Viele Schmetterlinge gefährdet – auch wegen Rasenmähen: Was du tun kannst

Viele Schmetterlinge gefährdet – auch wegen Rasenmähen: Was du tun kannst
Foto: Thomas Frey/dpa

Pestizide, häufiges Mähen und Wetterextreme sind für Tagfalter eine Bedrohung. Um viele Arten steht es deshalb schlecht. Was Schmetterlingen helfen würde und wie du selbst beitragen kannst.

Für Schmetterlinge herrschen in diesem Jahr wegen der warmen Witterung gute Bedingungen in Deutschland. „Insekten sind generell eher wärmeliebend. Wenn es trocken und warm ist, ist das kurzfristig für viele gut“, erklärte Martin Wiemers vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg. Dieses Jahr habe er besonders viele Schornsteinfeger-Falter gesehen. 

Insgesamt sei die Lage für die Tiere aber weiterhin bedrohlich. „Einzelne Jahre ändern nicht den Trend“, so der Biologe und Insektenkundler, denn: Viele Schmetterlingsarten in Deutschland sind gefährdet. Am kritischsten sei es bei Arten, die wie der Hochmoor-Gelbling an Mooren oder wie der Baldrian-Scheckenfalter in Feuchtgebieten leben. 

Rund 190 Tagfalter Arten in Deutschland

Insgesamt gibt es hierzulande 3.700 Schmetterlingsarten, dazu zählen rund 190 Tagfalter. Für die Rote Liste wurden zuletzt vor knapp 15 Jahren 184 Arten bewertet, davon gelten 42 Prozent als ausgestorben oder bestandsgefährdet. Als vom Aussterben bedroht gelten laut Wiemers zum Beispiel der Kleine Maivogel, der Apollofalter und die Berghexe.

Wichtig dabei: Raupen, also Schmetterlingslarven, ernähren sich größtenteils von Pflanzen. Schmetterlinge fressen hauptsächlich Nektar aus Blüten, aber auch Früchte.

Mähen tötet viele Schmetterlinge

Ein Grund für den Rückgang der Arten sei die Intensivierung der Landwirtschaft mit der Verwendung von Pestiziden, sagt Wiemers. Auch häufiges Mähen von Wiesen und Feldern sei ein großes Problem. „Wenn man eine Wiese mäht, vernichtet man unter Umständen einen Großteil der Tiere“ Entscheidend sei auch, ob man eine Wiese zweimal oder nur einmal mähe und zusätzlich ein paar Bereiche stehen lasse. „Um die Population zu erhalten, reicht es locker aus, einen Anteil nicht zu mähen, zum Beispiel ein Viertel der Fläche.“

Eine zusätzliche Gefahr sind nach Angaben des Insektenkundlers Extremwetterereignisse. Starke Regenfälle, aber auch anhaltende Trockenheit töteten Tiere. Wenn es zu wenig regnet, vertrocknen Pflanzen und Raupen und Schmetterlingen geht die Nahrungsgrundlage aus. Auch Fressfeinde und Parasiten könnten für das Überleben eine enorme Rolle spielen. 

Falter brauchen abwechslungsreiche Landschaft

Schmetterlingsarten hätten sehr unterschiedliche Ansprüche, erklärt der Biologe. Manche überwinterten als Raupe, andere als Puppe oder Ei und einige wenige als Falter. Die Schmetterlinge seien daher zum Teil in unterschiedlichen Monaten unterwegs und demnach auch unterschiedlichen Umweltbedingungen ausgesetzt. Manche hätten im Jahr mehrere Generationen, andere nur eine. Die meisten Tagfalter-Arten lebten auf Wiesen und Weiden, einige auch in lichten Wäldern oder in Moorgebieten.

Es gebe daher nicht den Idealzustand für alle Arten, erklärt Wiemers. „Wir brauchen feuchte Bereiche, wir brauchen aber auch trockene Bereiche.“ Optimal wäre eine abwechslungsreiche Landschaft, die Arten ermögliche, flexibel zu reagieren. Dann sei es auch möglich, dass Arten sich von Einbrüchen in der Population wieder erholen.

Schmetterlingen helfen: Das kannst du tun

Schmetterlinge leben zum Teil in Wäldern, in Parks, auf öffentlichen Wiesen oder landwirtschaftlichen Feldern. Wie diese gepflegt und bewirtschaftet werden, darauf haben wir keinen direkten Einfluss. Doch auch dein eigener Garten oder Balkon kann den Insekten als Nahrungsquelle oder Lebensraum dienen – wenn du ihn entsprechend gestaltest.

  • Pflanze bunte Pflanzen mit viel Nektar, die verschiedene Arten als Futter nutzen können. Dazu zählen zum Beispiel viele Wildblumen und Kräuter wie Fenchel oder Wiesensalbei, die große Kapuzinerkresse oder Heilpflanzen wie Echtes Eisenkraut oder Johanniskraut.
  • Plane deine Beete so, dass von Frühjahr bis Herbst immer etwas blüht, damit die Tiere immer Nahrung finden.
  • Denke auch an Nachtfalter. Diese versorgen Pflanzen wie Geißblatt, Nachtkerze, Nachtlichtnelke nach Dämmerung mit Nektar.
  • Raupen benötigen keinen Nektar, sondern ernähren sich von den Blättern bestimmter Pflanzen. Teils sind sie auf Pflanzen spezialisiert, die wir als „Unkraut“ entfernen würden, wie Brennnesseln oder Disteln. Lass diese unbedingt stehen.
  • Als Lebensraum dienen den Faltern oft heimische Bäume oder Sträucher – auch diese machen sich gut in deinem Garten.
  • Mähe nur so oft wie nötig und nicht alle Rasenflächen. Lass wilde Ecken stehen, in denen Gras und Wildpflanzen wachsen können.
  • Zum Überwintern benötigen die Tiere teils Falllaub oder Reisighaufen. Nicht alles aus dem Garten entfernen.
  • Du hast einen geschwächten Schmetterling in deinem Garten gefunden? Dann kannst du ihm Zuckerwasser anbieten, indem du einen Schwamm darin tränkst und vorsichtig neben den Falter platzierst.

Mehr Tipps liefert der NaBu und folgender Ratgeber:

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