Alleine sein: Gründe für Einsamkeit und wie du damit umgehst

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Alleine zu sein, fällt vielen Menschen schwer. Oft fühlt man sich dabei einsam und verloren. Wie du mit dieser schwierigen Situation umgehen und das Alleinsein als Chance zur Selbstentwicklung nutzen kannst, verraten wir dir in diesem Artikel.

Alleine seine und einsam fühlen – ein erheblicher Unterschied

Auch wenn wir „Alleinsein“ und „Einsamkeit“ teilweise synonym verwenden, beschreiben diese beiden Begriffe nicht dasselbe:

  • Alleinsein ist ein objektiver Zustand: Du bist alleine, wenn kein anderer Mensch (oder auch ein Tier) physisch bei dir ist. Du kannst beispielsweise alleine in deinem Zimmer sitzen – ohne die Anwesenheit anderer Personen.
  • Einsamkeit hingegen ist ein Gefühl, ein als unangenehm empfundener innerer Zustand: Wer einsam ist, fühlt sich nicht ausreichend beachtet oder geliebt. Es handelt sich um einen subjektiv empfunden Mangel.

Dabei besteht zwischen diesen beiden Begriffen durchaus ein Zusammenhang: Alleinsein kann zu Einsamkeit führen – muss es aber nicht.

Einsamkeit auch unter Menschen

Lost in the crowd - einsam unter vielen
Lost in the crowd – einsam unter vielen (Foto: CC0 / Pixabay / vvaniasantoss)

Menschen fühlen sich aber nicht nur einsam, weil sie keinen Kontakt mit anderen Menschen haben. Ebenso tritt das unangenehme Gefühl auf, obwohl viele Personen in unserer Umgebung sind. Insbesondere Großstädte und große Menschenansammlungen erzeugen eine Atmosphäre der Anonymität: Andere Personen in unserer Nähe scheinen sich nicht um einen zu kümmern. Man geht in der Masse unter, fühlt sich im Stich gelassen, einsam und nicht geliebt.

Auch nach einer Trennung oder dem Verlust eines Partners, Freundes oder Familienmitglieds fühlen wir uns mitunter einsam. Wir vermissen die Liebe und Aufmerksamkeit, die uns durch die jeweilige Person gegeben wurde, und fühlen uns plötzlich nicht mehr vollkommen.

Hinter Einsamkeit stecken oft folgende seelische Zustände:

  • Angst: Wir haben Angst davor, anderen nicht zu genügen, mit Herausforderungen alleine nicht umgehen zu können oder nicht mehr die Liebe zu finden, die wir in der Vergangenheit bekommen haben.
  • Unvollkommenheit: Wir haben das Gefühl, dass es bestimmte Personen und Beziehungen in unserem Leben braucht, um vollkommen zu sein. Dahinter steht die Annahme, dass es einen bestimmten äußeren Einfluss bräuchte, um inneren Friede und Liebe zu finden.

Das Gefühl von Einsamkeit kann also selbst dann entstehen, wenn man gar nicht alleine ist. Diese grundlegende Charakteristik zu verstehen, ist der erste entscheidende Schritt, um aus der Einsamkeit auszubrechen: Entscheidend ist die innere Haltung, nicht die äußere Umgebung.

Alleinsein als positives Erlebnis

Allein, aber glücklich - gehe raus in die Natur und erfahre dich selbst.
Allein, aber glücklich – gehe raus in die Natur und erfahre dich selbst. (Foto: CC0 / Pixabay / silviarita)

Wenn du dich also unwohl fühlst, wenn du alleine bist, kann ein erster hilfreicher Schritt sein, das Alleinsein in ein positives oder zumindest neutrales Erlebnis umzuwandeln:

  • Anstatt alleine Fernsehen zu schauen oder auf Facebook zu verweilen, begib dich an einen Ort, an dem du dich wohl fühlst: Gehe am Strand spazieren, mache eine Radtour durch den Wald oder erkunde die nächstgelegenen Wiesen genauer. Sowohl körperliche Bewegung als auch Zeit in der Natur können wahre Wunder bewirken.
  • Du kannst dich auch bewusst dafür entscheiden, einen Abend alleine zu Hause zu verbringen. Nimm dir dabei ein bis zwei Aktivitäten vor, die dir besonders gut tun. Das kann ein leckeres Essen, ein interessantes Buch oder Sport sein.
  • Konfrontiere dich mit dem Alleinsein und konzentriere dich auf die Emotionen, die du dabei spürst.
  • Lerne dich selbst zu schätzen und versuche, gegen negative Gedanken anzugehen. Positiv zu denken, ist eine Fähigkeit, die du trainieren kannst.

