Mind-Body-Medizin: Das Zusammenspiel von Körper und Psyche

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Die Mind-Body-Medizin kombiniert Ansätze von Naturheilkunde und Schulmedizin. Einige Universitäten bieten diesen besonderen Zweig der Medizin bereits als Studienfach an. Was genau dahintersteckt, erfährst du hier.

Bei der Mind-Body-Medizin steht das Zusammenwirken von psychischen und körperlichen Aspekten im Fokus. Genauer gesagt handelt es sich dabei um eine Form der sogenannten Stressmedizin. Viele verbreitete Volksleiden können durch Stress ausgelöst oder verstärkt werden. Dazu gehören zum Beispiel Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden.

Mit bestimmten Methoden, die verschiedene Arten von Stress reduzieren, können wir unsere Psyche selbst bewusst entspannen und entlasten. Dies kann wiederum dazu führen, dass es uns auch körperlich besser geht. Die Mind-Body-Medizin kommt jedoch nicht nur bei harmlosen Beschwerden, sondern auch bei Krebs und chronischen Erkrankungen zum Einsatz. Dabei tritt sie ergänzend zur Schulmedizin und gegebenenfalls weiteren naturheilkundlichen Strategien auf.

Woher kommt die Mind-Body-Medizin?

Begründer der Mind-Body-Medizin ist der Kardiologe Herbert Benson von der Harvard Medical School in Boston. Im Jahr 1982 untersuchte er, wie sich die körperlichen Eigenschaften von Mönchen während der Meditation veränderten. Die Ergebnisse waren beeindruckend: Schon nach wenigen Minuten der sogenannten Tummo-Meditation stieg die Körpertemperatur der Mönche in Zehen und Fingern um etwa zehn Grad Celsius an. Bis dato war es in der herkömmlichen westlichen Medizin völlig undenkbar, dass wir Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur auf irgendeine Weise durch unseren Willen beeinflussen könnten.

Benson forschte daraufhin weiter in seinem neu gegründeten medizinischen Bereich und gründete das Mind / Body Medical Institute. 2001 fanden die Forschenden des Instituts heraus, dass Mönche allein durch ihre meditativen Gedanken ihren Sauerstoffverbrauch um 60 Prozent senken konnten und sich damit selbst in eine Art Winterschlaf versetzten. Andere konnten ihre Atemfrequenz drastisch herunterfahren und atmeten dann ohne Probleme nur noch einmal alle 90 Sekunden. Dass Psyche und Körper also stark miteinander verbunden sind, ließ sich vor diesem Hintergrund kaum noch bestreiten.

Mind-Body-Medizin: Wissenschaftliche Hintergründe

Bei der Mind-Body-Medizin geht es darum, den Körper bewusst in eine tiefe Entspannung zu versetzen.
Bei der Mind-Body-Medizin geht es darum, den Körper bewusst in eine tiefe Entspannung zu versetzen.
(Foto: CC0 / Pixabay / rauschenberger)

Wie die Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper genau funktioniert, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Laut dem Ärzteblatt könnte sie auf dem Placebo-Mechanismus basieren. Denn dieser fußt wiederum auf dem Prinzip der Selbstregulation und bewirkt, dass wir an unsere Heilung glauben. Wir haben also eine positive Erwartungshaltung. Diese Haltung kann Veränderungen in unserem Hirnzentrum auslösen.

Benson spricht diesbezüglich von der „Relaxation Response“. Diese Antwortreaktion unseres Körpers löst eine tiefe Entspannung aus und aktiviert unseren Parasympathikus im vegetativen Nervensystem. Dieser ist verantwortlich für Körperfunktionen, die die Regeneration fördern und unseren Energiespeicher auffüllen.

Die Relaxation Response kann so beispielsweise bewirken, dass sich unser Blutdruck und die Menge des Stresshormons Cortisol in unserem Körper senkt. Auch die Herz- und Atemfrequenz kann sich verlangsamen und Gehirnaktivitäten können sich laut dem Ärzteblatt wieder beruhigen. Die Relaxation Response ist gewissermaßen das Gegenstück zur sogenannten „Flight-or-Fight-Response“, zu der unser Körper ebenso fähig ist.

Bei der Flight-or-Fight-Response kommt unser Sympathikus zum Einsatz. Er gibt dem Körper das Signal, dass wir uns in direkter Gefahr befinden und löst unter anderem aus, dass sich unser Blutdruck erhöht, unser Herz schneller schlägt und unsere Atemfrequenz steigt. All dies würde es uns ermöglichen, möglichst schnell aus einer Situation zu fliehen oder zu kämpfen. Heute erleben wir diesen Effekt häufig in besonders stressigen Situationen im Alltag. Langfristig kann das laut Psychology Today zu einer Reihe an Beschwerden wie Kopfschmerzen, Atemproblemen oder Herzrasen führen. Die Relaxation Response beruhigt unseren Körper hingegen wieder und fördert so einen gesunden Schlaf und beugt Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Angststörungen vor.

Methoden für die Relaxation Response

Bei der Mind-Body-Medizin kommen eine Reihe von Entspannungs- und Achtsamkeitstechniken zum Einsatz. Dazu zählen zum Beispiel die Meditation, die MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction), aber auch das Erlernen von Empathie und Selbstmitgefühl. In einigen Kliniken gibt es bereits Angebote der Mind-Body-Medizin. Diese wenden sich zum Beispiel an chronisch Erkrankte oder krebskranke Patient:innen, aber auch an Personen, die unter harmloseren Beschwerden leiden.

Um Stress vorzubeugen und die Relaxation Response in deinem Körper auszulösen, kannst du aber auch zu Hause regelmäßig entsprechende Übungen durchführen. Weitere Informationen und Anleitungen für Entspannungs- und Achtsamkeitsmethoden findest du in diesen Artikeln:

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