Kurt Krömer: „Ich dachte: Okay, so fühlt es sich an, wenn man stirbt“

Kurt Krömer: "Ich dachte: Okay, so fühlt es sich an, wenn man stirbt"
Screenshot: Das Erste/Maischberger

Vor zwölf Jahren hatte Kurt Krömer seine erste Panikattacke. Seit gut einem Jahr spricht er öffentlich über seine Krankheit. Bei Sandra Maischberger erzählte er von zwei Zusammenbrüchen, die sein Leben verändert haben.

Trigger-Warnung: In diesem Artikel geht es um Depression, Alkoholkonsum und den Tod. Es ist wichtig, über die Themen zu sprechen, aber überlege dir bitte gut, ob du den Inhalt des Artikels lesen möchtest.

Noch immer sind Depressionen ein gesellschaftliches Tabu-Thema. Komiker Kurt Krömer möchte damit brechen. Am Dienstag sprach der 47-Jährige bei Sandra Maischberger in der ARD über die Anfänge und Auswirkungen seiner Krankheit.

Krömer und Maischberger haben zusammen im Oktober 2010 den Deutschen Fernsehpreis moderiert. Bereits da nahm sein Leidensweg seinen Lauf, wie der Komiker erzählte: „Als ich dich kennengelernt habe, gingen die Lichter aus danach, da kam ein halbes Jahr später der Zusammenbruch“. Den Kollaps hatte er in München erlebt. Er ist in der Innenstadt unterwegs gewesen und hat plötzlich angefangen sehr stark zu schwitzen. „Ich dachte: Okay, so fühlt es sich an, wenn man stirbt. Für mich war Fakt, so fühlt sich sterben an.“ Er habe sich vorgestellt, wie er jeden Moment zu Boden fällt und tot ist, oder bewusstlos wird und stirbt. Damit das nicht passiert, habe er laut gesungen. Heute weiß er: „Das war die erste krasse Panikattacke, die über eine Stunde ging“. Über Umwege habe er sich ins Hotel geschleppt, einen Freund angerufen und gebeten ihn mit dem Auto von München nach Berlin zu fahren. Er wusste nicht, was los war, aber eine Zugfahrt allein hatte er sich nicht mehr zugetraut.

Depression und zusätzliche Alkoholabhängigkeit

Neben seiner Depression hatte Krömer auch mit einer Alkoholabhängigkeit zu kämpfen. Auch in dem Zusammenhang erlebte der Komiker einen Zusammenbruch, wie er bei Maischberger schilderte. Bei einer Gala in Hannover. Er hatte an dem Abend so viel getrunken, dass er vor dem Hotel hinfiel und sich das Knie aufschlug. Am nächsten Morgen konnte er sich nicht mehr erinnern, das Bett aber war voller Blut. „Ich habe gedacht, ich habe jemanden umgebracht“, so Krömer. Er habe erstmal neben dem Bett geschaut, ob dort jemand liegt.

Krömer ist inzwischen fast elf Jahre trocken. Er sagt: der Alkoholkonsum war mit seiner Depression verwoben. In depressiven Momenten habe er zum Alkohol gegriffen und dadurch unterbewusst versucht die Depression „wegzutrinken“. Gleichzeitig verdrängte er, alkoholkrank zu sein. Er machte zu dem Zeitpunkt eine Therapie. Bereits in der zweiten Sitzung fragte die Therapeutin ihn, ob er getrunken habe. „Ich war total entsetzt. Bin dann rausgegangen, hab mir drei Bier gekauft um 12:30, hab mich in Park gesetzt, hab ein Kumpel angerufen und gesagt: Du glaubst nicht, was die mir gerade unterstellt hat“. Den Entzug machte er wenig später allein zu Hause. Seine Angst vor der Klinik war zu groß.

Outing zusammen mit Thorsten Sträter bei „Chez Krömer“

Öffentlich gemacht hatte Krömer seine Depression in seiner eigenen Sendung „Chez Krömer“. Bei dem Gespräch mit Thorsten Sträter, der ebenfalls jahrelang an Depression litt, erzählte Krömer von seinem achtwöchigen Aufenthalt in einer Tagesklinik, „weil es nicht mehr ging“. Drei seiner vier Kindern leben bei ihm. Die Kinder habe er versorgt, die restliche Zeit lag er im Bett, „weil es anstrengend war“. Wenn er einkaufen musste, habe er vier Stunden gebraucht, um die Einkaufsliste zu schreiben und dann im Supermarkt die Dinge einzukaufen. „Ich war dann im Supermarkt und habe selbst vier Sachen nicht zusammengebracht. Ich habe vielleicht zwei Sachen gekauft und dann war mir das zu viel.“

Er hatte Angst vor der Klinik. „Aber irgendwann war die Angst vor mir selber größer als vor der Klinik“. Er hatte Sorge, dass die Klinik ihn verändere: „Ich habe gedacht, die nehmen mir meine Vollmeise weg, die du als Künstler ja brauchst.

Einfach sei die Therapie nicht gewesen. Auch geheilt sei man nach acht Wochen in einer Klinik nicht. Bis heute ist er nach eigenen Aussagen in professioneller Hilfe. Am 20. November hatte Krömer seinen letzten Tag in der Klinik und verließ diese mit Frühlingsgefühlen. Er war sehr euphorisch. Doch musste er lernen, dass das Gegenteil von Depression nicht ununterbrochene Freude ist und das Leben nicht nur „auf der Sonnenseite“ stattfinde. Eines Tages rief er seinen Therapeuten an, weil es dachte, er sei rückfällig geworden. Doch der sagte ihm: „Ne, Sie haben einfach nur einen scheiß Tag gehabt.“ Laut Krömer müsse man lernen, dass der Tag vielleicht blöd ist, man aber dadurch nicht wieder depressiv ist.

Als Depressive:r sei man perfektionistisch, so Krömer. „Es muss alles zu 100 Prozent gut sein. Ein depressiver Tag ist: Zu 98 Prozent läuft alles gut, zu zwei Prozent läuft was nicht gut und der Depressive stürzt sich halt immer auf diese zwei Prozent.“ Gesunde Menschen könnten dann zwar stundenlang sagen, es war ja nicht so schlimm. Aber depressiven Menschen gehe der Tag nicht aus dem Kopf.

Seine Geschichte veröffentlichte Alexander Bojcan alias Kurt Krömer in seinem Buch „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“.

Falls es auch dir nicht gut geht, scheue dich nicht dir Hilfe zu suchen. Hier findest du Anlaufstellen:

Info-Telefon Depression: 0800/33 44 533
www.deutsche-depressionshilfe.de

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