Sind selbstfahrende Autos sicherer und umweltfreundlicher?

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Wir stehen im Stau, geben Gas, rasen, bremsen, hupen und fluchen: Autofahren ist so ineffizient, weil wir Fahrer es sind. Das soll anders werden: selbstfahrende Autos werden bald besser und umweltschonender fahren als wir.

Selbstfahrende Autos – auch führerloses oder autonomes Fahren – klingt erst mal nach einer Schnapsidee: Teil des Fahrvergnügens ist ja gerade, selbst mit der Lichthupe drängeln und nach Lust und Laune über Schnellstraßen rauschen zu können. Doch Untersuchungen zeigen, dass keineswegs alle Autofahrer so denken. Viele würden gerne die Hände in den Schoß legen und das Fahren jemand anderem überlassen. Und in Zukunft wird das eben direkt das Auto sein.

Moderne Autos haben bereits Abstandswarner, Bremsautomatiken, Einparkhilfen, Spurassistenten. Flugzeuge fliegen einen Großteil ihrer Strecken auf Automatik und landen teils auch per Autopilot. In der industriellen Landwirtschaft existiert ein großer Bedarf an selbstständigen Maschinen, ebenso im Gütertransportverkehr. Und ob uns das alles gefällt oder nicht: Auch beim Personentransport werden die selbstfahrenden Autos ankommen, je nach Schätzungen werden uns bereits ab 2025 vermehrt Vehikel überholen, die keinen Fahrer mehr haben.

Einige Hersteller wollen es schon deutlich früher schaffen. Woran Audi, BMW, Daimler, Google, Nissan, Opel, VW heute schon arbeiten sehen Sie in der Bildstrecke:

Selbstfahrende Autos als Chance

Autonome Automobile werden Probleme machen, etwa bei den Arbeitsplätzen im Bereich des Transports. Doch in all dem liegt auch eine Chance. Zum einen könnte theoretisch die Zahl der Unfälle sinken, wenn etwa die einzelnen Fahrzeuge auch noch miteinander vernetzt sind und sich aus dem Weg gehen können. Schon heute dient ja ein großer Teil „intelligenter“ Assistenzsysteme vor allem der Unfallvermeidung. Und neue Prototypen zeigen schon, dass die Robot-Autos besser fahren als wir: Googles Self-Driving Car gibt in seinem ersten Report vom Mai 2015 (PDF) an, in fast 3 Millionen zurückgelegten Kilometern nur in 12 Unfälle verwickelt worden zu sein – an keinem sei der schlaue Pkw schuld gewesen. (Der Fahrer hatte in einigen Fällen doch eingreifen müssen, um Schaden durch andere Verkehrsteilnehmer abzuwenden.)

Das Google Self-Driving Car im Verkehr (Foto: Google)
Knuffig: Das Google Self-Driving Car im Verkehr (Foto: Google)

Mit selbstfahrenden Autos ließe sich der Gesamtverkehr auch umweltfreundlicher „programmieren“, indem beispielsweise die Zahl unnötiger Umwege reduziert wird. Verkehr kann effizienter werden, wenn einzelne Autos nicht mehr als Individuen im Konkurrenzkampf um das Grün der Ampel, den Platz auf der linken Spur und so weiter kämpfen, sondern als intelligent gesteuerter Schwarm, der sich stets am ressourcenschonendsten verhält. Sichtbar wird das schon heute an Stau-Assistenten, die prinzipiell helfen können, dass es in Staus nicht zu unsinnigem Losfahren-und-Bremsen-Verhalten kommt.

Auch könnte die Zahl der Autos insgesamt reduziert werden, wenn wir, statt Autos zu besitzen und diese meist nur zu parken, selbstfahrende Autos ad hoc mieten. Dabei darf man nicht immer nur an Deutschland denken, sondern zum Beispiel auch an die Megastädte in China und andernorts.

Die Technik ist (fast) da

Autonome Autos sind sicherer und haben zumindest das Potential, auch umweltfreundlicher zu sein. Bis zum vollständig autonomen Automobil liegt aber noch ein weiter Weg vor den Kfz-Herstellern. Zwar existieren viele notwendige Techniken schon: Kleine Computer sind heute leistungsstark, GPS hilft bei der Positionsermittelung, Kameras können Umfeld, Hindernisse und Ampeln erkennen. Mit all dem können Testautos heute schon auf Autobahnen selbstständig abbiegen oder überholen, einige Edel-Schlitten können schon komplett selbständig einparken.

Elektrisch: das autonome 2-Personen-Auto GM Chevrolet EN-V 2.0 (Foto: GM Company)
Elektrisch: das autonome 2-Personen-Auto GM Chevrolet EN-V 2.0 (Foto: GM Company)

Aber es fällt nicht ganz leicht, ihnen zu vertrauen. Es stellt sich beispielsweise die Rechtsfrage: Wer ist schuld, wenn das selbstfahrende Auto einen Unfall baut? Der Fahrer, der gar nicht gefahren ist? Der Autohersteller, der gar nicht dabei war? Das „Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr“ von 1968 verbietet zum Beispiel autonome Automobile. Doch das gilt inzwischen als Hindernis, denn die Autobauer in den USA, in Europa und in Fernost sind alle daran interessiert, die Nase beim autonomen Fahrzeug ganz vorne zu haben. Daher gab es 2014 eine UN-Ergänzung: „Systeme, mit denen ein Pkw autonom fährt, [sind] zulässig, wenn sie jederzeit vom Fahrer gestoppt werden können“. Bremsen werden wir also noch einige Zeit lang selbst dürfen.

Womit Audi, BMW, Daimler, Google, Nissan, Opel, VW experimentieren, zeigen wir in der Bildergalerie:

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(1) Kommentar

  1. Und dann müssen wir als Fußgänger und Radfahrer immer mit Transponderchip vor die Tür gehen, oder tragen ein erhöhtes Schadensrisiko (wie es inzwischen ja die Versicherungswirtschaft auch beim Thema reflektierende Kleidung gerne hätte)? Verkehr besteht nicht nur aus Autos, und Strassen sind auch Lebenräume. So ein Technik-unkritischer Artikel sticht schon heraus auf Utopia.de Dabei ist das zumindest im städtischen Umfeld alles gar nicht nötig. Kleine Citycars, vereinfachte Verkehrsregeln (zB. überwiegend rechts-vor-links statt Ampeln die zum Konkurrenzverhalten beitragen), einen höheren Anteil an vernetztem Car-Sharing, das tuts genau so. Und die Ansätze sind schon da. Ganz ohne noch mehr Technikabhängigkeit.

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