Klimawandel: Zwei Grad mehr in Deutschland

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Die Klimaerwärmung ist nicht mehr aufzuhalten; in wenigen Jahrzehnten werden es mindestens zwei Grad mehr sein. Droht Deutschland damit eine Klima-Apokalypse á la „Day after Tomorrow“ oder kann uns das kalt lassen? Ein Buch zeigt, wie der Klimawandel unseren Alltag verändern könnte.

„Deutschland, August 2040. Seit etwa 14 Tagen werden fast flächendeckend Temperaturen von über 35°C gemessen. In den Großstädten im Südwesten Deutschlands, entlang des Rheins, im Ruhrgebiet sowie in Berlin und München verzeichnen die Wetterstationen sogar 40°C oder mehr. Erhöhte Nachttemperaturen machen die Hitze dort zur Dauerbelastung. Bauarbeiten wurden ausgesetzt, Firmen und andere Einrichtungen ohne Klimatisierung haben den Betrieb heruntergefahren oder eingestellt. (…) Immer wieder müssen Waldgebiete wegen Insektenbefalls, Versprühen von Insektiziden oder Waldbrandgefahr gesperrt werden. (…) Angesichts der Trockenheit hatte man bereits im Frühsommer mit landwirtschaftlichen Eintragserbußen gerechnet. Doch nun ist fraglich, ob ein regionaler Totalausfall der Ernte noch verhindert werden kann. (…) Nach dem sprunghaften Anstieg der Todesfälle seit Beginn der Hitzewelle sind in einigen Städten die Leichenhallen überfüllt. Lebensmittel-Kühlhäuser werden – wie bereits im Hitzesommer 2003 in Frankreich – zu Leichenhallen umfunktioniert.“

zweigradSo könnte es im Jahr 2040 in Deutschland aussehen. Der Konjunktiv ist wichtig. „Zwei Grad mehr in Deutschland. Wie der Klimawandel unseren Alltag verändern wird“ zeigt mögliche Szenarien, keine unausweichliche Zukunft. Das Buch ist bereits Anfang 2013 erschienen; große Beachtung fand es bisher keine – zu Unrecht.

Die Herausgeber Friedrich-Wilhelm Gerstengabe und Harald Welzer haben zum ersten Mal Klimaforscher und Sozialwissenschaftler gemeinsam mögliche Folgen des Klimawandels untersuchen lassen: Wie ist es 2040 um unsere Wälder und Gewässer bestellt, was bedeutet der Klimawandel für Industrie und Landwirtschaft, wie könnte unsere Gesundheitspolitik reformiert werden, wo werden wir Urlaub machen, wie lebt es sich in unseren Städten?

Die Bilderstrecke zeigt mögliche Folgen des Klimawandels, so wie sie die Szenario-Forscher für 2040 in Deutschland für möglich halten.

Klimawandel: Zwei Grad mehr in Deutschland

Um wie viel Grad sich bis dahin das globale Klima im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung tatsächlich erwärmt haben wird, darüber wird kräftig gestritten. Fest steht: Wir müssen hoffen, dass es nur zwei Grad sind. Zwei Grad? Hört sich ja nicht dramatisch an, mag man denken. Aber zwei Grad mehr bedeuten eben nicht nur, dass man als Mensch durchschnittlich mit ein wenig erhöhter Außentemperatur zurechtkommen muss.

 

„Die Folgen eines globalen Temperaturanstiegs wirken nicht linear“, heißt es im Buch. Sie führen zu komplexen Wechselwirkungen von Klimaereignissen, die die Überlebensbedingungen von Individuen und Gesellschaften regional stark einschränken oder sogar zerstören können. Deutschland wird aufgrund seiner ökonomischen, technischen und politisch-institutionellen Kapazitäten nach Einschätzungen der Autoren nicht zu den großen Verlierern des Klimawandels zählen, sondern darf auf moderate Folgen hoffen.

Ein Sturm hat völlig verschiedene Bedeutungen

Dennoch wird sich das Leben mit dem Klima verändern. Auf die klimatischen Bedingungen  und natürliche Folgeerscheinungen werden wir keinen Einfluss haben.Es wird darauf ankommen, wie wir gesellschaftlich mit extremen Wetterereignissen, Ernteausfällen, neuen Arten von Parasiten, technischen Störungen, infrastrukturellen Schäden und politischen Krisen umgehen werden.

„Ein Sturm hat völlig verschiedene Bedeutungen je nachdem, ob er in menschenleerem Gebiet oder über menschlichen Siedlungen tobt, und einmal eine andere Bedeutung je nachdem, wieweit die betroffenen Gesellschaften  über die Ressourcen verfügen sich zu schützen und angefallene Schäden zu beseitigen.“

Das eingangs beschriebene Szenario zeigt ein Deutschland, das es nicht geschafft hat, sich vernünftig auf die neuen klimatischen Bedingungen einzustellen. Wir wollen hoffen, dass solch interdisziplinäre Forschung dazu beitragen kann, dass wir besser gerüstet sind.

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