Das richtige E-Bike kaufen – gut & günstig ist möglich

E-bike Kaufberatung
Foto: © Sergey Ryzhov - Fotolia.com

Die Entscheidung ist gefallen, das Auto verkauft, die Steckdose in der Garage installiert – doch wir sehen vor lauter verschiedenen Modellen unser Traum-E-Bike nicht. Utopia stellt einige Modelle und Marken vor und zeigt, welche Kriterien beim Kauf eine Rolle spielen.

Vorab empfehlen wir, das E-Bike bei einem Fahrradhändler zu kaufen und nicht über den Versandhandel, im Baumarkt oder Discounter. Das ist schon allein deshalb sinnvoll, weil beim E-Bike ein größerer Servicebedarf besteht als bei einem klassischen Fahrrad. Zudem ist die Prozedur bei Reklamationen über Hotline und Versand aufwendiger als im Fahrradgeschäft.

Regelmäßige Elektronik-Updates sollten Interessierte ebenfalls einkalkulieren, insbesondere um mit den neueren Automatiksystemen eine entspannte Fahrt sicherzustellen. Neben der gesetzlichen Garantie – für die der Händler verantwortlich ist – bieten viele Hersteller weitergehende Gewährleistungen für ihre Räder. Diese können sich in den Leistungen aber stark unterscheiden. Achte hier auf Details, etwa ob für Garantieleistungen eine Registrierung in den ersten Wochen nach dem Kauf erforderlich ist.

Auch beim Akku steckt der Teufel im Detail: Es macht einen großen Unterschied, ob der Hersteller nach zwei Jahren noch mindestens 50 oder aber 80 Prozent der Leistung garantiert. Um ein möglichst nachhaltiges E-Bike zu finden, bietet die EcoTopTen-Liste (Stand: Dezember 2015) des Öko-Instituts eine gute Hilfestellung. Neben ökologischen Kriterien zählt hier auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Allerdings sind die Preisangaben der Liste nicht immer aktuell.

Wir stellen einige E-Bike-Modelle vor:

E-Bikes von Kalkhoff und Raleigh

Viele Modelle von Kalkhoff und Raleigh befinden sich unter den EcoTopTen-Rädern. Das Kalkhoff Tasman Impulse 8R/8 beispielsweise ist ein unauffälliges Citybike, das in drei Akkuvarianten (11, 14,5 und 17 Amperestunden/Ah) erhältlich ist. Der empfohlene Verkaufspreis liegt bei 2.299 Euro für die kleinste Akkugröße. Mit dieser kann man laut Hersteller bereits 135 Stadtkilometer zurücklegen. Der Akku hat eine Lebenszeit von etwa 1100 Ladungen.

E-Bike Kaufberatung Kalkhoff Tasman Impulse
Ein unauffälliges Citybike: das Kalkhoff Tasman Impulse 8R/8 (Foto: © Derby Cycle)

Verbaut sind solide Komponenten der Mittelklasse: hydraulische Magura HS 11-Bremsen und eine AXA-Beleuchtung (Echo 30 vorn, Slim Steady hinten) mit Standlicht. Die größte Akkuvariante gibt es auch in einer Classic-Ausstattung mit historischer Rahmenform.

Das in den EcoTopTen geführte Modell Cardiff B8 HS von Raleigh ist auf den ersten Blick bis auf die Akkuposition (Gepäckträger) baugleich mit dem Kalkhoff Tasman (hinter dem Sitzrohr) – und auch der Preis ist ähnlich. Die Räder unterscheiden sich aber doch in einem wichtigen Detail: Während man beim Raleigh bei Motor, Display und Batterie auf den weit verbreiteten Hersteller Bosch setzt, kommt bei Kalkhoff das hauseigene Derby-Cycle-System „Impulse“ zum Einsatz.

