Gefährliches Heizexperiment: Heizen mit dem Teelichtofen

Teelicht-Ofen: Gute Heizalternativ oder Umweltsünde?
Foto: Utopia / bw

Die Energiepreise steigen und steigen – viele Menschen suchen nach alternativen Heizmöglichkeiten, um die Wohnung warm zu kriegen und dabei Gas und Geld zu sparen, zum Beispiel mit dem Teelicht-Ofen. Aber ist der DIY-Ofen wirklich eine Heizalternative – oder eher eine Umweltsünde? Wir haben ihn uns näher angeschaut.

Ein Ofen aus Teelichtern? Der kreative Internet-Trend aus den sozialen Netzwerken gilt als neuer Geheimtipp in Sachen Heiz-Alternativen. Das Geheimnis hinter dem Teelicht-Ofen: Die Teelichter geben warme Luft ab, die zirkuliert zwischen den Blumentöpfen und heizt sie auf. Der Ton gibt die Wärme langsam an die Umgebung ab.

Teelicht-Öfen lassen sich ganz einfach selber bauen, alle Materialien wie Tontöpfe, Schrauben und Winkel gibt es im Baumarkt. Und Teelichter hat fast jede:r vielfach zu Hause.

Probleme, die der Teelicht-Ofen mit sich bringt

Mit Kerzen eine Heizung zu ersetzen klingt zu schön, um wahr zu sein. Der Teelicht-Ofen hat (leider) mehre Haken:

#1: Heizleistung von Teelichtern ist gering

Ein Teelichtofen wird mit vier oder fünf kleinen Teelichtern betrieben. Ein einzelnes Teelicht hat eine Heizleistung von maximal 40 Watt. Bei fünf Teelichtern kommst du auf eine Heizleistung von ca. 200 Watt.

Im Vergleich zu einer Heizung ist das keine besonders hohe Leistung: Bei Neubauten und wärmegedämmten Altbauten gehen Experten von einer Heizleistung von 100 Watt je Quadratmeter Wohnfläche aus. Bei einem 15 qm großen Zimmer ergibt sich also eine erforderliche Heizkörper-Leistung von 15 qm x 100 Watt/qm = 1500 Watt, um den Raum auf 20 Grad Raumtemperatur zu erwärmen.

Willst du einen Raum mit einem Teelicht-Ofen heizen, bräuchtest du also viele, viele Teelichter (knapp 40 nach unserem Rechenbeispiel) – das geht ins Geld, ist unsinnig und schlecht für die Umwelt.

Selbstgebastelter Teelicht-Ofen bringt zu wenig Heizleistung.
Ein selbstgebastelter Teelicht-Ofen bringt zu wenig Heizleistung. (Foto: Utopia / bw)

#2: Teelichter sind nicht umweltfreundlich

Das Abbrennen von unzähligen Teelichtern ist auch aus Umweltgesichtspunkten nicht sinnvoll. Das liegt an den verwendeten Materialien. Die meisten im Handel erhältlichen Teelichter bestehen aus Paraffin oder Stearin. Beide Rohstoffe gelten als potenziell schädlich für die Umwelt und die Gesundheit. Außerdem bestehen die Teelichtschälchen zumeist aus Aluminium oder Plastik. Wie es nachhaltiger geht, erfährst du hier:

#3: Brandgefahr durch DIY-Heizung

Bei einem Teelicht-Ofen handelt es sich um eine selbst gebaute Konstruktion, bei der offenes Feuer im Spiel, bzw. im Haus ist. Es besteht eine große Gefahr für Kinder und Haustiere, die dem Ofen versehentlich zu nahe kommen oder ihn umwerfen könnten. Zudem sind die DIY-Öfen brandgefährlich:

Teelichter erreichen beim Abbrennen eine erhebliche Hitzeentwicklung. Die Kerzen müssen deshalb mit Sicherheitsabstand zueinander aufgestellt werden. „Andernfalls besteht die Gefahr der schlagartigen Zündung brennbarer Gase oberhalb ihrer Gesamtfläche“, warnt die Feuerwehr Nürnberg. Es kann zu einem gefährlichen Wachsbrand kommen.

Einen Wachsbrand darfst du genau wie einen Fettbrand niemals mit Wasser löschen. Brennendes Kerzenwachs kann nur mit einem Löschspray, einem Feuerlöscher oder einer speziellen Löschdecke gelöscht werden.

Achtung! Die Öfen können sehr heiß werden. Selbst wer nur die Hände daran wärmen möchte, kann sich verbrennen.

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#4: Gesundheitsgefahr durch Kerzen

Beim Verbrennen von billigen Kerzen können verschiedene Schadstoffe entstehen, die gefährlich für deine Gesundheit sind. „Mangelhafte Paraffinkerzen mit erhöhtem Schwefelgehalt lassen Schwefeldioxid entstehen, was zu allergieähnlichen Reaktionen führen kann“, warnt der BUND.

Und weiter: „Beim Abbrennen der Kerzen können verschiedene umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe freigesetzt werden. Vor allem dann, wenn mehrere Kerzen brennen, die Flammen flackern und sich Ruß bildet.“

Wenn du einen Teelicht-Ofen betreibst, bitte denk daran: Feuer mit offener Flamme verbraucht Sauerstoff, regelmäßiges Lüften ist wichtig! Damit ist die neu gewonnene Hitze aber schnell wieder zum Fenster raus gelüftet.

Als Heizquelle dienen Kerzen nicht, doch sie schaffen eine gemütliche Atmosphäre. Eine nachhaltige Idee, wenn du keine neuen Kerzen kaufen willst: Aus Resten Kerzen und Kerzendocht selber machen.

Können Teelicht-Öfen wirklich eine Heizung ersetzen?

Nein. Zwar heizt die Blumentopfheizung – allerdings nur ein bisschen. Mit einer echten Heizung kann die DIY-Konstruktion nicht mithalten. Aus Umweltgründen und wegen der Brandgefahr solltest du besser auf andere Heizalternativen setzen – Energie sparen geht auch ohne Teelichtofen:

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