Geofencing: 4 Beispiele für Einsatz und Gefahren der Technologie

Geofencing
Foto: CC0 / Pixabay / 3557203

Geofencing ist eine vielseitige und hocheffektive Technologie. Sie birgt aber auch Risiken und Gefahren. Einen Überblick zu den Vor- und Nachteilen von Geofencing bekommst du in diesem Artikel.

Das Wort Geofencing setzt sich aus den englischen Begriffen „geography“ (also Geographie) und „fence“ (also Zaun) zusammen. Grundsätzlich ist die Technologie in der Lage, die Position eines Gegenstandes, einer Person oder eines Tieres zu verfolgen. Anhand festgelegter Grenzen ermitteln die Anwender:innen, wann das verfolgte Objekt einen Bereich verlässt oder sich in diesen hineinbewegt.

Überschreitet zum Beispiel eine Person, ein Haustier oder ein Fahrzeug einen festgelegten Bereich, gibt das Geofencing-System automatisch einen Hinweis darauf. Du bekommst dann je nach Anwendung zum Beispiel eine Benachrichtigung per SMS oder App oder erhältst ein Warnsignal. Diese Methode kommt unter anderem bei Apps zum Einsatz, die kontrollieren, ob Haustiere bestimmte Bereiche verlassen. Auch viele Firmen nutzen Geofencing. Sie ermitteln beispielsweise den aktuellen Standort von Mietwagen oder E-Scootern und kontrollieren so, dass die Fahrzeuge sich nicht aus dem erlaubten Areal hinausbewegen.

Die meisten dieser Systeme basieren auf GPS. Geofencing beschränkt sich aber nicht nur auf solche Anwendungen: Auch Sicherungschips von Waren in Geschäften lösen zum Beispiel ein Signal aus, wenn die Ware den definierten Bereich verlässt.

Vorteile von Geofencing im Straßenverkehr

Die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten von Geofencing bieten viele Vorteile. Einer davon ist mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Die schwedische Stadt Göteborg nutzt Geofencing-Systeme für die öffentlichen Busse, damit diese in bestimmten Teilen der Stadt langsamer fahren und automatisch auf einen elektrischen Antrieb wechseln. Auch für die Umwelt ist das hilfreich, da das Wechseln des Antriebs den Schadstoffausstoß verringert.

Der wirtschaftliche Nutzen von Geofencing geht aus den vielen Anwendungsmöglichkeiten bereits hervor. Auch auf unseren Alltag haben sie eine Auswirkung. Die Nutzung von E-Scootern beispielsweise wäre ohne Geofencing komplizierter. Auch andere Funktionen wie das automatische Aufschließen von Autos oder Haustüren mittels Geofencing verschaffen uns im Alltag zusätzlichen Komfort.

Geofencing in der Wissenschaft: Teilweise zu ungenau

Eine mögliche Anwendung von Geofencing ist es, Proband:innen im Rahmen von wissenschaftlichen Studien zu tracken. Diese Funktion haben sich amerikanische Wissenschaftler:innen in einer Studie zu Alkoholismus zunutze gemacht.

Dabei haben sie Rücksprache mit ihren Proband:innen gehalten und festgestellt, dass die erwarteten Signale oft auch beim Übertreten der festgelegten Grenzen nicht ausgelöst wurden. Ebenso gab es falsche Meldungen, bei denen das System Signale auslöste, ohne dass die Testpersonen die festgelegten Bereiche betraten. Beides kam regelmäßig vor.

Die Forschenden schlussfolgern deshalb, dass Geofencing zwar prinzipiell das Potenzial hat, wissenschaftliche Studien zu bereichern. Aufgrund der zu großen Ungenauigkeit sollte es jedoch aktuell noch mit Vorsicht eingesetzt werden. Schließlich könnte es sonst die Ergebnisse stark verfälschen.

