Stiftung Warentest hat Zahnpasta getestet – 8 fallen durch

Foto: © Öko-Test

Vergangenes Jahr hat Öko-Test 400 Zahncremes untersucht – es war der bislang umfassendsten Zahnpasta-Test. Jetzt hat auch Stiftung Warentest Zahnpasta analysiert. Wir haben die Ergebnisse beider Organisationen zusammengefasst.
Zahnpasta benutzen wir mindestens zweimal täglich – umso wichtiger, dass sie keine kritischen Inhaltsstoffe enthält und die Zähne gründlich reinigt. Stiftung Warentest und Öko-Test überprüfen immer wieder, wie gut die Zahncremes auf dem Markt sind. Aktuell hat Stiftung Warentest einen solchen Test mit 21 Produkten veröffentlicht. Die Ergebnisse von Öko-Tests Großtest liest du weiter unten.

Zahnpasta-Test von Stiftung Warentest 2020

Für ihren aktuellen Test hat sich Stiftung Warentest 21 „Allroundcremes“ angesehen. Mit dabei waren neun Naturkosmetikmarken. Die Verbraucherschutzorganisation hat in ihrer Bewertung außerdem alle mit „sehr gut“ benoteten Zahncremes des vergangenen Jahres aufgenommen. Wichtige Kriterien im Test waren der Fluoridgehalt und wie stark die Paste gegen Verfärbungen wirkt. Die zentralen Ergebnisse:

  • 17 Pasten sind „sehr gut“. Testsieger ist die „Paradontax Extra Frisch Complete Protection“ von Paradontax, sie entferne Verfärbungen besonders gut. Ebenfalls überzeugen konnten unter anderem Produkte von Alviana, Colgate und Curaprox.
  • Mehrere Cremes schneiden mit „gut“ und „befriedigend“ ab. Acht Zahncremes erhalten die Bewertung „mangelhaft“, fast alle sind Naturkosmetik. Stiftung Warentest kritisiert, dass sie kein oder zu wenig Fluorid enthalten. Sie setzen stattdessen auf pflanzliche Zutaten wie Kokosöl, Salbei oder grünen Tee, von denen nicht wissenschaftlich erwiesen sei, dass sie vor Karies schützen.
  • Es gibt aber auch zwei Naturkosmetik-Cremes, die mit „sehr gut“ abschneiden: Alviana Bio Pfefferminze und Logodent Rundumschutz Zahncreme mit Fluorid.

400 Zahncremes bei Öko-Test (2019): Jede zweite fällt durch

Öko-Test hat einen umfassenderen Test mit 400 Zahncremes durchgeführt – und dort vor allem die Inhaltsstoffe deutlich kritischer betrachtet als Stiftung Warentest. Mit dabei war Universal-Zahnpasta, Sensitiv-Produkte, Zahncreme für weißere Zähne und für Milchzähne. Auch 65 Naturkosmetik-Zahnpasten hat Öko-Test untersucht. Die Ergebnisse im Überblick:

  • 116 Zahnpasten sind „sehr gut“
  • 27 Produkte erhalten die Note „gut“
  • 58 Zahncremes sind „befriedigend“ oder „ausreichend“
  • Fast die Hälfte aller Zahnpasten enttäuscht: 199 Produkte sind „mangelhaft“ oder „ungenügend“

Kritische Inhaltsstoffe im Zahnpasta-Test

Zahnpasta ist oft mit Fluorid angereichert
Zahnpasta-Test: Viele Produkte enthalten kritische Inhaltsstoffe (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Dass fast die Hälfte der Zahnpasten mit mangelhaft oder ungenügend durchfallen, liegt an mehreren Inhaltsstoffen. Rund jede vierte Zahnpasta enthält Natriumlaurylsulfat. Die Substanz bringt die Zahnpasta im Mund zum Schäumen. Allerdings ist Natriumlaurylsulfat Öko-Test zufolge vergleichsweise aggressiv und kann die Schleimhäute reizen.

