Bodenversalzung: Darum ist es ein Problem für die Landwirtschaft

bodenversalzung
Foto: CC0 / Pixabay / jplenio

Bodenversalzung macht pro Tag 2.000 Hektar Land unfruchtbar und somit unbrauchbar für die Landwirtschaft. Sie ist einer der Gründe, warum wir uns um die Nahrungsversorgung der Zukunft sorgen sollten.

Die Bodenversalzung ist eine schleichende Umweltkatastrophe, die nicht nur natürliche, sondern auch menschengemachte Ursachen hat. In Deutschland machte 2016 beispielsweise die „Kali und Salz AG“ – ein Kasseler Düngemittelproduzent – in der Wirtschaftswoche Schlagzeilen. Das Unternehmen ist durch seine Abwässer verantwortlich für Bodenversalzung in der Umgebung. Auch in vielen anderen Teilen der Welt sind Gebiete versalzen oder von Versalzung bedroht, unter anderem in Russland, Kasachstan und Australien.

Aber wie kommt es eigentlich zur Bodenversalzung, was haben die Menschen damit zu tun und was sind sinnvolle Gegenmaßnahmen?

Was ist Bodenversalzung und wie entsteht sie?

Dieses Feld ist ein Beispiel für negative Wasserbilanz.
Dieses Feld ist ein Beispiel für negative Wasserbilanz.
(Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Bodenversalzung entsteht, wenn durch Verdunstung Wasser aus tieferen Bodenschichten (das sogenannte Grundwasser) nach oben gezogen wird. Dieses Phänomen ist auch als Kapillareffekt bekannt. Verdunstung bedeutet, dass ein Stoff, in diesem Fall Wasser, vom flüssigen in den gasförmigen Zustand übergeht. Wenn es sehr warm ist, geben die Pflanzen und der Boden eine Menge Wasser an die Atmosphäre ab. Das Wasser aus den tieferen Schichten nimmt die wasserlöslichen Salze mit nach oben. Wenn das Wasser verdunstet, bleiben sie im Oberboden zurück. So wird die obere Bodenschicht nach und nach mit Salzen angereichert. Solche Salze sind zum Beispiel Chloride, Sulfate und Carbonate des Natriums, Calciums und Magnesiums sowie Nitrate.

Wenn es regnet, ist der Effekt umgekehrt: Das Regenwasser löst die Salze im Oberboden und nimmt sie beim Versickern mit in die unteren Bodenschichten. Wenn es mehr regnet, als Wasser aus dem Boden verdunstet, spricht man von einer positiven Wasserbilanz. Zu einer Versalzung kommt es, wenn die Menge des Niederschlags (in Litern) geringer ist als die Menge an Verdunstung (in Litern). Das heißt dann auch negative Wasserbilanz.

Welche anderen Ursachen hat die Bodenversalzung?

Falsche künstliche Bewässerung trägt zur Bodenversalzung bei.
Falsche künstliche Bewässerung trägt zur Bodenversalzung bei.
(Foto: CC0 / Pixabay / distelAPPArath)

Wie eben beschrieben, kommt es durch zu wenig Niederschlag und zu viel Wärme zur Bodenversalzung. Zusätzlich zu diesem natürlichen Prozess hat der Mensch noch einen erheblichen Einfluss darauf, dass die Salzkonzentration im Boden steigt. Diese menschengemachten Ursachen für Bodenversalzung sind vor allem:

  • Konventionelle Landwirtschaft, die zu viele salzhaltige Düngemittel verwendet
  • Abwässer aus dem Berg- und Salzabbau (und anderen Industrien, zum Beispiel der Kali-Industrie), die bei der Gewinnung von verschiedenen Ressourcen entstehen
  • Streusalz-Einsatz auf den Straßen zum Frostschutz, wobei das Salz nach und nach ins Grundwasser gespült wird
  • Künstliche Bewässerung – einer der Hauptgründe für die Versalzung von Böden, besonders in Gebieten, die sehr trocken sind. Dort ist der Wasserbedarf höher als in mäßigen Klimazonen. Wasser enthält immer etwas Salz. Dementsprechend steigt auch die Salzmenge insgesamt, die am Ende im Oberboden zurück bleibt, während das gesamte Wasser verdunstet. Der Effekt verschlimmert sich, wenn Landwirt:innen mehr Wasser als nötig oder salzhaltigeres Wasser unwissentlich verwenden.

Wieso ist Bodenversalzung so problematisch?

Mais als salzempfindliche Pflanze könnte es in Zukunft schwer haben.
Mais als salzempfindliche Pflanze könnte es in Zukunft schwer haben.
(Foto: CC0 / Pixabay / fietzfotos)

Versalzene Böden führen bei Pflanzen zu einer gestörten Nährstoff- und Wasseraufnahme und verlangsamen damit ihr Wachstum. Das wiederum verringert die Erträge stark. Grundsätzlich sind Salze zwar lebenswichtig für Pflanzen. Wenn aber zu viel Salz im Boden ist, können Pflanzen absterben und gar nicht mehr wachsen. Es gibt Pflanzen, die toleranter gegenüber salzigen Böden sind und solche, die wenig vertragen. Bodenversalzung ist ein Grund für den Verlust an Biodiversität in der Natur. Gerade Pflanzenarten, die wenig Salz vertragen können, wachsen weniger, wenn immer mehr Böden versalzen. Durch den Verlust von Boden geht viel Landfläche verloren, die Tieren und Pflanzen als Lebensraum dienen könnte.