Geofencing kann zu Unfällen führen

Fahrverbotszonen für E-Scooter werden vom System nicht immer fehlerfrei erkannt.
Fahrverbotszonen für E-Scooter werden vom System nicht immer fehlerfrei erkannt.
(Foto: CC0 / Pixabay / icsilviu)

Auf einen anderen Anwendungsbereich von Geofencing, in dem die Ungenauigkeit der Technologie noch deutlich gefährlicher ist, macht aktuell eine kalifornische Anwaltskanzlei aufmerksam. Die Jurist:innen sammeln dabei Fälle, in denen der Betrieb von E-Scootern mit Geofencing zu Unfällen führte. 

Denn für die Roller gibt es Fahrverbotszonen, bei deren Befahren die Scooter langsamer werden oder ganz anhalten. Die Kanzlei berichtet auf ihrer Website von einem Klienten, dessen E-Scooter weit außerhalb dieser Zone plötzlich anhielt. Er stürzte dadurch vom Roller. Laut Angaben der Kanzlei gibt es bereits zahlreiche ähnliche Fälle.

Solche Fehler zeigen, dass Geofencing-Technologien noch nicht vollständig ausgereift sind und je nach Anwendung zu schweren Verletzungen führen können.

Geofencing und Datenschutz

Eltern können durch Geofencing sichergehen, dass ihre Kinder nicht vom Schulweg abweichen.
Eltern können durch Geofencing sichergehen, dass ihre Kinder nicht vom Schulweg abweichen.
(Foto: CC0 / Pixabay / Ewn123)

Bei Geofencing, das sich auf den Standort oder das Verhalten von Personen bezieht, sammeln die jeweiligen Anwendungen sensible Daten. Mithilfe deines Smartphones kannst du dir zum Beispiel von Läden, an denen du vorbeigehst, Angebote anzeigen lassen. Sobald du einen bestimmten Radius um ein Geschäft herum betrittst, löst die App also Benachrichtigungen aus. Ist diese Einstellung aktiviert, sammelt die App dabei jedoch auch permanent Daten über deinen Aufenthaltsort.

Auch zum Schutz der eigenen Kinder setzen Eltern inzwischen Geofencing ein. Dafür verwenden sie Apps wie „Find my Kids“, „Kaspersky Safe Kids“ oder „Familonet“. Weicht das Kind vom Schulweg ab, bekommen die Eltern eine Benachrichtigung. Die Eltern wollen ihre Kinder so schützen, setzen sie dabei aber auch einer ungewissen Gefahr aus. Denn Hacker haben so die Möglichkeit, sich Zugriff zu den gesammelten Daten zu verschaffen und sind dann eventuell immer über den Aufenthaltsort des Kindes informiert.

Die Relevanz von Datenschutz steigert sich im digitalen Zeitalter immer mehr und wir sollten sie unbedingt ernst nehmen.

Fazit: Geofencing – Risiko oder Chance?

Geofencing bietet also viele Einsatzmöglichkeiten, vom Haustiertracking bis zur Verkehrskontrolle. Flächendeckend beim Fahren mit dem E-Scooter oder im kleinen Maßstab beim Einkaufen funktioniert die Technologie, um Privatpersonen oder auch großen Unternehmen viel Arbeit abzunehmen. 

Gleichzeitig gibt es aber auch Risiken. Während einige Probleme wie ungenaue Studienergebnisse eher harmlos sind, solange sie entdeckt werden, kann Versagen der Technologie im Straßenverkehr zu Unfällen führen. In diesem Bereich ist eine hohe Präzision deshalb unerlässlich. 

Das mit Geofencing verbundene Datenschutzproblem ist dagegen nicht so erdrückend, wie es auf den ersten Blick scheint. Bei den meisten Nutzungen von Geofencing wissen wir schließlich, dass unser Standort verfolgt wird und bestätigen selbstständig, dass wir unsere Daten weitergeben möchten. Trotzdem sollten wir uns auch der Risiken bewusst sein, die damit einhergehen und mit neuen Technologien entsprechend vorsichtig und verantwortungsvoll umgehen.   

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