DZI-Spendensiegel: Bedeutung und Vergabekriterien

Foto: Screenshot/ www.dzi.de/spenderberatung/das-spenden-siegel/

Fragst du dich, was genau das DZI-Spendensiegel ist? Wir haben alle wichtigen Fakten für dich und klären, warum große Umwelt- und Naturschutzorganisationen kein DZI-Spendensiegel haben.

Ganz am Anfang der Geschichte des DZI-Spendensiegels steht Jeanette Schwerin: Sie gründete Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen – kurz DZI. Damals war das DZI eine Auskunftsstelle, um Informationen zu den einzelnen Wohlfahrtsorganisationen in Berlin zu erhalten.

Heute wird das das DZI von verschiedenen öffentlichen Stellen getragen, zum Beispiel dem Bundesfamilienministerium und dem Berliner Senat. Als unabhängige Einrichtung soll das Institut die Vertrauenswürdigkeit von Hilfsorganisationen überprüfen und nachvollziehen, wie diese mit Spendengeldern umgehen. So leistet das DZI eine Orientierungshilfe für Spender*innen und versteht sich als Einrichtung für Verbraucherschutz.

Um seriöse Organisationen zu kennzeichnen, vergibt das DZI seit 1992 jährlich Spendensiegel. Für die Vergabe müssen genau festgelegte Voraussetzungen erfüllt sein. Momentan gibt es etwa 230 Organisationen, die das DZI-Spendensiegel tragen. 

Das sind die Vergabekriterien für das DZI-Spendensiegel

Beim DZI-Spendensiegel geht es darum, dass Spendengelder sparsam, wirtschaftlich und zweckgerichtet eingesetzt werden.
Beim DZI-Spendensiegel geht es darum, dass Spendengelder sparsam, wirtschaftlich und zweckgerichtet eingesetzt werden.
(Foto: CC0 / Pixabay / HeatherPaque)

Das DZI-Spendensiegel soll dabei helfen, seriöse Hilfsorganisationen zu erkennen. Es bestätigt, dass die betreffende Organisation verantwortungsvoll und sorgfältig mit den erhaltenen Geldern umgeht.

Dafür müssen drei wesentliche Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Organisation verfügt über eine funktionierende Kontrolle und Planung.
  • Die Organisation verwendet die Spendengelder sparsam, wirtschaftlich und zweckgerichtet.
  • Die Organisation stellt ihre Spendenwerbung eindeutig, sachlich und wahr dar.

Diese drei Punkte sind auf den ersten Blick nicht so gut zu greifen. Die DZI-Standards geben noch einmal einen detaillierten Einblick, welche Kriterien genau zu erfüllen sind:

  1. Die Organisation hält sich an rechtlich festgelegte Gesetze, achtet Menschenrechte. Außerdem ist der Aufbau der Organisation transparent in ihrer Satzung.
  2. Es gibt eine klare Trennung zwischen Leitung und Aufsicht innerhalb der Organisation.
  3. Die Organisation verhält sich transparent in der Öffentlichkeitsarbeit und ist in ihrer Werbung fair.
  4. Die Organisation verpflichtet sich, die Mittel nur für die angegebenen Zwecke und für notwendige Werbe- und Verwaltungsausgaben zu nutzen. Es geht dabei darum, eine möglichst große Wirksamkeit zu erzielen, indem die Organisation auf sparsames und wirtschaftliches Verhalten achtet.
  5. Die Organisation achtet auf eine Vergütung im branchenüblichen Rahmen für ihre festen und freien Mitarbeiter*innen, berücksichtigt dabei aber auch ihr gemeinnütziges Interesse.
  6. Die Organisation kann spätestens nach 12 Monaten des letzten Geschäftsjahres eine allumfassende und geprüfte Rechnung vorlegen.
  7. Die Organisation geht transparent mit ihrer Struktur, den Finanzen und ihrer Arbeit um. Das bedeutet, zum Beispiel, dass es eine Website gibt. Außerdem veröffentlicht die Organisation für jedes Geschäftsjahr einen Jahresbericht und gibt Auskunft über Fragen zur Organisation.

Darum hat das DZI-Spendensiegel einen guten Ruf

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung misst dem DZI-Spendensiegel große Bedeutung bei.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung misst dem DZI-Spendensiegel große Bedeutung bei.
(Foto: CC0 / Pixabay / FelixMittermeier)

Es gibt verschiedene Gründe, warum das Spendensiegel einen guten Ruf hat:

  • Das DZI-Spendensiegel schätze die Seriösität von Spendenorganisationen nach eigener Aussage mit großer Sicherheit ein.
  • Das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erkennen das DZI-Spendensiegel an. Sie orientieren sich unter anderem an dem Siegel, wenn sie entschieden, ob eine Organisation Zuwendungen erhält.
  • Viele TV- und Rundfunkanstalten und auch Printmedien berücksichtigen bei Spendeaktionen Organisationen mit dem DZI-Spendensiegel. Der Hessische Rundfunk und der SWR empfehlen Spender*innen beispielsweise, auf das Siegel zu achten. 
  • Auch Stiftung Warentest stuft das DZI-Spendensiegel als besonders verlässlich ein.

