„Was Männer kosten“: So teuer ist toxische Männlichkeit

Was Männer kosten
Foto: CC0 / Pixabay / lechenie-narkomanii

Männer kosten Milliarden: Kriminalität, Verkehrsunfälle, Süchte und klimaschädliches Verhalten. Boris von Heesen erklärt in seinem Buch "Was Männer kosten", welche Auswirkungen das Patriachat hat – und wie auch Frauen beitragen, dass sich das System nur langsam ändert.

Worum geht es in "Was Männer kosten"?

Männer sind der Keim allen Übels – das könnte eine der Interpretationen von Boris von Heesens Buch „Was Männer kosten“ sein. So einfach ist es dann aber doch nicht. Denn nicht jeder Mann per se kostet, sondern die durch das patriachalische Weltbild geprägten, toxischen Verhaltensweisen. Diese kosten Deutschland jährlich 63 Milliarden Euro. Der Autor schreibt, in zwanzig Jahren könnte der Schaden mehr als eine Billion betragen.

Hinweis: Der Autor möchte mit seinem Buch auf die Missstände einer heteronormativen, von stereotypen Rollenbildern geprägten Gesellschaft aufmerksam machen. Dafür stützt er sich auf Statistiken und vor allem auf die darin präsentierten gesellschaftlichen Mehrheiten, also (heterosexuelle) Cis-Männer und -Frauen. Da wir in diesem Artikel die Gedanken des Autors wiedergeben, verwenden wir die Begriffe „Männer“ und „Frauen“ wie dieser es auch tut. Uns ist bewusst, dass nicht alle Menschen in diese Binär-Kategorie fallen und dass sie sich in den Bezeichnungen „Mann“ und „Frau“ womöglich nicht oder falsch repräsentiert sehen.

In Statistiken rund um die „dunklen Seiten“ der Gesellschaft dominieren Männer. Fast alle Gefängnisinsass:innen sind Männer. Die Zahlen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend lesen sich ebenfalls düster: Bei Vergewaltigung, sexuellen Übergriffen und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Opfer zu 98,4 Prozent weiblich, bei Bedrohung, Stalking, Nötigung in der Partnerschaft sind es 88,5 Prozent. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung sind es 79,9 Prozent, bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind 77 Prozent der Opfer Frauen.

Im Falle von „Was Männer kosten“ schreibt der Autor über Daten und Zahlen, die öffentlich zugänglich sind. Die Kosten dürften seiner Meinung nach in Wahrheit noch viel höher ausfallen.

Laut von Heesen befindet sich die Gesellschaft in einer „lose-lose Situation“: Neben Frauen würden auch Männer unter dem Patriarchat leiden. Sie dürfen nicht als schwach gelten, müssen „ihre weiblichen Eigenschaften“ unterdrücken und geraten so eher in eine Spirale von Aggression und Depression

Wie setzen sich die Kosten zusammen?

In einem Interview mit dem Handelsblatt schlüsselt von Heesen die Kosten auf: „Knapp 94 Prozent der Insassen in Deutschland sind Männer. Ein Tag im Knast kostet 130 Euro pro Häftling… Dann die von Männern ausgehende häusliche Gewalt. Allein die direkten Kosten belaufen sich auf 803 Millionen Euro, zu 81 Prozent sind Frauen betroffen. Das Geld geht in die Arbeit von Polizei und Justiz, Schutz in Frauenhäusern sowie medizinische und psychologische Versorgung der Opfer nach Misshandlung und Vergewaltigung.“

Obwohl das Kostengefälle zwischen Frau und Mann überdeutlich ausfällt, gibt es Lebensbereiche, in denen auch Frauen das Patriarchat aufrechterhalten: „Manche Frauen sprechen Männern beispielsweise ab, sich so gut um Kinder kümmern zu können wie sie selbst. Bei den Kosten liegen Frauen im Bereich stiller Süchte vorn, etwa beim Konsum von Tabletten. Oder im Bereich der Essstörungen. Insgesamt zeigt sich aber ein deutliches Bild zulasten von Männern. Meine Mission ist nicht, die Geschlechter gegeneinander auszuspielen oder Schuld zuzuweisen. Ich präsentiere Fakten, damit wir sehen, was falsch läuft, und es ändern können im Sinne aller.“

Worin besteht die Lösung?

Toxisch wird es, wenn Männer nach Klischees leben müssen.
Toxisch wird es, wenn Männer nach Klischees leben müssen.
(Foto: CC0 / Pixabay / RyanMcGuire)

Laut von Heesen sollten Menschen als Menschen und nicht als Jungen oder Mädchen auf die Welt kommen dürfen. Es gilt, Rollenstereotypen weiter aufzuweichen. Männer sollten Angst, Scham und Trauer zeigen dürfen, Frauen sollten auch Attribute wie tapfer, entschieden und rational zugesprochen werden können.

Utopia meint: Dieser Gedanke sollte noch weiter geführt werden. Geschlecht ist kein binäres Konstrukt, das es nur in den zwei Kategorien männlich oder weiblich gibt. Geschlecht ist ein Spektrum. Die Geschlechterrollen sollten so weit aufgeweicht werden, dass eine Person Gefühle zeigen oder tapfer sein darf, ohne dabei aufgrund körperlicher oder biologischer Attribute verurteilt zu werden.

In seinem Buch zieht von Heesen auch staatliche Behörden mit in Verantwortung: „Zum Beispiel könnte das Kraftfahrbundesamt aus Flensburg in Kooperation mit dem statistischen Bundesamt turnusmäßig über das düstere Ungleichgewicht der Geschlechter im breiten Feld des Straßenverkehrs informieren… Genauso könnte das Bundeskriminalamt prominenter auf die ausgeprägte Geschlechterschieflage der Kriminalstatistik aufmerksam machen.“

Von Heesen ist sich dessen bewusst, dass auch andere Faktoren wie Zufall, traumatische Erlebnisse oder schwere Depressionen das männliche Verhalten beeinflussen. Dennoch folgt er der These, dass im Allgemeinen gefestigte Stereotypen das größte Problem in der Gesellschaft darstellen.

„Wenn wir dann irgendwann so weit sind, wie selbstverständlich darüber zu diskutieren, dass ungesunde männliche Verhaltensweisen nicht nur Angst machen, nerven oder Männern selbst schaden, sondern zusätzlich das Gemeinwesen finanziell belasten – dann wäre ein wichtiger Schritt getan. Für Frauen, für Männer und alle anderen.“

Auf die Frage, wie man Männer aufklären und erreichen könnte, antwortet von Heesen: 

„Wir sollten überforderten Männern die Hand reichen und sie zu einem Dialog einladen. Hier können ihnen die Argumente – belegt durch amtliche Statistiken – sachlich und auf Augenhöhe erläutert werden. Von einer geschlechtergerechten Gesellschaft profitieren letztlich alle Menschen. Wenn sich Partner auf Augenhöhe begegnen, tragen Männer nicht mehr die Hauptversorgerlast. Sie entwickeln bessere und intensivere Beziehungen zu ihren Kindern, ganz andere Männerfreundschaften, wo sie auch über Sorgen reden können, statt nur über Fußball. Männer würden gewalttätigen Auseinandersetzungen öfter aus dem Weg gehen und besser auf ihre Gesundheit achten. Bei Sorgerechtsstreitigkeiten würden Männer dieselben Rechte bekommen wie Frauen. Entscheidend dafür ist ein besserer Zugang zur eigenen Gefühlswelt.“

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