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Phytomining: Sind Pflanzen die neuen Metalllieferanten?

phytomining
Foto: CC0 / Pixabay / Pavlofox

Phytomining ist ein sehr vielversprechender Prozess. Mithilfe von Pflanzen soll dabei Metall gewonnen werden. In diesem Artikel erfährst du alles über diese neue Methode.

Durch Phytomining sollen gefragte Metalle wie Nickel oder Zink gewonnen werden, die wir für die Herstellung von Batterien, Handys, Küchengeräten oder Plastik benötigen. Die neue Methode kommt also gerade recht – vor allem, da die Metallgewinnung mittels Pflanzen erfolgt.

Einfach gesagt handelt es sich bei Phytomining um eine spezielle Zucht von Pflanzen, die Metall aus dem Boden anreichern. Sie lassen sich ernten und verbrennen. Ihre Asche liefert dann viel hochwertiges Erz, aus dem sich wiederum die Metalle aus dem Boden zurückgewinnen lassen. Phytomining wird deshalb auch als pflanzlicher Erzabbau bezeichnet.

So funktioniert Phytomining

Hierbei handelt es sich um eine Art von Hellerkraut. Das Gebirgshellerkraut eignet sich zum Phytomining.
Hierbei handelt es sich um eine Art von Hellerkraut. Das Gebirgshellerkraut eignet sich zum Phytomining. (Foto: CC0 / Pixabay / Hans)

Um dir den Vorgang genauer zu beschreiben, erstmal ein paar Informationen zu den Pflanzen, die zum Phytomining geeignet sind:

  • Gebirgs-Hellerkraut
  • Hallersche Schaumkresse
  • Pycnandra acuminata
  • Steinkraut

Alle vier Pflanzen gehören zu den Hyperakkumulatoren. Das bedeutet „Über-Speicher“ und beschreibt ganz gut, was die Pflanzen eigentlich machen. Sie extrahieren Metalle aus den Böden und speichern sie in ihren Zellen. Eine Theorie, weshalb die Pflanzen die giftigen Stoffe aufnehmen, ist, dass sie sich dadurch vor Fressfeinden schützen. Für diese sind die Metalle giftig, den Pflanzen selbst machen die giftigen Stoffe jedoch nichts aus. Im Gegenteil: Wie ein Super-Staubsauger reinigen sie verseuchte Böden von beispielsweise Zink, Nickel, Blei oder Cadmium. Es ist also eine Art von Metall-Recycling. Solche Pflanzen findest du häufig in der Nähe von ehemaligen Minen, zum Beispiel Bleiminen.

Der nächste Schritt ist, die Pflanzen zu schneiden, zu trocknen und zu verbrennen. Aus der Asche lässt sich mittels Säure das Metall herauslösen.

Diese Vorteile hat Phytomining

Böden um alte Minen enthalten viele Metalle, die mittels Phytomining gewonnen werden können.
Böden um alte Minen enthalten viele Metalle, die mittels Phytomining gewonnen werden können. (Foto: CC0 / Pixabay / Free-Photos)

Phytoming hat einige Vorteile gegenüber konventionellem Rohstoffabbau:

  • Es ist umweltfreundlich. Die Pflanzen entgiften die Böden und sind deshalb zur Renaturierung, also Wiederherstellung natürlicher Lebensräume um alte Minen geeignet.
  • Bisheriger Rohstoffabbau geschieht meist nicht nachhaltig. Um an die Rohstoffe und Metalle zu gelangen, werden laut WWF beispielsweise Wälder gerodet, Flüsse vergiftet, Menschen ausgebeutet oder auch ganze Ökosysteme zerstört. Phytomining stellt hier einen nachhaltigeren Weg dar.
  • Zusätzlich ist es günstig und die Technik erfordert keine teuren Maschinen.
  • Phytomining eröffnet neue Wege an begehrte Metalle zu gelangen. Für die so gewonnenen Rohstoffe entfallen dabei die negative Auswirkungen der Rohstoffgewinnung im Tagebau auf Böden, Gewässer, Natur- und Artenvielfalt.

Entwicklung des Phytomining

Die Idee des Phytomining existiert bereits seit 40 Jahren. Zwei Wissenschaftler namens Alan Baker, britischer Botaniker, und Rufus Chaney, amerikanischer Agrarwissenschaftler, gelten als die Erfinder des Phytomining. Obwohl es Phytoming schon so lange gibt und es eigentlich eine gute Idee ist, hast du bis heute vielleicht nicht davon gehört. Das könnte der Grund sein:

Die Technik lag lange auf Eis. Das lag daran, dass die texanischen Investmentfirma Viridian Environmental vor mehr als 20 Jahren das Potenzial in Phytomining erkannte und deshalb die Patente kaufte. Dadurch war es ihnen möglich, jede kommerzielle Nutzung zu verbieten – und das taten sie aus nicht bekannten Gründen. Es liegt keine Aussage der Firma zu ihren Beweggründen vor. Das führte allerdings leider dazu, dass über lange Zeit nicht weiter geforscht wurde.

Das Patent der Firma lief jedoch 2015 aus und mittlerweile gibt es doch schon einige Projekte zu Phytomining.

Aktuelle Lage bezüglich Phytomining

Heute gibt es doch schon einige Projekte, in denen Phytomining zum Einsatz kommt. Hier eine Auswahl:

  • An der technischen Universität Bergakademie Freiberg gibt es das Projekt PhytoGerm. Hier gewinnen Forscher:innen mittels Pflanzen Germanium aus dem Boden.
  • In Neukaledonien entstehen in der Nähe alter Bergwerke Plantagen mit Pflanzen, die den Boden entgiften. Eine Wohltat für die Umwelt dort, so das W-wie-Wissen-Magazin im Ersten.
  • An den Ufern des Ohridsees in Albanien ernten laut dem Informationsdienst Wissenschaft (IDW) Bäuer:innen das sogenannte Steinkraut. Es wird dann beim Phytomining weiter verwendet und liefert ihnen 80 Dollar pro getrocknete Tonne Steinkraut.
  • Auch bei einer Nickel-Mine im Kinabalu Park in Malaysia kommt Phytomining zum Einsatz. Lokale Dorfbewohner:innen kümmern sich hier um die Pflanzen und die Ernte. Bei der Ernte schneiden sie etwa 30 Zentimeter der Pflanze ab und trocknen und verbrennen diese. Die Asche besteht zu 25 Prozent aus Nickel.
  • Der IDW berichtet, dass Wissenschaftler:innen in Frankreich bereits testen, ob Pflanzen auch Edelmetalle wie Gold oder Platin anreichern können. Das wäre eine wissenschaftliche Revolution.

Obwohl es so lange still um Phytomining war, tut sich jetzt doch einiges. Womöglich wird es in Zukunft mit weiterer Forschung eine gute Technik, um Rohstoffe auf umweltfreundliche Weise zu gewinnen.

Übrigens: Falls du noch mehr zu Phytomining wissen möchtest, siehe dir diese zwei Videos auf Youtube oder BR an.

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