Lebensgefahr für ältere Menschen und kleine Kinder: Hitzewelle kann gefährlich sein

Hitze kann für Senioren und Babys gefährlich werden.
Fotos: CC0 Public Domain / Unsplash, NCI; Pixabay, Gerd Altmann, Bernd Müller

Für die einen ist es das Höchste der Sommergefühle. Für andere sind die derzeitigen Temperaturen jenseits der 30 Grad die reine Qual. Und manchmal sogar gefährlich. Schon ab 30 Grad Celsius steigt das Sterberisiko. Wir erklären dir, worauf du bei den Rekordtemperaturen unbedingt achten musst und um welche Personengruppen du dich kümmern solltest.

In den kommenden Tagen wird es heiß in Deutschland. Eine Hitzewelle bringt laut Deutschem Wetterdienst diese Woche Temperaturen bis zu 40 Grad. Nach einer kurzen Abkühlung dürfte die Hitze dann ab Sonntag einen weiteren Anlauf nehmen. 

Während die einen jubeln und die heißen Sommertage genießen, machen sie anderen ziemlich zu schaffen – bis hin zu ernstzunehmenden gesundheitlichen Problemen. Extreme Hitze belastet die Lunge, das Herz und die Psyche – und kann zur ernsten Gefahr werden. Gesundheitsminister Karl Lauterbach schrieb kürzlich auf Twitter, man müsse jetzt schon ältere und kranke Menschen vor der Hitzewelle schützen. „Vorräte an Flüssigkeit, Ventilatoren, über die Bedeutung von Flüssigkeitszufuhr reden. Erreichbar sein.“ Er befürchtete sogar Todesopfer. Kliniken sind an sehr heißen Tagen darauf eingestellt, dass Patienten mit hitzebedingten Symptomen wie Flüssigkeitsmangel und Kreislaufproblemen in die Notaufnahme gebracht werden. 

Auch für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und chronische Kranke ist Hitze besonders gefährlich. Die Einnahme bestimmter Medikamente kann zudem anfälliger für hitzebedingte Gesundheitsprobleme machen.

Mehr lesen: Hitzewellen: Wie heiß ist zu heiß für den Menschen?

Hitzewelle: Wer ist besonders gefährdet?

Menschen über 65 Jahren und Menschen mit chronischen Vorerkrankungen leiden besonders unter den Auswirkungen der Hitzewelle – vor allem, wenn sie zu wenig trinken. Bei hohen Temperaturen ist die Gefahr von Stürzen, Austrocknung, Verwirrtheit und Kreislaufproblemen bis hin zum Kreislaufstillstand erhöht.

Der Körper schützt sich durch „Verdunstungskühle“ vor den hohen Außentemperaturen: Sie entsteht, wenn bei Hitze Schweiß auf der Haut verdampft und diese so abkühlt. Doch dieser Schutzmechanismus kann bei älteren Menschen erheblich eingeschränkt sein. Und auch Medikamente können dazu beitragen, dass jemand weniger schwitzt, als nötig wäre. Wenn die Abkühlung durch Schwitzen nicht mehr möglich ist, droht ein Wärmestau: Blutgefäße in Armen und Beinen erweitern sich, der Blutdruck fällt ab. Die verminderte Gehirndurchblutung kann zur Bewusstlosigkeit führen. Wenn der gesamte Körper überhitzt – die Temperatur kann dann innerhalb kurzer Zeit auf über 40 Grad ansteigen – droht ebenfalls eine Gehirnschwellung. Auch so ein Hitzschlag kann tödlich enden.

Gefährdet sind auch Säuglinge und Kleinkinder: Sie können sich weniger gut an hohe Temperaturen anpassen als Erwachsene, ihre Schweißproduktion ist geringer und die Hautoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht größer.

Wie gefährlich sind die Hitzetage?

Ab einer Temperatur von 30 Grad Celsius wird von Hitzetagen gesprochen. Bei einer Hitzewelle ist es über mehrere Tage hinweg am Tag über 30 Grad warm, in den Nächten sinkt die Temperatur nicht unter 20 Grad. Wenn sich der Körper in der Nacht nicht ausreichend erholen kann, steigt der hitzebedingte Stress und es kann zum einem gefährlichen Hitzestau oder einem lebensbedrohlichen Hitzschlag kommen. Besonders gefährlich wird es, wenn die Außentemperatur die Körpertemperatur (von etwa 37 Grad Celsius) übersteigt. Der Körper kann dann die Hitze nicht mehr nach außen abgeben.

Für die besonders heißen Sommer 2018 bis 2020 errechneten Experten kürzlich eine signifikant gestiegene hitzebedingte Sterblichkeit: „Insbesondere das Jahr 2018 liegt mit einer geschätzten Anzahl von etwa 8.700 hitzebedingten Sterbefällen in einer ähnlichen Größenordnung wie die historischen Hitzejahre 1994 und 2003 (jeweils rund 10.000 Sterbefälle)“, schrieben Forschende von Robert Koch-Institut (RKI), Umweltbundesamt (Uba) und Deutschem Wetterdienst (DWD) jüngst im „Deutschen Ärzteblatt„. Für 2019 schätzen die Forschenden 6.900 hitzebedingte Sterbefälle, für 2020 sind es 3.700.

Ausreichend Flüssigkeit für Senior:innen und Kinder

Wasser ist das A und O bei Hitze – das gilt für Jung und Alt. Ältere Menschen müssen jedoch mehr auf ihren Flüssigkeitshaushalt achten als jüngere, denn mit dem Alter steigt die Gefahr eines Wassermangels. Die Ursachen liegen in einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr und gegebenenfalls größeren Flüssigkeitsverlusten. Im Alter lässt oftmals das Durstempfinden nach und es wird weniger getrunken.

Wasser trinken ist wichtig
Wasser trinken ist wichtig, vor allem in ausreichender Menge (mindestens 2 Liter pro Tag). (Foto: CCO Public Domain/pixabay/Baudolino )

Mindestens zwei Liter Wasser am Tag sollten es sein. Am besten stündlich ein Glas Wasser trinken – auch wenn man keinen Durst hat, so lautet die Empfehlung des Umweltbundesamtes in seinem Hitzeknigge. „Empfohlene Getränke bei Hitze: Leitungswasser, Mineralwasser, gekühlter Kräutertee ohne Zuckerzusatz, Tee mit Minze und Zitrone. Wichtig: nicht eiskalt trinken!“

Hilfreich kann es sein, mehrere Gläser mit Wasser an häufig frequentierten Stellen in der Wohnung zu platzieren, zum Beispiel neben dem Kühlschrank, im Flur und im Badezimmer.

Hitzefahrplan: Grundregeln für Hitzetage

Vor der Hitze schützen sollten sich alle – egal wie alt sie sind:

  • Räume kühl halten, nur früh am Morgen und nachts lüften. Tagsüber die Fenster geschlossen halten und Jalousien runterlassen.
  • Beschränke Aktivitäten im Freien auf die kühleren Morgen- und Abendstunden. Kinder sollten im Schatten spielen.

Schwäche, Fieber, heftige Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwindel, Übelkeit und Muskelkrämpfe sind ein Alarmzeichen. Betroffene solltest du an einen kühlen Ort bringen, mit feuchten Tüchern kühlen, die Beine erhöht lagern, ihnen zu trinken geben und den Arzt rufen.

Hier findest du Tipps und Hausmittel, die bei Kreislaufproblemen helfen.

Mit Material von der dpa

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