätzlich aus, denn „der Kunde“ macht oft erst mal hü, dann aber hott, und einen bewusst nicht gedruckten Bon nachträglich noch mal auszudrucken kann je nach Kassensoftware sehr umständlich bis unmöglich sein (oft nur mit Ruf nach dem Chef, oder man muss eine handschriftliche Bonkopie mit dem Quittungsblock schreiben und das ist anstrengend, fehleranfällig und dauert ewig). Nicht alles ist immer so leicht wie es scheint. Außerdem WILL man ja vielleicht den Bon haben, weil man ihn für die Steuer braucht. In Italien is es meines Wissens sogar verboten, den Laden ohne Bon zu verlassen (wegen Steuerbetrug). Die nachhaltigste Lösung ist also ganz eindeutig, dass das gesamte Thermoverfahren auf „bisphenolfrei“ umgestellt wird.

  3. Naja, das sehe ich nicht ganz so. Die nachhaötigste Lösung wäre wahrscheinlich eine digitale. Denn das Papier was dafür verschwendet wird (ob mit oder ohne BPA/S) ist ja eine ganze Menge. Ein richtiger Schritt ist es dennoch diese Chemikalien wegzulassen. Wenn man den Bon nicht braucht, sollte er aber auch gar nicht erst ausgedruckt werden! Oder man findet eine möglichkeit der digitalen Speicherung und Abrufung. (Oben hat jemand erwähnt, dass das in San Francisco teilweise so gemacht wird.) Das ist ein guter Ansatz. Und das ganze Papier, dass für die Steuererklärung verschwendet wird, ist auch ein Wahnsinn. Wenn das alles nicht mehr wäre, dann hätte man schon einen guten Schritt in Richtung Umwelt- und Waldschutz getan!

  4. Stimmt, digital wäre am wenigsten Papierverschwendung. Dann müssten allerdings Millionen von Kassensystemen verschrottet werden, und neue gekauft werden, die das können. Das ist nicht gerade nachhaltig, und betriebswirtschaftlich unsinnig. Und die Steuergesetze müssten entsprechend angepasst werden, und die Sache muss barrierefrei sein (für Leute die keine Smartphones etc. haben) Besser wären „Öko-Updates“ bei denen alle Händler mitmachen können. Änderungen die abwärtskompatibel sind, z.B. durch bispohenolfreies Papier. Jeder kann seine Gerätschaften und Software behalten, nur das problematische Papier wird ersetzt.

    Ich glaube, sich über einen ausgedruckten Bon, den man nicht braucht, zu erregen ist müßig. Da gibt es viel üblere Umweltvergehen im Einzelhandel, die man als Kunde gar nicht mitbekommt (Vernichtung von noch essbaren Lebensmitteln, Verpackungsirrsinn, „die Einkaufstüte“ an sich.. warum nicht mal ein Verbot jeglicher Einkaufstüten, es muss doch möglich sein, dass jeder einen Beutel zum Einkauf mitnimmt). Es muss auf jeden Fall sichergestellt werden, dass der Kunde schnell einen Bon bekommen kann, wenn er ihn braucht. Und da die viele Kassensysteme nicht besonders intelligent programmiert sind, ist es durchaus möglich, dass die Kassensoftware den „Druck auf Nachfrage“ nicht erlaubt, sondern grundsätzlich druckt. Neue Kassensoftware zu kaufen kann zigtausende Euro kosten…

  5. Das wäre dann eine Frage des gegeneinander Aufwiegens ob das nicht doch nachhaltig ist auf neue Systeme umzusteigen.Auch die heutigen Systeme müssen gewrtet und erneuert werden, ich sehe an der Stelle nicht das große Problem. Da könnte man schrittweise auf digitale Systeme umsteigen. Die ersten Photovoltaikanlagen waren auch nicht nachhaltig, aber dann forscht man weiter und befindet sich so langsam auf einem interessanten Weg.

