Feuerwerk an Silvester: 7 Gründe, warum du nicht mitmachen solltest

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Foto: "The remains of the night" von athriftymrs.com unter CC-BY-2.0

Zu Silvester begrüßen Millionen Menschen in Deutschland das neue Jahr mit einem Feuerwerk. Dass diese Tradition nicht gerade nachhaltig ist, wissen wir alle. Aber es gibt noch viel mehr Gründe, die gegen Raketen und Böller zum Jahreswechsel sprechen. 

1. Immense Geldverschwendung

Zum Jahreswechsel 2017/18 haben wir in Deutschland laut Statista etwa 137 Millionen Euro für Silvester-Feuerwerksartikel ausgegeben. 137 Millionen, die wir im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft geschossen haben – für ein paar Minuten Spaß. Geld, das man sinnvoller verwenden könnte.

2. Tiere leiden unter dem Feuerwerk

Wer Haustiere hat, kennt das Problem: Der Lärm des Silvesterfeuerwerks erschreckt Hunde und Katzen und versetzt sie in Panik. Auch Wildtiere haben in der Neujahrsnacht Todesangst. Sie nehmen den Lärm, die hellen Blitze und die Gerüche der Raketen und Böller als lebensbedrohlich wahr.

Laut der Tierschutzorganisation Peta wird das Feuerwerk vor allem für Vögel tatsächlich zu einer Gefahr: „Rauchschwaden und die hellen Leuchtraketen können zu Desorientierung bei den Vögeln führen, ihnen die Sicht nehmen und sie blenden, sodass sie Hindernissen nicht mehr rechtzeitig ausweichen können. Es dauert häufig Tage oder sogar Wochen, bis sich die Tiere von diesem Schock erholt haben.“

3. Ausbeutung in den Feuerwerk-Fabriken

Feuerwerk Ausbeutung
Narben von Brandwunden (Fotos: © phanasitti - Fotolia.com; jugendeinewelt.at)

Was viele nicht wissen: Die Feuerwerkskörper werden meist unter ausbeuterischen und oft extrem gefährlichen Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern hergestellt. Die Hauptproduzenten der Feuerwerkskörper sind Indien und China. Mit ihrer Produktion decken sie 97 Prozent des Weltmarktes ab.

Die Zustände in den Fabriken vor Ort sind oft katastrophal: Die Arbeiter haben Brandnarben im Gesicht, verätzte Hände, ihre Fingernägel fallen ab. Viele leiden unter Krankheiten wie Asthma, hervorgerufen durch den direkten Kontakt mit chemischen Substanzen wie Schwefel, Schwarz- und Aluminium-Pulver. Besonders schlimm: In der Feuerwerksindustrie arbeiten nicht nur Erwachsene für Niedriglöhne – sondern auch Kinder.

Mehr dazu: Feuerwerksproduktion: Fabriken brennen, Kinder arbeiten – und wir sind taub 

4. Jedes Jahr sterben Menschen bei der Produktion

Eine traurige Tradition: Jedes Jahr kommt es zu Explosionen in den Produktionsstätten, bei denen Menschen getötet werden. Ende 2016 starben über 30 Menschen bei einer Explosion auf einem Markt für Pyrotechnik in Mexiko. Im November 2017 wurden fast 50 Menschen getötet: In einer Feuerwerksfabrik nahe Jakarta gab es eine heftige Explosion, bei der das Dach des Gebäudes abgesprengt wurde. Dieses Jahr starben wieder 24 Menschen, aufgrund von Explosionen in einer mexikanischen Feuerwerksfabrik.

5. Brände und Verletzungen auch in Deutschland

Die Feuerwerkskörper sind nicht nur für die Menschen gefährlich, die sie produzieren. In Deutschland sorgen die Raketen und Böller jedes Jahr für volle Notaufnahmen. Besonders häufig sind Brandverletzungen an den Händen. Sie entstehen zum Beispiel, wenn jemand eine Rakete aus der Hand abfeuert oder einen Böller nicht rechtzeitig abwirft. Wie solche Verletzungen aussehen können, zeigt das Unfallkrankenhaus Berlin mit diesem Tweet:

Auch Verletzungen an den Ohren, den Augen oder im Gesicht kommen häufig vor. 2018 sind sogar zwei Männer gestorben, nachdem Böller direkt vor ihnen explodiert waren. An Silvester geraten außerdem regelmäßig Wohnungen, Balkone, Autos, und Garten- oder Müllhäuschen in Brand. Die Krankenhäuser, Rettungsdienste, die Feuerwehr und Polizei haben in der Neujahrsnacht viel zu tun.