Im Jahr 2012 war Impulse das erste System, bei dem der Mittelmotor mit einer Rücktrittsbremse verbunden werden konnte, es gilt bei Tests als reichweitenstark aber weniger „sportlich“ als die Konkurrenten. Bei exklusiv verbauten Herstellerlösungen sollte man im Hinterkopf behalten, dass einzelne Ersatz- und Verschleißteile (Akku!) des Systems schwieriger oder teurer zu beschaffen sein können als solche für Standardmodelle.

Fischer: E-Bikes mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis

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Das Fischer E-Bike Proline ETH 1606 ist ein Trekking-Bike mit 24 Gängen und einem 48-V-Hinterrad-Motor. (Foto: © Fischer)

Gerade noch den Kauf im Fachgeschäft empfohlen, doch: keine Regel ohne Ausnahme. Seit 2012 bietet Fischer E-Bikes zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis an. Diese sind allerdings nur über den Versandhandel, in Baumärkten oder Warenhäusern wie Mediamarkt oder Real erhältlich. Wer zudem kein ideologisches Problem hat, bei einem vorwiegend im Autopflege- und Zubehörgeschäft tätigen Hersteller zu kaufen, findet hier insbesondere lange Garantiezeiten (30 Jahre Rahmen, 3 Jahre Ersatz- außer Verschleißteile) und einen Zu-Hause-Reparatur-Service.

Zusammengeschraubt werden die Räder in Europa, die elektrischen Komponenten sind Fischer-Eigenbau. Für 2015er-Modelle gibt das Unternehmen eine Nachkaufgarantie für Akkus bis 2019 – das ist leider nur überschaubar. Der eingesetzte 36-Volt-Standard bei den Modellreihen eco- und proline setzt sich allgemein gegenüber 24-Volt-Systemen durch. 48-Volt-Systeme gibt es bei Fischer nur in der prolineEvo-Serie – eine 48-Volt-Spannung ist generell aber eher dem Werbeeffekt „Mehr ist mehr“ zuzuordnen, als dass sie dem Fahrer ein Plus an Leistung bringt.

E-Bikes von Flyer mit Bosch-System

Der Schweizer Fahrradschrauber Flyer ist nicht in der EcoTopTen-Liste zu finden, obwohl er bei Qualität und Nachhaltigkeit punkten kann. Vielleicht spielen hier die Schweizer Preise eine Rolle: Mit der TX-Serie bietet der Hersteller die ersten vollgefederten Touren-E-Bikes an – allerdings erst ab 4.299 Euro.

Auch bei den günstigeren Modellen setzt Flyer mittlerweile ausschließlich auf Bosch-Systeme und lässt dessen größten Konkurrenten Panasonic außen vor. Generell heißt es, dass auch Panasonic-Einheiten zuverlässig funktionieren, ob jedoch das eine oder das andere System besser zur Trittfrequenz des Fahrers passen, muss jeder individuell entscheiden. Dies ist auch abhängig vom Einsatzgebiet: Wer Bergtouren mit Gepäck bewältigen möchte, braucht eine höhere Leistung im niedrigen Drehzahlbereich als der urbane Berufspendler. 2014 haben die beiden Antriebshersteller zuletzt grundlegend überarbeitete Komponenten vorgestellt, der Sprung für den Fahrkomfort ist groß und Kunden sollten auf die neuesten Systeme achten.

Mit dem Miet-Akku verfügt Flyer über eine weitere Besonderheit: Mit Preisen von 16 bis 29 Euro monatlich (je nach Akkuleistung) können Flyer-Kunden ihren Akku mieten statt kaufen. Die Akkugarantie wird dadurch von 24 auf 48 Monate verlängert, das ist im Bereich der Batterie ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Neben dem Vorteil eines geringeren Kaufpreises hat die Sache nur den Haken, dass der Fahrer einen 48-monatigen Mietvertrag abschließt und sich damit lange bindet.

E-Bike von Tern eLink D7i – Faltrad als Alternative zu City- oder Trekkingrad

Mit dem Faltrad Tern eLink D7i soll noch eine gute Alternative zum normalen City- oder Treckingrad vorgestellt werden, man findet es in den EcoTopTen weit vorne. Mit der Verbindung von kleinen Reifen (20 Zoll) und Elektrounterstützung ist das eLink besonders für Pendler interessant. Denn in der Bahn kann es kostenlos mitgenommen werden, zugleich wächst sein Einsatzbereich bezüglich Reichweite und Komfort.

