„Gärten des Grauens“: Schottergärten in immer mehr deutschen Städten verboten

"Gärten des Grauens": Schottergärten in immer mehr deutschen Städten verboten
Foto: Felix Kästle/dpa

Sie sind unter dem Schlagwort „Gärten des Grauens“ bekannt geworden: Geschotterte, mit Platten abgedeckte, teils gar mit Plastikpflanzen verzierte Grundstücke. Die Stadt Nürnberg verbietet nun solche Schottergärten – und ist damit nicht allein. Aus guten Gründen.

Sie bieten weder Tieren noch Pflanzen eine Heimat, heizen die Siedlungen auf und sind ästhetisch hoch umstritten: Schottergärten. Die Stadt Nürnberg hat solche großflächig mit Steinen, Kies, Geröll oder Splitt bedeckten Gartenflächen für Neubauten nun verboten. Die Stadt in Mittelfranken ist nicht die einzige, die so entschieden hat: „Da kommen jede Woche, jeden Monat ein paar Kommunen hinzu“, bilanziert Matthias Simon vom Bayerischen Gemeindetag.

„Der Wunsch nach einer Regelung in vielen Städten und Gemeinden in Bayern und ganz Deutschland ist da und zum Teil auch groß, weil Schottergärten, verdichtete Steingärten, Plattungen oder wie man es nennen will, mit Blick auf die Biodiversität, das Binnenklima sowie baukulturell ein Problem sind“, zählt Simon auf.

Gärten des Grauens: Darum sind Schottergärten ein ökologisches Fiasko

Während sich über den ästhetischen Aspekt der als „Gärten des Grauens“ im Internet zu unrühmlichen Ehren gekommenen Flächengestaltung letztlich streiten lässt, ist unstrittig, dass die Schottergärten ein Fiasko für die Biodiversität sind. In einem vielfältig angelegten Garten summt und brummt, flattert und wuselt es. Auf den monotonen Flächen fühlen sich dem Naturschutzbund NABU zufolge noch nicht einmal Reptilien wohl.

Außerdem heizen sich die Steinwüsten bei Sonneneinstrahlung stark auf, während zugleich der kühlende Effekt der Pflanzen fehlt, die dann auch nicht für das Filtern von Feinstaub zur Verfügung stehen. Zudem lassen die hoch verdichteten – meist mit einem Vlies unterlegten – Schottergärten kaum Wasser versickern, was etwa bei Starkregen zu Überschwemmungen führen kann. Das alles sind Aspekte, die mit Blick auf den Klimawandel als Problem angesehen werden.

Nürnberg: Schottergartenverbot tritt ab Juni in Kraft

Viele Gartenbesitzer:innen entscheiden sich für Steinwüsten statt Grünflächen.
Viele Gartenbesitzer:innen entscheiden sich für Steinwüsten statt Grünflächen. (Foto: Annette Riedl/dpa)

Die bayerischen Stadt- und Gemeinderäte stützten sich also auf gute Argumente, wenn sie Schottergärten verbieten. In Nürnberg etwa gilt diese Regelung ab Juni für alle Neubaumaßnahmen – und zwar nicht nur für neue Bebauungspläne, sondern auch bei der Bebauung von Baulücken.

„Eine gute Durchgrünung und qualitative Freiflächengestaltung dient dem gesunden Wohn- und Arbeitsumfeld und einem attraktiven Ortsbild und leistet einen aktiven Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel“, begründet Planungs- und Baureferent Daniel Ulrich den Schritt.

Die Franken und Fränkinnen nutzen dabei eine Möglichkeit, die laut Bauministerium mit der Novelle der Bayerischen Bauordnung zum 1. Februar 2021 neu geschaffen wurde. Seither können die Gemeinden in einer örtlichen Bauvorschrift die Gestaltung und Bepflanzung der unbebauten Flächen von bebauten Grundstücken regeln.

„Allerdings ändert diese Satzung wenig an der Nachverdichtungstendenz“, betont Simon. Ob eine Einfahrt, ein Stellplatz, eine Garage oder ein Pool neu gebaut werden dürfen, stehe auf einem anderen Blatt. „Die Satzung kann nur regeln, dass dann der letzte Quadratmeter bitte nicht auch noch mit Platte oder Schotter belegt wird.“

„Gärten des Grauens“ sind auch anderswo verboten

Nicht nur in Nürnberg gibt es zahlreiche Schottergärten. Wie der Nabu gegenüber der Welt erklärte, sind die Steinwüsten besonders verbreitet in den Neubaugebieten der großstädtischen „Speckgürtel“ sowie den bundesdeutschen Klein- und Mittelstädten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg.

Doch auch anderswo sind sie unbeliebt – und zahlreiche Städte setzen sich aktiv gegen die „Gärten des Grauens“ ein. Erlangen in Bayern hat Schottergärten bei Neu- und Umbauten zum Beispiel explizit verboten. In Baden-Württemberg untersagt das Landesnaturschutzgesetz Hausbesitzer:innen, Schottergärten anzulegen.

Es gibt sogar Zweifel dran, ob es auch anderswo überhaupt rechtens ist, Schottergärten anzulegen. Laut SZ schreibt in Bayern die Landesbauordnung (Artikel 7 Absatz 1 Nummer 1) vor, dass unbebaute Flächen wasseraufnahmefähig zu belassen sind. Das ist bei Schottergärten oft nicht der Fall, weil sich unter den Steinen meist eine Folie oder ein Vlies befindet. Andere Bauordnungen enthalten laut SZ ein Begrünungsgebot für Flächen. Aus diesem Grund musste zum Beispiel der Schottergarten am Vorplatz des Finanzamts in Hameln rückgebaut werden.

Utopia meint: Wilde Ecken bedeuten weniger Aufwand als Schottergärten

Gegen Schottergärten sprechen viele Gründe: Sie bieten keinen ökologischen Mehrwert, sind schlecht für das Mikroklima in Städten und Siedlungen und auch wenn sie keine Pflanzen beherbergen, müssen sie trotzdem aufwendig gepflegt werden. Die Kieselsteine werden irgendwann von Moos oder Algen bewachsen und wirken nach kurzer Zeit schmutzig. Außerdem müssen Schottergartenbesitzer:innen regelmäßig Laub rechen, vor allem im Herbst. Mehr Infos und Argumente findest du hier: Schottergarten: Deshalb sollte er deutschlandweit verboten werden

Wer Gartenarbeit scheut, braucht sich also keinen „Garten des Grauens“ zulegen. Stattdessen kannst du wilde Ecken entstehen lassen. Bringe dazu einmal heimische Samen aus und mit der Zeit verwandelt sich die Fläche ganz von selbst in eine Bienenweide, von der auch andere Insekten profitieren werden.

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