Wie du Verletzlichkeit als Stärke sehen kannst

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Verletzlichkeit verbinden viele Menschen mit Angst und Scham. Die US-Wissenschaftlerin Brené Brown ist aber überzeugt, dass Verletzlichkeit auch Quelle von Freude und Liebe ist. Wir erklären, warum.

Die Kraft der Verletzlichkeit

Die US-Wissenschaftlerin Dr. Brené Brown hat sich über 20 Jahre lang mit Studien zu den Themen Verletzlichkeit und Scham beschäftigt. Ihr Video mit dem Titel „Die Macht der Verletzlichkeit“ gehört mit fast 47 Millionen Zuschauern zu den häufigst gesehenen TED-Talks. Wir erklären dir, was Brown unter der Macht der Verletzlichkeit versteht und wie du sie konkret nutzen kannst. Dafür müssen wir uns zunächst mit der Scham beschäftigen.

Schwäche zu zeigen löst Scham aus

Scham vor Ausgrenzung kann Ursache von Verletzlichkeit sein.
Scham vor Ausgrenzung kann Ursache von Verletzlichkeit sein.
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Wenn Menschen sich begegnen, geschieht laut Brown in der Regel folgendes: Zuerst analysieren sich die Personen gegenseitig nach ihren verletzlichen, schwachen Punkten. Gleichzeitig wird versucht, die eigene Verletzlichkeit möglichst zu verstecken. Denn die eigene Verletzlichkeit ist das Letzte, was Menschen von sich preisgeben wollen.

Verletzlichkeit kann nämlich Schwäche bedeuten. Vielleicht kennst du auch das negative Gefühl, Angst davor zu haben, was andere über dich denken können. Oder du denkst manchmal über dich selbst, dass du nicht gut genug bist. Diese Gefühle ordnet Brown der Scham zu.

Scham überwinden durch bewusste Verletzlichkeit

Deine Scham überwindest du durch bewusste Verletzlichkeit vor einer Person, der du vertraust.
Deine Scham überwindest du durch bewusste Verletzlichkeit vor einer Person, der du vertraust.
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Alle Menschen kennen das Gefühl von Scham. Es taucht auf, wenn du annimmst, dass du die einzige Person bist, der etwas Peinliches passieren kann. Oder wenn du befürchtest, dass Mitmenschen deine Schattenseiten erkennen könnten. Scham bremst das Leben, weil sie die Menschen unproduktiv macht, lähmend wirkt und das Gefühl gibt, isoliert und wertlos zu sein.

Du überwindest aber laut Brown deine Scham, indem du die Verbundenheit zu anderen Menschen suchst. Das bedeutet sehr viel Mut, weil du dich in der Verbundenheit jemanden anvertraust und dich damit verletzlich machst. Darum sollte die Person, an die du dich wendest, verständnisvoll sein und Empathie besitzen. Denn jede menschliche Erfahrung wird auch von anderen Menschen erlebt. Dadurch, dass du dich von einem anderen Menschen verstanden fühlst, befreist du dich aus deiner Isolation – du überwindest also deine Scham.

Verletzlichkeit wird dann im nächsten Schritt von Brown zum „Geburtsort“ von Mut und anderen bedeutungsvollen Erfahrungen.

Die positiven Wirkungen von Verletzlichkeit

Brown nimmt an, dass Menschen, die ihre Verletzlichkeit wahrnehmen, bewusster positive Gefühle wie Freude, Kreativität, Vertrauen, Verbundenheit oder Liebe spüren können.

In ihrem TED-Talk (Minute 14:23) stellt Brown die Auswirkungen dar, wenn Menschen stattdessen ihre Verletzlichkeit betäuben. Damit können sie auch positive Gefühle dämpfen. Deshalb ist es wichtig, Verletzlichkeit zuzulassen. Es ist ein Zeichen dafür, dass du „lebendig“ bist und einen Zugang zu deinen Gefühlen hast.

