Frugalismus: Bedeutung und Tipps für ein unabhängiges Leben

Foto: CC0 / Pixabay / andibreit

Frugalismus steht für einen sparsamen Lebensstil, der in eine baldige finanzielle Unabhängigkeit führt. Wir erklären dir, was das bedeutet und wie du frugal leben kannst.

Diesen Lebensstil verfolgen Frugalisten

Wenig Geld ausgeben und trotzdem ein glückliches Leben zu führen widerspricht sich für Frugalisten nicht. Laut frugalisten.de konzentrieren sich Anhänger des Frugalismus durch ihre gewonnene finanzielle Unabhängigkeit darauf, was zufrieden macht: „Gute soziale Beziehungen, eine erfüllende Tätigkeit, Lachen, Gesundheit, Sport, lebenslanges Lernen. Alles Dinge, die nicht viel Geld kosten müssen.“ 

Das bedeutet Frugalismus

Frugalismus ähnelt dem Minimalismus.
Frugalismus ähnelt dem Minimalismus.
(Foto: CC0 / Pixabay / Monfocus)

Der Duden setzt „frugal“ mit den Adjektiven „einfach„, „bescheiden“ oder „genügsam“ gleich. Es geht somit bei Frugalismus darum, einen genügsamen und bescheidenen Lebensstil zu führen. Frugalismus ähnelt damit dem Minimalismus, hat jedoch insbesondere die Finanzen im Blick.

Die Idee des Frugalismus stammt aus einer amerikanischen Bewegung namens FIRE. FIRE steht für „Financial Independence, Retire Early“. Das Ziel ist es, sich durch das verdiente Geld die eigene Unabhängigkeit zu kaufen und früh in Rente gehen zu können.

Diese Formel wendet der Frugalismus an

Möchtest du frugal leben, musst du insgesamt das 25-Fache deines Jahresbedarfs zurücklegen.
Möchtest du frugal leben, musst du insgesamt das 25-Fache deines Jahresbedarfs zurücklegen.
(Foto: CC0 / Pixabay / loufre)

Praktisch sieht das so aus: Laut theguardian.com muss ein Großteil des Monatsgehalts gespart werden. Sobald das 25-Fache des eigenen Jahresbedarfs zurückgelegt und in Aktien investiert wurde, kann man in seinem restlichen Leben nur noch von der Rendite leben. Dadurch ist man unabhängig und braucht keiner Arbeit mehr nachzugehen. Ausrechnen lässt sich das folgendermaßen:

  • Wenn beispielsweise 50 Prozent des monatlichen Einkommens gespart und investiert werden, ist in 17 Jahren das 25-Fache erreicht.
  • Wenn 75 Prozent des monatlichen Einkommens gespart und investiert werden, ist in nur 7 Jahren das 25-Fache erreicht.

7 praktische Frugalismusideen für Einsteiger

Frugalisten sparen radikal an ihren Ausgaben und versuchen sie zu optimieren. Falls dich diese Idee begeistert, haben wir 7 praktische Frugalismusideen für dich:

  1. Reduziere deine Fixkosten (Miete, Versicherungen, Handykosten, sämtliche Verträge) auf ein Mindeste. 
  2. Benutze lieber das Rad oder gehe zu Fuß, statt andere teure Verkehrsmittel zu nutzen.
  3. Koche selbst, statt ins Restaurant zu gehen.
  4. Triff dich mit Freunden zu Hause, statt wegzugehen.
  5. Verkaufe alte Sachen, die du nicht mehr brauchst, auf Internetplattformen oder Flohmärkten. Tipp: Gebrauchte Bücher verkaufen & kaufen: So geht es
  6. Kaufe Sachen wenn möglich gebraucht. 
  7. Versuche ein Problem mit deinen dir vorhandenen Mitteln zu lösen, statt sofort etwas Neues zu kaufen.

Das solltest du beim Frugalismus beachten

Frugalismus strebt keinen Luxus an.
Frugalismus strebt keinen Luxus an.
(Foto: CC0 / Pixabay / Antranias)

Beim Frugalismus solltest du auch manches beachten:

  • Frugalismus lässt sich mit einem niedrigen Gehalt, das nur knapp über dem Existenzminimum ist, nur kaum umsetzen. Du bräuchtest dann sehr lange, um dich finanziell unabhängig zu machen. 
  • Menschen, die einen komfortablen Standard für ihr Leben verfolgen, werden mit Frugalismus nicht glücklich werden. Denn beim Frugalismus wird nicht nur ein sparsames Leben im Hier und Jetzt angestrebt. Sondern dieses sparsame Leben wirst du wegen den knapp kalkulierten Ressourcen in deiner Rente fortsetzen.
  • Möchtest du für deine eigene Unabhängigkeit eines Tages ein Haus oder eine Wohnung kaufen, kann es schwierig werden, einen Kredit aufzunehmen und ihn monatlich abzubezahlen.
  • Ein Beruf kann dir durchaus Sinn in deinem Leben geben. Darum ist es zu empfehlen, sich als „Frugalist*in in Rente“ neue Aufgaben zu suchen, um sich irgendwo einbringen zu können.
  • Um erfolgreich Frugalismus zu betreiben, brauchst du eine sehr gute Kenntnis am Finanzmarkt. Das kannst du dir aber mit viel Zeit aneignen. Dabei musst du für dich ethisch entscheiden, in welche Aktien du dein Geld investierst.

