Gabenzaun hilft Obdachlosen

Foto © JOTO

Eigentlich sollte der Zaun vor dem Hamburger Hauptbahnhof Obdachlose vertreiben. Doch dann wandelten ihn Aktivisten kurzerhand in einen sozialen Zaun um: ein Modell, das auch schon in anderen Städten funktioniert.

Das hatte sich die Hamburger Stadtverwaltung wohl anders vorgestellt: Eigentlich sollte der neue Zaun vor dem Hamburger Hauptbahnhof Obdachlose davon abhalten, sich auf der Mauer niederzulassen. Nun haben ein paar pfiffige Hamburger jedoch den Spieß umgedreht und einen Gabenzaun daraus gemacht.

Wer will, kann dort nun Gaben für Obdachlose abgeben, zum Beispiel Kleidung, Decken oder Lebensmittel. Wer auf der Straße lebt und etwas davon braucht, kann sich etwas mitnehmen. Um die reibungslose Übergabe der Sachen kümmert sich seit letzter Woche ein Team von Ehrenamtlichen. Auf einer eigenen Facebook-Seite posten sie Infos, Updates und News.

In weniger als einer Woche ist so aus dem Abschreckungs- und Ausgrenzungszaun ein zentraler Ort für die Obdachlosen Hamburgs geworden und eine betreute und gut organisierte Begegnungs- und Vermittlungsstelle für Obdachlose und Nicht-Obdachlose.

Soziale Zäune: Ein Vorbild für andere Städte

In Darmstadt wurde ein sozialer Zaun mit dem gleichen Modell bereits im letzten Jahr aufgestellt. Die Facebook-Gruppe der Organisatoren dort ist weiterhin aktiv und wird rege besucht. In Kassel soll Ende Februar ebenfalls ein sozialer Zaun eröffnet werden.

So wie es aussieht, haben soziale Zäune das Zeug, Best-Practice-Modelle mit Vorbildwirkung zu werden; vorausgesetzt, sie werden auch politisch akzeptiert und ausreichend koordiniert.

Im Ausland hat das Modell von „The Street Store“ aus Südafrika Schule gemacht. Dort können Bürger an Kleiderbügeln Kleider für Obdachlose spenden. Mittlerweile soll es laut Angaben der Macher auf der Website weltweit fast 600 solcher „Straßenläden“ geben – von Dongguan in China über São Carlos in Brasilien bis Waianae Hawaii.

Gut vorstellbar also, dass soziale Zäune und „Street Stores“ bald auch in vielen anderen deutschen Städten zum alltäglichen Stadtbild gehören.

GASTBEITRAG aus enorm. TEXT: Jonathan Widder

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(2) Kommentare

  1. „So wie es aussieht, haben soziale Zäune das Zeug, Best-Practice-Modelle mit Vorbildwirkung zu werden; vorausgesetzt, sie werden auch politisch akzeptiert und ausreichend koordiniert.“

    Was ist daran denn ein Vorbild. Ein Vorbild wäre es dann, wenn die Politik endlich eingreifen würde, die Ursachen von Obdachlosigkeit zu beseitigen. Die Almosenabgabe an einem Zaun ist kein zukunftfähiges Konzept.
    Statt hier also so einen milden Artikel zu schreiben, wäre es doch angebracht, hier die Stellen zu kritisieren, die für Obdachlosigkeit verantworlich sind.
    Wenn ihr, die Macher dieser Seite, das Wort „Utopie“ im Namen der Webseite habt, wie wäre es denn mal, an alle Kräfte zu appellieren, das Land (und die Welt) frei von Obdachlosigkeit zu machen.

    Liebe Grüße,
    Hans

  2. helmut kohl hatte damals den : sozialen wohnungs – bau eingestellt.

    die stadt hamburg bietet keine gemütlichkeit mehr für die bürger an,
    nur noch : in bewegung bleiben + einkaufen + woanders konsumieren bzw. im stehen oder gehen, sich in der teueren + in der : nicht – bio – gastronomie aufhalten dürfen.

    diese gesellschaft ist sogar unfreundlich zu den reisenden . . .

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