    „Ich glaube, sich über einen ausgedruckten Bon, den man nicht braucht, zu erregen ist müßig. Da gibt es viel üblere Umweltvergehen im Einzelhandel“

    Diese Argumentation ist absurd. Es gibt immer schlimmere Dinge. Aber es geht doch darum, dass man an verschiedenen Stellen ansetzen kann. Und da ist kein Problem unwert beachtet zu werden.

  6. Das wäre dann eine Frage des gegeneinander Aufwiegens ob das nicht doch nachhaltig ist auf neue Systeme umzusteigen.Auch die heutigen Systeme müssen gewrtet und erneuert werden, ich sehe an der Stelle nicht das große Problem. Da könnte man schrittweise auf digitale Systeme umsteigen. Die ersten Photovoltaikanlagen waren auch nicht nachhaltig, aber dann forscht man weiter und befindet sich so langsam auf einem interessanten Weg.

    „Ich glaube, sich über einen ausgedruckten Bon, den man nicht braucht, zu erregen ist müßig. Da gibt es viel üblere Umweltvergehen im Einzelhandel“

    Diese Argumentation ist absurd. Es gibt immer schlimmere Dinge. Aber es geht doch darum, dass man an verschiedenen Stellen ansetzen kann. Und da ist kein Problem unwert beachtet zu werden.

  7. insofern bräuchte man dann aber rein gar nichts zu tun, denn der Lauf der Zeit und die Weiterentwicklung der Technik zeigt sowieso in Richtung E-Bon. Das hilft uns „jetzt“ nicht weiter, uns die wir weiterhin noch jahrelang BPA-belastete Kassenzettel begrabbeln müssen. Die „nachhaltige“ Lösung wird eh kommen, aber es wird Jahre dauern und braucht unser Zutun nicht.

    Die Argumentation ist aus obigem Grund eben nicht absurd. Man sollte schon gegeneinander aufwiegen, in welchen Bereichen es sinnvoll ist, auf „Nachhaltigkeit“ zu drängen, und sich auch fragen ob wirklich die paar weggeworfenen Bons das Problem sind (Die Sturmflut kommt in 30 Minuten, nehmen wir Sandsäcke aus Jute oder aus Kunstfaser?). Die Bons landen eh im Altpapier (hoffentlich) und man macht Klopapier draus. Das dann wieder bpa-belastet ist. Ein weiterer Grund, warum das BPA wegmuss 😉

    Zudem sollte man nicht unterschätzen, wie konservativ, unbeweglich und festgefahren die Welt der Kassensysteme ist. Etwa so unbeweglich wie die Autobranche.

    Übrigens: Sind digitale Kassenbons nicht daran gebunden, dass man seine E-Mail-Adresse preisgibt? Das wird sicher die Datenschutzfans unter uns nicht gerade begeistern 😉

  8. Verstehe deine Argumentation. Ich bin ja was das BPA/S betrifft ja eh deiner Meinung.
    Das Problem mit der email Adresse wird sicher überbewertet. Wie überhaupt vieles beim Thema Datenschutz, aber das ist ein anderes Thema… 🙂
    Nur dass ein Geschäft deine email Adresse hat macht die ganze Sache ja nicht unsicher. Oder führt automatisch zu Mißbrauch. Das ist mir eine zu ideologische Denke. Heutzutage läuft doch wahnsinnig viel an Buchungen, Käufen. etc übers Internet und per Mail, das dürfte auf jeden Fall kein Argument sein nicht auch in dem Bereich auf Digitale Quittungen umzustellen. Aber das führt vom Thema des Artikel schon mächtig weg;)

  9. Zu sagen man solle die Kassenbons in die blaue tonne werfen ist falsch! Wie weithin bekannt ist, werden von den einzelnen Abfallbetrieben unterschiedliche Farben den tonnen zugeordnet, sodaß in Niedersachsen z.B. die blaue Tonne für Altpapier ist, der Restmüll kommt in eine schwarze Tonne. In anderen Bundesländern ist es umgekehrt.

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