Literaturempfehlung zum Frugalismus

Möchtest du dich noch intensiver mit dem Frugalimus auseinandersetzen, findest du im Internet unzählige Blogs und Foren. Ein deutschsprachiges Buch, das sich mit den Grundlagen des Frugalismus beschäftigt, stammt von Florian Wagner: Rente mit 40: Finanzielle Freiheit und Glück durch Frugalismus. Hier erfährst du durch verschiedene Praxisbeispiele wie du dein Leben frugalistisch gestalten kannst. Du kannst es online zum Beispiel bei **buch7, **Thalia oder **Amazon kaufen.

Weiterlesen auf Utopia.de:

English version available: Frugal Living: Meaning and Tips for an Independent Life

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(3) Kommentare

  1. Toller Beitrag und entspricht fast genau meiner Devise!
    Dabei geht es aber nicht allein darum, ein entspannteres Leben zu führen oder früh in Rente gehen zu können, sondern viel mehr, die produktivste Zeit unseres Lebens voll auszuschöpfen und dahingehend zu nutzen, uns die Grundlagen für eine sichere Zukunft zu schaffen, bzw. sich ein Umfeld aufzubauen, von dem man auch im Alter noch gut leben kann und ganz nebenbei sich selbst zu verwirklichen 😉

    Wäre der Zyklus eines Lebens bezogen auf ein Jahr, wären wir die Gärtner, die im arbeitsreichen Frühjahr den Samen säen, uns den Sommer über um die Pflanzen kümmern und im Herbst nur noch die Ernte einzuholen brauchen, um im Winter eines Lebens gut davon leben zu können.

    Was früher für die Menschen völlig normal war und es sogar als tugendhaft galt, sparsam zu sein und für später vorzusorgen, wurde spätestens mit der Einführung der Null-Zins-Politik weiter abgebaut, Menschen weiter in die finanzielle Abhängigkeit getrieben… Versicherungen sollen an die Stelle von privatem Engagement zur Lebens-Absicherung treten…. bis auch diese Blase platzt.
    Deutsche rücken international gesehen immer mehr ins Schlusslicht was Privateigentum betrifft. Logischerweise stehen so allerdings auch die Chancen schlecht, sich etwas Eigenes aufzubauen!

  2. Grundsätzlich ist es richtig, sich durch sparsame Lebensführung unabhängig zu halten und sich Freiraum und freie Zeit zu bewahren. Aber dem hier genannten Rezept möchte ich nicht folgen: 17 Jahre sparen, um das Gesparte in Aktien anzulegen, um damit 40 Jahre Rente zu sichern.
    Aktien sind Unternehmensanteile, und ihr Wert wird definiert nicht durch die reale Leistung eines Unternehmens, sondern durch die Erwartungen der Analysten. Stichwort „Selbsterfüllende Prophezeihung“ und schamanische Geisterbeschwörung, also Tanz ums goldene Kalb bzw. Steinzeitreligion. (siehe auch auf Youtube: Volker Pispers, „Berufsgruppen die diese Welt nicht braucht“, über Aktienanalysten: „Früher saß sowas im Kirmeszelt hinter der Glaskugel“)
    Auf Aktien sollte man kein halbes Leben lang bauen, denn viele boomende Unternehmen endeten schon nach viel kürzerer Zeit als Zombiefirmen.
    Auch Tatsache: 90% des umlaufenden Geld“wertes“ haben keinerlei Ware oder Dienstleistung als Äquivalent. Geld kauft Geld, sogar mit Schulden (also Negativgeld) wird positiv gehandelt. Auch BIP und BNE heizen die Blase weiter, da selbst Schadensereignisse und ihre Beseitigung hinzuaddiert statt mathematisch richtig als Verlust abgebucht zu werden.
    Die derzeitigen Einbrüche in der Coronakrise sollten die Unzuverlässigkeit aktienbasierter „Sicherheit“ genug beweisen.

  3. Genau, und deshalb besser nicht untätig die Hände in den Schoß legen und darauf warten dass der Staat oder Markt alles regelt, bis die Blase platzt. Sondern wieder auf echte Werte bauen 🙂