Durch Bodenversalzung sind riesige Flächen nicht mehr landwirtschaftlich nutzbar: 2.000 Hektar fruchtbares Land gehen jeden Tag durch Versalzung auf der Welt verloren. Das berichtet eine internationale Gruppe von Forscher:innen im „Natural Resources Forum“. „Wenn wir die bis 2050 prognostizierten neun Milliarden Menschen der Erde ernähren wollen, benötigen wir jedes Stück Land, das wir haben“, warnt Manzoor Qadir, einer der beteiligten Forscher. Inzwischen sind bereits 62 Millionen Hektar Fläche in trockenen und halbtrockenen Regionen der Erde versalzen. Das sind rund 30 Prozent der bewässerten Flächen. Somit ist auf lange Sicht die globlale Nahrungsmittelversorgung bedroht, wenn wir nicht dagegensteuern.

Bodenversalzung ist weiterhin eines der Anzeichen von Desertifikation, sprich Wüstenbildung. Weitere Gründe für Wüstenbildung sind Bodenerosion, die Übernutzung oder die Austrocknung von Böden.

Maßnahmen gegen die Bodenversalzung

Portulak ist eine Salzpflanze und essbar.
Portulak ist eine Salzpflanze und essbar.
(Foto: CC0 / Pixabay / WikimediaImages)

Es ist unerlässlich, etwas gegen die Bodenversalzung zu unternehmen, wenn wir nicht immer mehr fruchtbare Landfläche verlieren wollen. Dazu müssen wir Methoden finden und anwenden, mit denen sich auch auf salzhaltigen Böden Landwirtschaft betreiben lässt. Denn alle Flächen restlos zu entsalzen, wird uns nicht gelingen.

Präventive Maßnahmen:

  • Die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen Bodenversalzung ist eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Tröpfchenbewässerung ist eine verdunstungsarme und somit wassersparende Bewässerungsmethode. Zudem sollten Landwirt:innen nur noch so viele Düngemittel ausbringen, wie wirklich nötig ist.
  • Abwässer aus der Industrie müssten entsalzt werden, bevor sie abfließen und ins Grundwasser gelangen. Eine Fördermaßnahme in diese Richtung läuft derzeit zum Beispiel über das BMBF, unter der Abkürzung „WavE“. Das heißt ausgeschrieben: Zukunftsfähige Technologien und Konzepte zur Erhöhung der Wasserverfügbarkeit durch Wasserwiederverwendung und Entsalzung.

Methoden, um Bodenversalzung rückgängig zu machen:

  • Die obersten Bodenschichten, wo das meiste Salz eingelagert ist, können abgetragen werden. Wenn man dann neue Vegetation anpflanzt, erholt sich der Boden nach einigen Monaten wieder.
  • Die Methode, die am häufigsten Anwendung findet, ist das Auswaschen des Salzes. Das Salz wird über sogenannte Drainagen mithilfe von viel Wasser ausgespült. Drainagen sind in der Landwirtschaft technische Systeme, mit deren Hilfe sich das versickerte Wasser unterirdisch ableiten lässt. Das Salz im abgeleiteten Wasser kann dann herausgefiltert werden. Das ist allerdings ein sehr wasserintensiver und aufwendiger Vorgang.

Nutzung von Salzpflanzen:

  • Es gibt spezialisierte Pflanzen, die salzhaltigen Boden brauchen, um zu wachsen und Pflanzen, die auf normalem und auf salzigem Boden zurecht kommen. Sie zählen beide zu den Salzpflanzen, auch Halophyten genannt.
  • Die Nutzung von Salzpflanzen, um der Bodenversalzung zu begegnen, ist noch ein sehr neuer Ansatz. Zurzeit wird noch viel daran geforscht. Ein Projekt in diese Richtung ist „food4future„. Das Projekt untersucht zukunftsfähige Nahrungsmittel, unter anderem auch Halophyten. Wenn es gelänge, Pflanzenarten zu kultivieren, die auf salzhaltigen Böden gedeihen können, ließen sich die brachliegenden Flächen landwirtschaftlich nutzen. Damit könnten Salzpflanzeneinen Beitrag zu globalen Nahrungssicherheit leisten. Portulak ist eine solche Halophyte, die essbar und gesund ist.
  • Salzpflanzen könnten außerdem das Salz aus dem Boden aufnehmen und in ihrer Biomasse speichern. Mit der Ernte würde die Fläche dann von diesem Salzanteil befreit.
  • Es gibt zudem Forschungsprojekte in der Pflanzenzüchtung mit weiterführenden Ansätzen. Forscher:innen versuchen beispielsweise, die salztolerante Eigenschaft der Halophyten anderen Pflanzen einzuzüchten. So ließen sich Kulturpflanzen auch auf salzigem Boden anbauen.

Utopia meint: Bodenversalzung ist kein neues Thema im Umweltschutz. Es ist wichtig, darüber Bescheid zu wissen und sich nicht ohnmächtig dabei zu fühlen. Die oben genannten Maßnahmen betreffen zwar hauptsächlich Mitwirkende in der Industrie, der Landwirtschaft und der Forschung. Doch jede:r kann etwas gegen die Bodenversalzung und andere Probleme der Bodendegration tun. Durch unser Konsumverhalten bestimmen wir sehr stark, wie es in der Welt aussieht. In unserem Artikel „Bodenschutz: Das kann jede:r Einzelne tun“ findest du Antworten auf die Frage, was du selbst tun kannst.

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