Garantie und gesetzliche Gewährleistung: Unterschiede und Verbraucherrechte

Garantie und Gewährleistung
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Garantie und Gewährleistung sind Begriffe, die viele Menschen durcheinanderbringen. Erfahre hier, was genau darunter zu verstehen ist und welche Rechte du hast.

Die Wörter „Garantie“ und „Gewährleistung“ hat jede:r von uns schon mal gehört. Spätestens bei größeren Neuanschaffungen sind diese Begriffe wichtig: Sie geben Sicherheit, dass die gekauften Artikel im Fall eines Schadens, den nicht du als Kund:in verursacht hast, ersetzt werden. Zumindest in einem bestimmten Zeitrahmen und unter vorgegebenen Bedingungen.

Und genau in diesem Punkt ist es wichtig, die Unterschiede zwischen Garantie und Gewährleistung zu kennen. Die beiden Begriffe werden im Alltag zwar oft synonym benutzt, es gibt jedoch einige grundlegende Unterschiede, über die du als Verbraucher:in Bescheid wissen solltest. 

Unterschiede zwischen Garantie und Gewährleistung

"Garantie" und "Gewährleistung" werden oft synonym benutzt. Tatsächlich haben sie aber unterschiedliche Bedeutungen.
"Garantie" und "Gewährleistung" werden oft synonym benutzt. Tatsächlich haben sie aber unterschiedliche Bedeutungen. (Foto: CC0 / Pixabay / marsjo)

Ein häufiger Alltagsirrtum: „Garantie und Gewährleistung bedeuten das Gleiche.“ Das stimmt jedoch nicht. Die Unterscheidung ist eigentlich recht einfach: 

  • Gewährleistung ist gesetzlich bei jedem Kaufvertrag zwischen Verbraucher:in und Unternehmen vorgeschrieben. Im Normalfall beträgt die Gewährleistungsdauer zwei Jahre. In diesem Zeitraum muss der oder die Verkäufer:in für Mängel einstehen und diese beheben – entweder durch Reparatur oder durch Ersetzen des betreffenden Produktes. Dies ist vor allem in § 437 und § 477 BGB geregelt. Normale Abnutzungserscheinungen sind davon allerdings nicht erfasst. 
  • Garantie ist dagegen freiwillig und muss vom Hersteller oder von Verkäufer:innen nicht gegeben werden. Dementsprechend ist auch die Länge der Garantie von der Entscheidung des Herstellers beziehungsweise der Verkäufer:innen abhängig.

Was ist Gewährleistung?

Gewährleistung gibt es auf alle Geräte und digitale Produkte.
Gewährleistung gibt es auf alle Geräte und digitale Produkte. (Foto: CC0 / Pixabay / RyanMcGuire)

Bei jedem Kaufvertrag muss der oder die Verkäufer:in Gewährleistung geben. Dies gilt für elektronische Geräte, aber auch für Autoteile oder Kleidung. Wenn du also zum Beispiel eine Waschmaschine kaufst, hast du ein Recht auf diese Gewährleistung – unabhängig davon, ob dies mit dem oder der Verkäufer:in überhaupt besprochen wurde. Dies sind die wichtigsten Merkmale:

  • Auf Neuwaren hast du zwei Jahre Gewährleistung. Bei Gebrauchtwaren kann die Gewährleistung im Vertrag auf ein Jahr verkürzt werden, so die Verbraucherzentrale Niedersachsen.
  • Grundsätzlich kannst du nur Behebung des Mangels verlangen, wenn der Mangel bereits bei Übergabe der Sache, also beim Kauf, vorlag. Im deutschen Recht muss immer die Person, die einen Anspruch geltend macht, diesen auch beweisen können.
  • Für Verbraucher:innen ist es aber fast immer unmöglich, zu beweisen, dass der Mangel bereits beim Kauf vorlag. Daher gibt es im deutschen Recht den § 477 BGB, der regelt, dass während der ersten 12 Monate nach Kauf die Beweislast bei dem oder der Verkäufer:in liegt. Diese:r muss also beweisen, dass das Gerät beim Kauf mangelfrei war. Achtung: Diese Regelung gilt aber nicht bei Verkäufen zwischen Privatleuten, sondern nur zwischen Verbraucher:in und Händler.
  • Nach den ersten 12 Monaten muss dann wieder der oder die Käufer:in beweisen, dass ein Mangel vorlag. In der Praxis zeigen sich die meisten Geschäfte tolerant und tauschen Geräte – auch nach Ablauf der zwei Jahre – noch um. Dies ist aber Kulanz und es besteht darauf kein gesetzlicher Anspruch.
  • Wenn du einen Mangel feststellst, solltest du in den Laden gehen, in dem du das Produkt gekauft hast, und ihn beheben lassen. Meistens muss dazu das Gerät an den Hersteller geschickt werden, du musst also damit rechnen, es eine gewisse Zeit nicht benutzen zu können.

