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„Lebst du schon vegan oder noch brutal?“: Aktivistin polarisiert mit Straßen-Konfrontationen

Foto: Screenshot Instagram / Die militane Veganerin

Vegetarier:innen sind heuchlerisch, Fleisch-Esser:innen sowieso: Raffaela Raab nennt sich auf Social Media „die militante Veganerin“. Für diejenigen, die sie kritisieren, ist sie genau das. Doch aufgeben will die 26-Jährige nicht. Sie wünscht sich eine bessere Zukunft für Tiere.

Mehr als 11.000 Follower:innen zählt Raffaela Raab auf Instagram. Sich selbst nennt die 26 Jahre alte Österreicherin „die militante Veganerin“. Auf Social Media wirbt sie mit provokanten Aktionen für mehr Tierrechte – und ist der Meinung: Wem Tierschutz wirklich wichtig ist, muss vegan leben. Das verdeutlicht sie auch im Interview mit watson.

Demnach sind selbst Vegetarier:innen „Heuchler“. Den Grund liefert sich gleich mit: „Eine Kuh, die Milch produziert, macht das für ihr Kalb. Die Kuh wird durch Menschenhand vergewaltigt und penetriert, damit sie schwanger wird. Dann nimmt man ihr das Kalb weg, um die Milch selbst zu trinken“, sagt Raab zu watson.

„Solange du nicht vegan lebst, bist du eine Tierschänderin“

Auch auf der Straße propagiert sie ihre Sichtweise. „Solange du nicht vegan lebst, bist du eine Tierschänderin“, soll sie einer Frau auf offener Straße entgegengehalten haben. Veganer:innen, so Raabs Meinung, seien außerdem die besseren Menschen.

Mit ihrem Aktivismus will „die militante Veganerin“ Speziesismus bekämpfen. Darunter versteht man die Herabwertung aller Spezies außer der menschlichen. In der Tierrechtsbewegung und -ethik findet der Begriff Anklang und wird mitunter als Unterdrückungsform mit Rassismus oder Sexismus verglichen.

Die Aktivistin sieht das offenbar genau so. „Es geht um die Grundrechte von fühlenden Personen, um unabhängig von der Spezies nicht versklavt zu werden“, erklärt Raab ihr Handeln. Dafür schreckt die Österreicherin nicht vor fragwürdigen Vergleichen zurück. So nennt sie die Massentierhaltung etwa Konzentrationslager, schreibt watson. Wegen Verstößen gegen die Richtlinien wurden ihre TikTok-Profile bereits zweimal von der Videoplattform gelöscht, ihr Instagram-Konto einmal.

Kritik und Zuspruch auf Social Media

Auf Instagram erhält die Aktivistin Zuspruch wie Gegenrede. „Ich finde es langsam echt nervig, wie du Menschen deinen Veganismus aufzwingen möchtest. Stattdessen solltest du wirklich Gründe finden, die Menschen langfristig und freundlich davon zu überzeugen“, schreibt eine Userin unter einen von Raabs Beiträgen. Auch würde sie die Menschen, die sie auf der Straße anspricht, nicht aussprechen lassen – generell grob mit ihnen umgehen. „Schade. Da setzt man sich für die richtige Sache ein aber mit den falschen Mitteln“, so ein weiterer kritischer Instagram-User. Raab erzählt, dass sie bereits körperlich angegriffen wurde.

Unterstützer:innen hingegen schreiben, sie möchten an den Aktionen der 26-Jährigen teilnehmen und loben ihre direkte, schonungslose Ansprache. Raabs erfolgreichste Videos wurden mehr als acht Millionen Mal angesehen.

„Über Nacht“ zur Aktivistin geworden

Von sich selbst sagt die Aktivistin, dass sie „über Nacht“ zu einer solchen geworden sei. 2020 habe sie sich nicht vollständig vegan ernährt, war aber für ein Verbot von Tierprodukten. Bei einem Spiel mit Freund:innen, bei dem sie diese Forderung formulierte, habe sie dann gemerkt, sich „wie eine Heuchlerin“ zu fühlen. Wenige Tage später begann sie, auf der Straße Passant:innen aufzuklären. Dabei sei der Name der „militanten Veganerin“ als Scherz gemeint. „Der User-Name war immer ein Scherz, da sowieso alle Veganer als militant, radikal oder extremistisch bezeichnet werden.“ Sie bewege sich stets auf legalem Boden, betont Raab.

Ihre Mutter, so die 26-Jährige im Gespräch mit watson, hat wenig Verständnis für das, was sie tut. „Für meine Mutter bin ich eine Extremistin und Sektenführerin.“ Allerdings könne sie auf ihre „selbstgewählte Aktivistenfamilie“ zählen, heißt es.

Sie und ihr Team wollen eine Generation, aber auch Entscheidungsträger, zum Umdenken bewegen. „Ich hoffe, bis in fünf oder zehn Jahren gibt es die ersten Gesetze, was die Aufhebung des Objektstatus von Tieren betrifft“, sagt sie. Bis dahin werde sie weiterhin Leute auf der Straße mit dem Slogan „Lebst du schon vegan oder noch brutal?“ konfrontieren.

Respektvoller Umgang miteinander bleibt essentiell

Utopia meint: Sich vegan zu ernähren hilft dem Klima – und den Tieren. Die Hindernisse, warum Menschen ihren Konsum tierischer Produkte nicht (vollständig) reduzieren, sind oft individuell. Auch wir bei Utopia versuchen, Leser:innen zu einem bewussteren und nachhaltigeren Lebensstil zu bewegen. Dazu gehört das Bereitstellen relevanter Informationen, aber auch das Aufzeigen von Möglichkeiten, etwa tierische Produkte durch vegane und umweltschonendere Alternativen zu ersetzen. Während manche Menschen auf direkte Aufklärungskampagnen – zum Beispiel vorangetrieben durch Aktivist:innen – anspringen, fühlen sich andere Personen weniger durch Fingerzeig, sondern vielmehr mit konkreten Handlungstipps abgeholt. Unabhängig von der Herangehensweise und der Diskussion bleibt dabei ein Punkt wichtig: der respektvolle Umgang miteinander.

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