6. Die höchste Feinstaub-Belastung im Jahr

Feuerwerk Feinstaub
Schlechte Luftqualität wegen Feuerwerk. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Wir starten das neue Jahr regelmäßig mit extremer Luftverschmutzung – Grund dafür ist das Feuerwerk an Silvester. „In der Silvesternacht steigt die Belastung mit gesundheitsschädlichem Feinstaub explosionsartig an“, schreibt das Umweltbundesamt (UBA).

Messungen zeigen: Am Neujahrstag ist die Feinstaubkonzentration in der Luft vielerorts höher als das ganze restliche Jahr über. Jedes Jahr werden laut dem UBA zum Jahreswechsel rund 4.500 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Das entspreche in etwa 15,5 Prozent der Menge, die der gesamte Straßenverkehr im Jahr produziert. Die schlechte Luft ist vor allem für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen eine enorme Belastung: stärkerer Husten, Atemnot und ein Gefühl von Enge in der Brust sind häufige Probleme in der Silvesternacht.

7. Müllberge in den Straßen

Ist das große Silvester-Feuerwerk vorbei, bleibt vor allem eins übrig: jede Menge Müll. Auf den Straßen liegen Kartonteile, Plastik und leere Flaschen, in denen die größeren Raketen gestartet wurden.

Die Abfallbetriebe kümmern sich darum, dass der Müll schnell verschwindet. Allein in München hat die Straßenreinigung dieses Jahr 60 Tonnen Silvestermüll eingesammelt. Das sind 60 000 Kilo Müll in einer Nacht in einer Stadt – und der Großteil stammt von Böllern und Raketen.

Es geht auch ohne Raketen, Böller und Feuerwerk

Wir wollen niemandem den Spaß an Silvester verderben. Aber wir wollen alle Leser dazu ermutigen, darüber nachzudenken, wie vertretbar das Silvester-Feuerwerk unter den gegebenen Umständen noch sind. Sieht man sich das Gesamtbild an, spricht wenig für Raketen und Böller.

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(6) Kommentare

  1. Von Rumjammern wird das nicht besser. Und Verbote würden den Bürger entmündigen.

    Wie wäre es denn, sich dafür einzusetzen, daß eine Sondersteuer oder Sonderabgabe auf Pyortechnik erhoben wird?
    Das würde nicht nur Geld in die klammen öffentlichen Kassen spülen, sondern die Sylvester-Knallerei von allein einschränken – weil sich diese dann viele nicht mehr im bisherigen Umfang leisten können oder wollen.

    Ideen braucht der Mensch …

  2. Zur Feinstaubbelastung:
    Bei der so hohen Belastung handelt es sich um keine Dauerbelastung. Nach Mitternacht steigen die Werte rasant auf einen maximal Wert und sinken genauso schnell wieder in wenigen Stunden auf Normalwerte ab.
    Dazu hier eine schöne interaktive Karte des Umweltbundesamtes:
    gis.uba.de/website/silvester/
    Dieser Artikel setzt die Belastung auch gut in Relation:
    spiegel.de/wissenschaft/natur/silvester-wie-gross-ist-das-feinstaubproblem-a-1185465.html

    Zur Lärmbelästigung:
    Sie müssen bedenken, dass sich die Lärmbelästigung durch den Feiertag auf einem deutlich geringerem Level befindet und dadurch jedes Geräusch einem lauter vorkommt. Wenn sie mal einen Böller in der stark befahrenen Innenstadt explodieren gehört haben, werden sie gemerkt haben wie leise sie eigentlich im Vergleich sind.
    Tiere werden auch oft als leidtragende herangeführt. Dem ist aber meiner Meinung nicht so. Zum einen ist die Lärmbelästigung außerorts sehr gering und die zahlreichen Explosionen wirken sich auf die Tiere wie das Donnern eines Gewitters aus. Haustiere, die sich daheim befinden und richtig erzogen wurden, stören die Geräusche auch nicht (ich habe selber welche).