Hinweis: Seit 2022 gibt es die gesetzliche Gewährleistung auch bei digitalen Produkten und Dienstleistungen und Waren mit digitalen Funktionen (wie Smart-Geräten).

Was ist Garantie?

Auf einige Autoteile gibt es lange Garantien.
Auf einige Autoteile gibt es lange Garantien. (Foto: CC0 / Pixabay / Noel_Bauza)

Garantie ist eine freiwillige Zusatzleistung des Herstellers. Meistens wird sie bei elektronischen Geräten oder Autos gegeben, um einen zusätzlichen Kaufanreiz zu bieten. Das solltest du über Garantie wissen:

  • Da die gesetzliche Gewährleistung ohnehin zwei Jahre beträgt, geben die meisten Hersteller Garantie für einen längeren Zeitraum. Üblich sind zwischen drei und fünf Jahre, bei Autoteilen auch bis zu zehn Jahre. Bei manchen Herstellern ist es auch möglich, für einen gewissen Betrag die Garantiezeit zu verlängern.
  • Garantie bedeutet, dass der Hersteller den mangelfreien Zustand für einen gewissen Zeitraum zusichert. Im Unterschied zur Garantie muss also bei einem Defekt der Hersteller nachweisen, dass der Mangel auf den unsachgemäßen Gebrauch von Kund:innen zurückzuführen ist – oder das Gerät reparieren oder ersetzen. In der Praxis kannst du als Verbraucher:in also nahezu immer davon ausgehen, dass das Gerät anstandslos ersetzt wird.
  • Gerade bei elektronischen Geräten, die erfahrungsgemäß schnell verschleißen können, ist es sinnvoll, auf Garantiezeiten zu achten.
  • Wichtig: Ansprechpartner:in bei der Garantie ist nicht der oder die Verkäufer:in, sondern der Hersteller. Zwar kann der Händler dir meistens beim Einschicken helfen, aber im Zweifelsfall solltest du dich direkt an den Hersteller wenden.
  • Oft schränken Hersteller finanzielle Erstattungen in den Garantieversprechen ein. So wird zum Beispiel Garantie manchmal nur für bestimmte Teile des Geräts zugesichert oder beschränkt sich auf die Übernahme der Kosten für die Ersatzteile, nicht aber für die Gebühr, die bei der eigentlichen Reparatur fällig wird (beispielweise bei der Autoreparatur). Schau also immer genau in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).

Wann auf Garantie oder Gewährleistung setzen?

Garantie oder Gewährleistung? Das kommt auf den Einzelfall an.
Garantie oder Gewährleistung? Das kommt auf den Einzelfall an. (Foto: CC0 / Pixabay / Aymanejed)

In diesem Fall solltest du auf Gewährleistung setzen:

  • Wenn der Mangel erst kurz nach dem Kauf auftritt.
  • Falls du die sicher bist, dass das Gerät schon beim Kauf fehlerhaft war.
  • Wenn der Händler verpflichtet sein soll, schnell Abhilfe und Lösungen anzubieten.

Verlass dich stattdessen lieber auf die Garantie, wenn:

  • Der Mangel erst nach einem Jahr oder später auftritt (dann ist die Gewährleistung schwieriger durchzusetzen).
  • Der Hersteller eine verlängerte Garantie anbietet (häufig länger als die Gewährleistung).

Dies sind nur allgemeine Tipps zur groben Orientierung. Je nach Situation können in deinem Fall ein anderes Vorgehen oder zusätzliche rechtliche Schritte sinnvoll sein. Lies also immer gründlich die AGB und informiere dich gegebenenfalls bei Fachleuten über die besten Schritte. 

Was kannst du sonst tun?

Manche kaputten Geräte kannst du selbst reparieren.
Manche kaputten Geräte kannst du selbst reparieren. (Foto: CC0 / Pixabay / CordMediaStuttgart)

Grundsätzlich erhöht jedes weggeworfene Gerät das Müllaufkommen. So kannst du dazu beitragen, dass Geräte allzu schnell auf dem Müll landen:

  • Kaufe keine Billig-Produkte. Sie verschleißen schneller. Weil es sich nicht lohnt, reparieren die Händler solche Geräte seltener, sondern geben dir gleich ein neues. Das ursprüngliche Gerät wird also weggeworfen. Hin und wieder gibt es auch Händler, die die Lebensdauer der Geräte absichtlich verkürzen.
  • Sollte die Gewährleistungs- bzw. Garantiezeit abgelaufen sein, kannst du dich selbst an der Reparatur versuchen. Das geht zum Beispiel in Repair-Cafés.
  • Bevor du etwas wegwirfst, solltest du dir überlegen, ob es nicht noch andere Alternativen gibt. Du kannst das Gerät beispielsweise verschenken oder an einen Leihladen spenden.

Überarbeitet von Jennifer Watzek

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