Der Mut zur Verletzlichkeit hängt vom Selbstwertgefühl ab

Um Verletzlichkeit positiv zu sehen, braucht es ein hohes Selbstwertgefühl.
Um Verletzlichkeit positiv zu sehen, braucht es ein hohes Selbstwertgefühl.
(Foto: CC0 / Pixabay / JillWellington)

Durch ihre Forschungen fand Brown außerdem heraus, dass Menschen mit einem hohen Selbstwertgefühl wenige Schwierigkeiten haben, sich verletzlich zu zeigen. In ihrem TED-Talk stellt Brown mit ihrer Studie mehrere Gemeinsamkeiten vor, die Menschen mit einem hohen Selbstwertgefühl haben:

  • Eine Gemeinsamkeit (Minute 8:34) ist, dass diese Menschen laut Brown aus „ganzem Herzen“ leben. Sie haben den Mut, unvollkommen zu sein. 
  • Außerdem können sie in schwierigen Situationen zuerst liebevoll mit sich selbst und dann auch mit anderen umgehen.
  • Eine weitere Gemeinsamkeit (Minute 9:31) ist, dass Menschen mit einem hohen Selbstwertgefühl ihre Verletzlichkeit uneingeschränkt annehmen. Sie verstehen ihre eigene Verletzlichkeit als Gewinn, der sie ein stückweit auch ausmacht. Für sie gehört es zum Leben, Bereitschaft zur Verletzlichkeit zu zeigen, obwohl es vielleicht keine Garantie geben wird. Beispiele mit Risiko aus dem Leben gibt es genug: Verletzlichkeit zeigt sich in der Bereitschaft, als erstes „Ich liebe dich“ zu sagen oder in eine Beziehung zu investieren, die vielleicht nicht funktionieren wird. 

Menschen, die kein hohes Selbstwertgefühl haben, fühlen sich hingegen oft nicht gut genug und schämen sich schnell. Wir geben dir hilfreiche Tipps und Übungen, wie du dein Selbstwertgefühl stärken kannst.

3 Tipps für mehr Mut zur Verletzlichkeit

Verletzlichkeit geschieht, wenn du dir öffentlich Fehler eingestehen musst.
Verletzlichkeit geschieht, wenn du dir öffentlich Fehler eingestehen musst.
(Foto: CC0 / Pixabay / stevepb)

1. Führe dir mutige Handlungen vor Augen, die in deiner Vergangenheit liegen.

Überlege dir konkret, wo du in deinem Leben schon einmal mutig gehandelt hast. Das kann ein Jahr im Ausland gewesen sein, eine Trennung von einer Beziehung, oder eine schwierige Prüfung, die du gemeistert hast. 

Sicherlich bist du in diesen Situationen ein großes Risiko eingegangen und deine Verletzlichkeit war sehr hoch. Stelle dir die Frage: Was hat dir den Mut gegeben, weiterzumachen? Notiere dir deine Gedanken dazu. Schöpfe aus deinen Erfahrungen Ressourcen, um dankbar für dein Leben zu sein.

2. Arbeite daran, dich als unvollkommener Mensch zu akzeptieren.

Perfektionismus plagt viele Menschen. Sie fühlen sich nicht gut genug und können schlecht mit eigenen Fehlern umgehen. Lerne, eigene Handlungen oder Fehler, die dich beschämen, mit anderen zu teilen. Das ist Mut zur Verletzlichkeit. Achte darauf, dass dabei ein guter Vertrauensrahmen gegeben ist. Es geht nicht darum, dass du etwas sehr Intimes mit fremden Menschen teilst. Das kannst du hinterher bereuen. Doch traue Menschen in deiner vertrauten Umgebung zu, dass sie dich mit deiner Verletzlichkeit aushalten können und dich aus der Isolation holen.

3. Sei bereit, emphatisch auf die Verletzlichkeit von anderen zu reagieren.

Wenn sich jemand dir gegenüber verletzlich zeigt, versuche dich in die Person hineinzuversetzen. Höre ihr gut zu. Stehe ihr mit deinen menschlichen Erfahrungen bei, damit sie das Problem als „menschlich“ relativieren kann. Das wird ihr helfen, sich selbst besser annehmen zu können.

Lesetipp zur Verletzlichkeit

Falls du dich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchtest, gibt es noch einen Lesetipp von uns: In ihrem Bestseller „Verletzlichkeit macht stark: Wie wir unsere Schutzmechanismen aufgeben und innerliche reich werden“ hat Brené Brown ihre Theorie noch ausführlicher erklärt. Du kannst das Buch unter anderem bei **buch7, **Thalia, **buecher.de, **Amazon oder der Buchhandlung deines Vertrauens kaufen. 

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