Unfassbare Aufnahmen aus Rom: Hunderte tote Vögel in der Silvesternacht

Foto: Screenshot Twitter / alemon63

Seit einigen Tagen zirkulieren in den sozialen Medien erschreckende Bilder: Zu sehen ist eine Straße im Zentrum von Rom, die mit toten Vögeln übersät ist. Expert:innen gehen davon aus, dass Silvesterfeuerwerk die Katastrophe verursacht hat.

Bei den Vögeln soll es sich italienischen Medienberichten zufolge um Stare handeln. Sie lagen in der Silvesternacht auf einer Straße in der Umgebung des Bahnhof Roma Termini – dem Hauptbahnhof von Rom. Ein Mann namens Diego Fennichia fuhr dort in einem Auto entlang, filmte die Straße und veröffentlichte die Aufnahmen.  

Woran die Vögel starben, ist nicht ganz klar, aber es gibt naheliegende Vermutungen. Tierschutzorganisationen gehen davon aus, dass Feuerwerk die Tiere in den Tod getrieben hat.

Schlafgemeinschaften auf Bäumen

Der Italienische Vogelschutz-Verband („Lega Italiana Protezione Uccelli“) erklärte auf Facebook, dass sich in der Umgebung wohl zahlreiche Vögel auf Bäumen niedergelassen haben. Stare bilden typischerweise nachts auf Bäumen Schlafgemeinschaften. Das Feuerwerk habe sie aufgeweckt und erschreckt. In ihrer Panik seien die Stare desorientiert umhergeflogen – und gegen Gebäude und andere Hindernisse gekracht.

Ein weiteres Video – aufgenommen aus einer Wohnung – scheint diese Theorie zu unterstützen. Es zeigt einen dichten Vogelschwarm, der die Straße entlang fliegt. Zurück bleiben zahlreiche tote Stare auf dem Boden. „Wir befinden uns in einer Welt, in der leider viele ein Herz aus Stein haben“, heißt es in einem Kommentar auf Youtube. „Das Wichtigste ist, Spaß zu haben. Um jeden Preis.“

Verbot von Feuerwerk wurde ignoriert

Aber wieso sind ausgerechnet dieses Jahr so viele Vögel verstorben? Die „Lega Italiana Protezione Uccelli“ schreibt dazu: „Stare haben in den letzten Jahren ihre Präsenz im Zentrum Roms verringert, vielleicht auch als Konsequenz auf die betriebenen Abschreckungsmaßnahmen, die es seit beinahe 20 Jahren gibt.“

In den vergangenen zwei Jahren habe es im Zentrum Roms keine Schlafgemeinschaft von Staren gegeben – oder zumindest keine so große. 2020 hingegen hatten sich wieder zahlreiche Vögel niedergelassen. Zugleich fehlten laut dem Verband Abschreckungsmaßnahmen. Eigentlich galt in Rom ein Verbot von Feuerwerk. Das wurde laut BBC jedoch „größtenteils“ ignoriert.

Nicht nur Vögel leiden unter Feuerwerk

Die „Lega Italiana Protezione Uccelli“ und andere Tierschutzorganisationen fordern nun ein strikteres Feuerwerkverbot für die kommenden Jahre. Die bisherigen Verordnungen und Kontrollen seien nutzlos, sagte ein Sprecher der Internationalen Tierschutzorganisation (OIPA). „Es ist Zeit für den Gesetzgeber, dieses Chaos zu beseitigen, das auch den Menschen betrifft. Es geht um Gesundheit, öffentliche Ordnung und vor allem um die Zivilisation.“

Nicht nur Vögel leiden unter dem Feuerwerk in der Silvesternacht, sondern auch andere Wildtiere. Sie schrecken durch die Geräusche auf und flüchten vor der vermeintlichen Gefahr. Manche finden laut dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) stundenlang keinen Schlafplatz mehr. Dadurch verlieren die Tiere viel Energie, was gerade zur kalten Jahreszeit fatal sei. Die Tiere brauchen ihre Energiereserven, um über den Winter zu kommen. Die Aufnahmen aus Rom sind eine eindringliche Erinnerung daran, wie schädlich Feuerwerk jedes Jahr für Tiere weltweit ist.

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(4) Kommentare

  1. Letztes Jahr im ersten Lockdown konnten wir auch hier beobachten, dass sich die Insekten- und auch Vogelbestände etwas erholen konnten. Nachdem der Verkehr und die vielen Menschen sich endlich mal mit ihren Vergnügungstrips zurückhielten, konnte auch die Natur sich wieder etwas erholen und wieder in Gebiete zurückkehren, die in den Jahren zuvor von immer größeren Massen von Menschen überrannt worden sind.
    Wenn dann die Ruhe plötzlich durch extrem lautes Geböllere gestört wird, ist es kein Wunder wenn die armen Tiere extrem gestört werden 🙁
    So etwas sollte man mal bei diesen ignoranten Menschen nachts im Schlafzimmer veranstalten!

  2. Nachtrag: Gerade Vögel reagieren sehr sensibel auf nächtliche Störungen. Wenn meine Wellis sich mal erschrecken, flattern sie auch wie wild in der Voliere umher. Dort sind sie aber sicher und können sich nicht verletzen und sich wieder eine ruhige Schlafstange suchen. Deshalb ist Rücksicht gefragt! Wir sind schließlich nicht alleine auf der Welt, glücklicherweise 😉
    Und daher halte ich auch nichts von sämtlichen Vergrämungsmaßnahmen, mit denen den Tieren allerorts das Leben noch zusätzlich schwer gemacht werden soll, obwohl sie eh schon kaum noch Rückzugsmöglichkeiten aufgrund der zunehmenden modernen Bebauung haben, die lediglich dem Menschen dienen soll, kalt und steril.

  3. Nicht unbedingt!
    Tierliebe, Tierschutz und -haltung sollte keinen Widerspruch darstellen – ganz im Gegenteil. Es ist auch nicht nur ein Käfig, sondern eine großzügige Voliere in der sich die Vögel sichtbar wohl fühlen.
    Ich kann aber den Einwand nachvollziehen. Wenn wir den Tieren keine halbwegs artgerechte Haltung gewährleisten können, sollten wir es lieber lassen. Aber wenn wir die Möglichkeiten haben, dann sollten wir sie auch zum gegenseitigen Vorteil nutzen.
    Denn meiner Meinung nach resultieren viele Probleme unserer Zeit auch daher, dass Menschen sich zunehmend schwer tun, mit den Tieren in unserem Umfeld in Symbiose zu leben und sich statt dessen nur mit sich selbst beschäftigen. So entstehen die vermeintlichen Parallelwelten vieler moderner Menschen, immer mehr von der Natur entkoppelt…