Anstatt OP: Neuer Speicheltest stellt Endometriose fest

Endometriose
Foto: CC0 / Pixabay / Tho-Ge

Ein Forscher:innenteam hat einen Speicheltest entwickelt, mit dem die gynäkologische Erkrankung Endometriose nicht-invasiv festgestellt werden kann. Das Ergebnis steht dabei nach rund zwei Wochen fest – während derzeitige Diagnosen oft erst nach Jahren gestellt werden.

Das Privatlabor Eluthia GmbH, ansässig in Gießen, hat in Zusammenarbeit mit Partnerlaboren in der Schweiz und in Frankreich den weltweit ersten Speicheltest zum Nachweisen von einer Endometriose-Erkrankung entwickelt. 

Mithilfe der Mikro-RNA-Technologie soll eine Endometriose-Erkrankung innerhalb von zwei Wochen festgestellt werden können. Dabei werden die Genbestandteile im Speichel von Betroffenen im Labor auf Endometriose-spezifische Muster untersucht. Bisher ist für eine genaue Diagnose der Erkrankung meist eine Operation notwendig.

Die Kosten des sogenannten „Endotest Diagnostic“, knapp 800 Euro, werden allerdings noch nicht von deutschen Krankenkassen übernommen. Trotzdem soll der Test in Deutschland seit dem 12. Oktober 2022 in gynäkologischen Praxen erhältlich sein. 

Endometriose und der lange Weg zur Diagnose

Endometriose gehört zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen weltweit.
Endometriose gehört zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen weltweit.
(Foto: CC0 / Pixabay / AlexanderGrey)

Endometriose ist eine weit verbreitete Erkrankung bei Menschen mit Gebärmutter. Allein in Deutschland werden pro Jahr etwa 40.000 Neuerkrankungen registriert. Bei der Erkrankung entstehen gutartige Wucherungen von gebärmutterähnlichem Gewebe im Unterleib der Betroffenen, jedoch außerhalb des Uterus. Die Ursache der Erkrankung ist nach wie vor unbekannt.

Rückenschmerzen, Übelkeit und starke Unterleibsschmerzen, vor allem während der Periode und beim Sex, gehören zu den häufigsten Symptomen von Endometriose. Die Erkrankung erschwert es Betroffenen zudem, schwanger zu werden.

Aufgrund von Mythen, Vorurteilen und Sexismus werden die Symptome oftmals als Menstruationsbeschwerden normalisiert oder missdiagnostiziert. Endometriose wird im Durchschnitt deshalb erst sieben bis zehn Jahre nach den ersten Symptomen erkannt. Bisher war für eine genaue Diagnose außerdem eine Laparoskopie, eine operative Bauchspiegelung, notwendig, da Endometriose selbst mithilfe von Ultraschall, MRT oder Bluttests oft unentdeckt bleibt.

Der MRNA-Speicheltest soll den langen Leidensweg von Betroffenen erheblich verkürzen. 

Endometriose-Speicheltest: Vorteile und Bedenken

Der Speicheltest soll den Leidensweg von Betroffenen mit Endometriose erheblich verkürzen.
Der Speicheltest soll den Leidensweg von Betroffenen mit Endometriose erheblich verkürzen.
(Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap)

Der größte Vorteil des Speicheltests ist, dass Betroffene innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums (zwei Wochen) zu einer Diagnose gelangen und dabei einen mit Risiken verbundenen operativen Eingriff vermeiden können. 

Wird Endometriose frühzeitig diagnostiziert, kann schneller mit der Behandlung begonnen werden. Dies beugt nicht nur chronischen Schmerzen vor, sondern erhöht außerdem die Chance auf eine erfolgreiche Schwangerschaft. 

Dr. med. habil. Sebastian Finkledee gibt gegenüber dem Endometriose Dialog e.V. jedoch zu bedenken, dass der Speicheltest bisher an insgesamt nur 200 Personen untersucht wurde. Ihm zufolge gäbe es noch keine studienbelegte Garantie, dass der Test zuverlässig funktioniert. Dafür wäre eine größere Datenlage notwendig. Finkledee weist darauf hin, dass noch nicht bekannt sei, ob der Test alle Endometriose-Formen erkennen kann und ob er nur Primärerkrankungen oder auch wiederkehrende Endometriose-Erkrankungen diagnostiziert. Auch sei noch unklar, ob er bei Jugendlichen verwendet werden kann und ob es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Verhütungsmitteln gibt. 

Auch die Tatsache, dass die Kosten des Speicheltests noch nicht von den Krankenkassen übernommen werden, stellen eine Hürde dar. In diesem Punkt zeigt sich der Mitbegründer von Eluthia jedoch optimistisch. In einem Gespräch mit dem Gießener Anzeiger meint er, dass der Antrag auf Übernahme durch die Kassen bereits in Bearbeitung sei. 

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