Indem du dich bewusst für das Alleinsein entscheidest und es mit einer Aktivität verbindest, die du gerne machst, wirst du es nicht mehr als Zwang oder Leid empfinden: Du gönnst dir selbst eine Auszeit und kümmerst dich um dich selbst. Mit dieser Einstellung kann Alleinsein sogar angenehm werden.

Was du gegen Einsamkeit tun kannst

Selbstbeobachtung und Meditation für mehr Zurf
Selbstbeobachtung und Meditation für mehr Zurf (Foto: CC0 / Pixabay / Free-Photos)

Wenn du alleine bist und dich dazu noch einsam fühlst, können einige „Sofortmaßnahmen“ hilfreich sein.

1. Selbstbeobachtung

Lerne, dich selbst zu beobachten. Indem du das Gefühl der Einsamkeit betrachtest, baust du eine Distanz zu deinen Emotionen auf, anstatt dich von ihnen vereinnahmen zu lassen.

  • Welche Gedanken beschäftigen dich?
  • Welche Emotionen empfindest du?
  • Woher kommen diese und in welchen Situationen treten diese auf?
  • Welche körperlichen Empfindungen (z. B. verkürzte Atmung oder Schmerzen) sind damit verbunden?

Die Rolle des neutralen Beobachters kann dabei helfen, dich nicht von der Emotion beherrschen zu lassen, denn Einsamkeit kommt und geht. Keine Emotion und kein quälender Gedanke ist von Dauer. Wenn du dir darüber bewusst wirst, gehst du auch gelassener mit empfundener Einsamkeit um. Damit dir diese Beobachtungsübungen leichter gelingen, kannst du Achtsamkeit trainieren.

2. Meditation

Den nächsten Schritt kannst du mit gezielten Meditationsübungen gehen. Das bietet sich auch dann an, wenn du dich bewusst fürs Alleinsein entscheidest (wie oben beschrieben). Wenn du keine Meditationserfahrung hast, empfehlen sich für den Einstieg geführte Meditationen.

3. Atemübungen als akute Hilfe

Wenn dich das Gefühl der Einsamkeit übermannt und du deshalb überhaupt nicht zur Ruhe kommst, dann wird dir Meditieren unmöglich erscheinen. In diesem Fall bieten Atemübungen eine schnelle Hilfe. Sie helfen dir, dich zu entspannen – und so erst einmal die schlimmste Phase dieser negativen Emotion zu überstehen. Anschließend kannst du dich der Meditation widmen.

Alleine sein lernen – so profitierst du davon

Alleine glücklich sein - das ist Freiheit.
Alleine glücklich sein – das ist Freiheit. (Foto: CC0 / Pixabay / Quangpraha)

Wer es schafft, Alleinsein als etwas Positives, oder zumindest nicht als etwas Unangenehmes wahrzunehmen, hat eine wichtige Fähigkeit erlangt. Einerseits können Situationen, in denen du auf dich alleine gestellt bist, besser gemeistert werden. Außerdem schützt ein gutes Selbstwertgefühl auch vor emotionalen Schmerzen. Mit jeder Abhängigkeit, von der du dich löst, wirst du zugleich freier.

Natürlich bedeutet das in keinem Fall, dass du Kontakt mit anderen Menschen meiden solltest. Es geht darum, Momente des Alleinseins wertschätzen zu können. Bei großer Einsamkeit oder starker Angst vor sozialen Kontakten könnte unter Umständen aber auch ein tiefer gehendes Problem vorliegen. Im Zweifel lohnt es sich in diesem Fall, psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen.

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