    Zur Gefährlichkeit:
    Die in Deutschland zugelassenen Feuerwerkskörper sind alle geprüft und bei ordnungsgemäßer Handhabung ungefährlich. Unsachgemäße Handhabungen können natürlich zu Verletzungen führen, die sind aber dann Selbstverschuldet. Zum Vergleich: Wenn sie mit Füherschein ihr Auto fahren und sich entschließen in den Gegenverkehr zu fahren und so einen Unfall verursachen, dann sollten darauffolgend nicht alle Autos verboten werden, da nicht das Auto schuld ist sondern sie selbst.

    Zu illegalen Feuerwerkskörpern(Polen-Böller):
    Diese Feuerwerkskörper sind in Deutschland illegal und die daraus folgenden Verletzungen/Schäden würden durch einen totalen Verbot nicht verhindert werden können, da sie trotzdem weiterhin illegal importiert werden würden.

    Zur Geldverschwendung:
    Das ist eins der subjektivsten Begriffe im Sprachgebrauch, da es immer von den gesetzten Kriterien abhängig ist und diese je nach Person verschieden sind. Für den einen mag Feuerwerk unnötig sein, für den anderen Konzerte und wieder für andere Reisen. Jeder darf nach seinem empfinden sein Geld ausgeben.
    Es gilt: Jedem das Seine

  3. Bei uns in Sachsen kontrolliert der Zoll in der Vorweihnachtszeit verstärkt – vor allem auch auf illegal eingeführte Pyrotechnik. Ich habe zur Zeit regelmäßig im Erzgebirge zu tun und durfte dieses Jahr schon zwei mal vor den Augen des Zoll das Auto ausräumen – mit einem auswärtigen Kennzeichen macht man sich da offenbar besonders verdächtig.

  4. Persönlich mag ich den Vergleich zwischen Weihnachten und Silvester.
    Beide sind so ziemlich die größten Feiertage im Jahr und so unterschiedlich, wie sie nur sein könnten.
    Zu Weihnachten treffen sich die meisten mit ihren liebsten und verbringen eine schöne Zeit daheim, tauschen Geschenke aus und erzähle von ihren Erlebnissen.
    Silvester startet ähnlich. Freunde und Familie treffen sich und feiern. Um Mitternacht beginnt, aber erst die wahre Magie dieses Tages. Leute verlassen zahlreich ihre vier Wände und zünden Feuerwerk. Die Straßen sind voll mit Menschen. Es werden Glückwünsche zwischen Freunden und Nachbarn ausgesprochen. Man lässt das vergangene Jahr Revue passieren und erfreut sich in diesem Augenblick an schönem Feuerwerk.

  5. Ich war immer für ein schönes Feuerwerk.
    Was aber inzwischen an Sylvester stattfindet hat damit nichts mehr zu tun. Die ganze Stadt kracht, knallt und ist am Ende voller Müll.
    Als wir noch eine Katze hatten, hat sie sich immer unter einem Schrank versteckt. Freunde mit Hund geben auf Anraten des Tierarztes ein Beruhigungsmittel.
    Auf den Straßen wird man mit scheußlichen Krachern beworfen, und hat Glück wenn nichts passiert.
    Ich kann verstehen dass in einer großen Stadt, wie Berlin, ein großes Feuerwerk nicht reicht. Aber man könnte ja in jedem Bezirk eins machen und ansonsten jedes private Knallen verbieten.
    Gruß an Alle und einen verletzungsfreien Rutsch in das Neue Jahr
    .

  6. Gibt es inzwischen eigentlich eine Bilanz der letzten Silvester Nacht?
    Wieviele Verletzte? Wieviele Tote Menschen? Wieviele tote Tiere? Wie hoch sind die Sachschäden?
    Wurde auch dieses Mal wieder jemand erschossen?
    Die Kleckernachrichten, die man mehr oder weniger zufällig aus verschiedenen Regionen hier und da gehört hat, sagen irgendwie zu wenig aus.
    Eine Bündelung der Schadensmeldungen könnte doch vielleicht mehr Menschen als nur die unmittelbar nächsten Betroffenen erreichen und vielleicht mehr bewirken.

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