Özdemir zu veganen Kritiker:innen: „Wir brauchen Tierhaltung“

Fleischkonsum Cem Özdemir
Foto: CC0 Public Domain / Pexels - Mark Stebnicki und Bernd von Jutrczenka/dpa

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) empfiehlt den Bürger:innen, weniger Fleisch zu essen. Gleichzeitig betont er in einem Interview, dass ein Ende der Tierhaltung nicht die Vision der Grünen sei. Der Grund: tierischer Dünger.

Bundesagrarminister Cem Özdemir appelliert an die Bürger:innen, weniger Fleisch zu konsumieren. Gleichzeitig spricht sich der Grünen-Politiker für Tierhaltung aus. Diese sei notwendig.

Im Interview mit t-online sagt Özdemir, er wolle keine Vorschriften in Ernährungsfragen machen. „Ich würde als Ernährungsminister aber dazu raten, den Fleischkonsum den planetaren Grenzen und der eigenen Gesundheit zuliebe anzupassen“.

Ein Hebel, um auch die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, stelle dem Landwirtschaftsminister zufolge eine artgerechtere Tierhaltung da. „Es braucht dringend Reformen, das sagen auch die Bauern und ist überparteilicher Konsens.“ Das derzeitige System der Tierhaltung setze vor allem „auf möglichst viel billig produziertes Fleisch“, erklärt Özdemir. Es gehe darum, weniger Tiere „besser“ zu halten und den Landwirt:innen finanzielle Sicherheit zu geben.

Ein Ende der Tierhaltung sei nicht die Vision der Grünen

Gleichzeitig stellt der Minister klar: Ein Ende der Tierhaltung sei nicht die Vision der Grünen. Özdemir sagt: „Wir brauchen Tierhaltung, da kann ich meine Kritiker von veganer Seite leider nicht glücklich machen. Auch mein Gemüse braucht Fleisch – genauer gesagt: Tiere. Denn der Dünger, der in der Tierhaltung entsteht, ist wichtig für eine funktionierende, natürliche Kreislaufwirtschaft.“ Tierischer Dünger trage dazu bei, unabhängiger von mineralischem Dünger zu werden, „der klimaschädlich ist und mit russischem Gas erzeugt wird“.

Verbraucher:innen könnten nach Aussagen des Agrarministers aktiv etwas für mehr Tierwohl tun, indem sie Fleisch aus guten Haltungsformen wählen. Derzeit nimmt die geplante staatliche Tierhaltungskennzeichnung für Fleisch im Supermarkt weiter Gestalt an. Die verpflichtende Kennzeichnung für inländische Erzeugnisse soll im ersten Schritt 2023 mit frischem Schweinefleisch starten. Geplant ist ein System mit fünf Kategorien. Es beginnt bei der Haltungsform „Stall“ mit den gesetzlichen Mindestanforderungen. In der Stufe „Stall+Platz“ müssen Schweine unter anderem mindestens 20 Prozent mehr Platz haben, in der Stufe „Frischluftstall“ Kontakt zum Außenklima etwa durch offene Stallseiten. Geplant sind zudem die Stufen „Auslauf/Freiland“ und „Bio“.

Inwiefern ist Tierhaltung sinnvoll?

Utopia meint: Tatsächlich sind mineralische Düngemittel, allgemeiner auch als Kunstdünger bekannt, problematisch. In der konventionellen Landwirtschaft werden sie im großen Stil eingesetzt – wodurch zu große Mengen Stickstoff in die Umwelt gelangen. Das belastet neben dem Klima und den Böden unter anderem auch das Grundwasser, wie das Umweltbundesamt feststellt. Tierischer Dünger wird daher oft als wertvoller angesehen, weshalb in Demeter-Betrieben Tierhaltung sogar vorgeschrieben ist. Allerdings ist unklar, in welcher Größenordnung diese Haltung sinnvoll ist, wenn Özdemir davon spricht, dass sie gebraucht werde. Tierhaltung in kleinem Maßstab und unter strengen Auflagen kann der Dünger-Problematik entgegenwirken. Dafür ist es allerdings nicht zwingend nötig, dass die Tiere zum Verzehr oder der Herstellung tierischer Produkte gehalten werden. Durch die Massentierhaltung fällt aktuell deutlich zu viel Gülle an. Eine Alternative könnte die bio-vegane Landwirtschaft sein, diese wird derzeit jedoch nur im Kleinen betrieben. Die Frage, ob so eine globale Ernährungssicherung möglich ist, stellt sich hier noch stärker als bei der Bio-Landwirtschaft.

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