Tern gibt einen Preis von 1.999 Euro für die Vollausstattung an, die Akku-Ladezyklen betragen allerdings nur 500 und die Reichweite nur 50 Kilometer – da macht sich der niedrige Radumfang wieder negativ bemerkbar. EcoTopTen nennt jährliche Gesamtkosten von 361 Euro für Akkuverschleiß und Stromkosten bei 50 Vollladungen pro Jahr sowie für die Wartung.

Vorsicht bei Testergebnissen

Ein kurzer abschließender Hinweis betrifft die zahlreichen Bewertungen von Pedelecs und E-Bikes: Kunden sollten einzelne gute Ergebnisse oder Abwertungen kritisch verfolgen, da viele Untersuchungen nicht repräsentativ sind. Eine Zusammenfassung bietet etwa das Zedler – Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit GmbH.

Hochwertige Komponenten – etwa Bremsen, Licht und Schaltung – haben immer ihren Preis und sind oft auch von Laien erkennbar. Man sollte also statt zum Schnäppchen eher zum Produkt eines namhaften Herstellers mit bekanntermaßen gutem Service bei Reklamationen greifen. Und: Fahre möglichst viele E-Bikes Probe, der Wow-Effekt sollte sich durch das individuell perfekte Fahrrad mit harmonischer Tretunterstützung einstellen – und nicht durch den überraschenden elektrischen Rückenwind.

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(5) Kommentare

  1. Ich verstehe nicht warum hier E-Bikes so angepriesen werden. Das ist eine der größten aktuellen Umwelt-Lügen. Strom wird nicht Klimaneutral erzeugt und die Akkus sind ware Klimakiller. Wer wirklich sein Auto verkauft und täglich mit dem Rad zur Arbeit fährt für den sind 25km/h leicht zu erreichen auch ohne großartig zu schwitzen.

    • Naja, es gibt ja auch ältere Menschen, Menschen mit Handycap, Menschen die am Fuße eines Berges wohnen – oder ganz oben.

      Meine Freundin hat sich ein E-Bike gekauft für ca. 10 km einfache Fahrt zur Arbeit, weil sie ganz oben am Berg wohnt und genau weiß, daß sie das nicht jeden Tag mit dem Fahrrad macht.
      Da ist das E-Bike jeden Fall eine gute Alternative.

      Momentan möchte ich auch kein E-Bike fahren, sondern mich lieber fit halten, aber halte mir das durchaus offen für ein paar Jährchen später.
      Und ich habe das Glück, daß ich wegen Home-Office nicht jeden Tag muß.

      An den Akkus darf noch gearbeitet werden und was die Stromerzeugung angeht, da gibt es auch bessere und schlechtere Alternativen.
      Da hast Du schon recht. Da muß man einfach dran bleiben.

      • Ich gebe dir recht es gibt Zwecke, da macht ein E-Bike Sinn. Aber hier beschriebene Ideal Vorstellung: Ich verkaufe mein Auto und kaufe mir ein E-Bike. wird real (fast) gar nicht praktiziert.
        Eher wird das alte Fahrrad entsorgt und sich dafür ein E-Bike gekauft und das Auto gibt es weiterhin.

        Angebraucht fände ich hier mal ein Artikel, wie man sein altes Fahrrad wieder fit macht!

  2. „da macht sich der niedrige Radumfang wieder negativ bemerkbar“
    Hm, worin besteht denn physikalisch ein Zusammenhang zwischen Radumfang und Stromverbrauch/Reichweite, der sich wesentlich bemerkbar macht?

    • Durch ein kleiner Radumfang steigt der Rollwiderstand, da gerade die kleineren Räder eines Faltrades tiefer in kleine Löcher versinken können. Auch der fahrkomfort leidet darunter. Dieser Effekt macht sich natürlich besonders auf schlechten wegen bemerkbar.

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