Das sind die Kritikpunkte am DZI-Spendensiegel

Es gibt einige Kritikpunkte am DZI-Spendensiegel.
Es gibt einige Kritikpunkte am DZI-Spendensiegel.
(Foto: CC0 / Pixabay / ArmyAmber)

Damit eine Hilfsorganisation das DZI-Spendensiegel erhält, muss sie eine Reihe von strengen Kriterien erfüllen. Das birgt auch Nachteile, auf die Verbraucher*innen beim DZI-Spendensiegel achten sollten. Denn schließlich kann auch eine Hilfsorganisation ohne DZI-Spendensiegel verantwortungsvoll und sorgfältig mit den erhaltenen Spendengeldern umgehen.

Es ergeben sich folgende Kritikpunkte an dem DZI-Spendensiegel:

  • Nur Spendeorganisationen ab einem Mindestspendenwert von 25.000 Euro in den letzten zwei Geschäftsjahren können das DZI-Spendensiegel erhalten. Das bedeutet: Kleine örtlich agierende Hilfsorganisationen sind vom DZI-Spendensiegel ausgeschlossen.
  • Es dauert bis zu sechs Monate – in manchen Fällen sogar noch länger – bis das DZI eine Organisation geprüft hat. Das DZI-Spendensiegel darf die Organisation dann für die folgenden vier Quartale tragen. Sie muss sich also jährlich neu prüfen lassen.
  • Die Hilfsorganisationen müssen Gebühren an die DZI-Spenderberatung entrichten, um das DZI-Spendensiegel zu bekommen.
    Große Natur- und Umweltorganisationen wie Greenpeace haben kein DZI-Spendensiegel.
    Große Natur- und Umweltorganisationen wie Greenpeace haben kein DZI-Spendensiegel.
    (Foto: CC0 / Pixabay / GREGOR)
    • Effektiv-spenden.org kritisiert das DZI-Spendensiegel: Die DZI selbst prüfe die tatsächliche Wirksamkeit einer Hilfsorganisation nicht ausreichend. Überprüft werde hauptsächlich, ob die Ausgaben der Organisation in einem angemessenen Verhältnis zu den Spendeneinnahmen stünden. Es sei aber sinnvoller, nicht nur den reinen Kosten-Nutzenfaktor zu berechnen: Vielmehr müsse genauer nachvollzogen werden, was mit den Spenden real passiere.  

    Tipp: Ein weiteres Spendensiegel vergibt das Analyse- und Beratungshaus PHINEO. PHINEO achtet auf die Wirksamkeit der Spende. Jedoch konzentriert sich PHINEO nur auf deutsche Organisationen.

    • Ein weiterer Kritikpunkt erklärt, warum große Natur- und Umweltorganisationen meist kein DZI-Spendensiegel tragen. Laut Gerhard Wallmeyer, dem Leiter des Fundraising-Sektors bei Greenpeace, sei das DZI-Spendensiegel ursprünglich nur für karitative Organisationen gedacht gewesen – nicht für Organisationen wie etwa Greenpeace, die sich durch Kampagnen und Spenden selbst finanzieren. Karitative Einrichtungen finanzieren sich in Deutschland dagegen auch aus staatlichen Zuwendungen, teilweise zu mehr als 50 Prozent. Dadurch bleiben ihre Gesamtausgaben und Werbekosten grundsätzlich kleiner, als es bei selbstfinanzierten Organisationen der Fall ist. So kann es den Anschein haben, die Werbekosten einer nicht staatlich unterstützten Organisation seien zu hoch, um den Kriterien des DZI-Spendensiegels zu entsprechen. 

    Fazit: Das DZI-Spendensiegel richtet sich nach strikten Standards und hat dadurch einen hohen Aussagewert. Spenderinnen und Spendern bietet es Sicherheit und grundlegende Orientierung beim Auswählen von Hilfsorganisationen. In einigen Punkten kann das DZI-Spendensiegel aber auch kritisch betrachtet werden: Zum einen kommt es vor, dass Organisationen nicht von der DZI berücksichtigt werden, obwohl sie durchaus seriös handeln. Hürden können dabei zum Beispiel der Mindestspendenwert oder zu hohe Werbekosten sein. Zum anderen gibt das Siegel nicht immer umfassend Auskunft über die reale Wirksamkeit von Spenden. Es kann für Verbraucher*innen deshalb sinnvoll sein, sich auch aus anderen Quellen über die entsprechende Organisation zu informieren.  

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