Weitere problematische Inhaltsstoff sind Polyethylenglykole (PEG). Sie stecken in 91 Zahnpasten. Die Stoffe können die Schleimhäute durchlässiger für Fremdstoffe machen. Besonders kritisch ist außerdem der Wirkstoff „Triclosan“, den Öko-Test in vier Produkten fand. Triclosan kann Bakterien resistent gegen Antibiotika machen.

Öko-Test bewertet Zahnpasta ohne Fluorid im Test schlechter

Mikroplastik in Zahnpasta & Co.
Im Zahnpasta-Test fallen Zahncremes ohne Fluorid durch. (Foto: © complize / photocase.com)

Das Hauptproblem im Test war wie auch bei Stiftung Warentest jedoch Fluorid: In 85 Zahnpasten für Erwachsene steckte kein Fluorid – 51 davon waren Naturkosmetik-Produkte. Sie alle bewertete Öko-Test deshalb bestenfalls mit „mangelhaft“. Die Begründung: Die Zahnmedizin-Leitlinie empfehele Erwachsenen fluoridhaltige Zahnpasta, um gegen Karies vorzubeugen.

Allerdings gibt es auch Menschen, die sich bewusst gegen Fluorid in der Zahnpasta entscheiden. Kritiker befürchten, dass Fluorid eine toxische Wirkung hat womöglich sogar mit Schilddrüsenerkrankungen oder Nierenleiden in Verbindung steht. Belastbare Studien zur negativen Auswirkung von fluoridhaltger Zahnpasta gibt es unseres Wissens aber nicht. Die Menge von Fluorid in Zahnpasta ist so gering, dass man mehrere Tuben essen müsste, um sich zu vergiften.

Ebenfalls weit verbreitet ist die Meinung, dass Fluorid in Zahnpasta schlichtweg unnötig ist, weil wir den Stoff schon über die Nahrung aufnehmen. Auch auf unseren Social-Media-Kanälen melden sich immer wieder Leser, die berichten, dass sie keine flouridhaltige Zahnpasta benutzen und trotzdem gesunde Zähne haben.

Das sagen Naturkosmetik-Hersteller zu Fluorid

Einige Naturkosmetikhersteller wie etwa Weleda oder Dr. Hauschka verzichten auf Fluorid in Zahnpasta. Wir haben bei Weleda nachgefragt, warum das so ist. Die Antwort von Weleda: „Da Fluoride von Natur aus in verschiedenen Nahrungsmitteln wie z.B. Fisch, Getreide, Milch, Nüssen (vor allem Walnüssen) und in Wasser (z.B. Mineralwasser) enthalten sind, ist oft die individuell benötigte Dosis an Fluorid durch die Nahrung bereits erreicht. […] Eine Fluoridgabe als therapeutische Maßnahme kann bei Mangelerscheinungen angezeigt sein, sollte aber unserer Ansicht nach mit einem Arzt besprochen werden. […]

Dr. Hauschka sagt: „Aus unserer Sicht ist eine standardisierte Gabe von Fluoriden über Zahncremes nicht notwendig. Vielmehr sollte eine Ergänzung durch Fluorid immer im Einzelfall vom Zahnarzt geprüft werden, denn der Bereich der optimalen Fluoridkonzentration ist sehr schmal. […]“ Würde man kontinuierlich zu viel Fluorid aufnehmen, steige das Risiko für eine Störung der Zahnschmelzbildung und bleibender Verfärbungen des Zahnschmelzes, erklärt der Naturkosmetikhersteller. Eine zusätzliche Supplementierung von Fluorid durch Zahnpflegeprodukte ist demnach nicht generell notwendig und sollte erst dann erfolgen, wenn eine tatsächliche Unterversorgung mit Fluorid ärztlich festgestellt wurde.“

Ob man durch Lebensmittel und Wasser tatsächlich ausreichend Fluorid zu sich nimmt, ist umstritten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt als Richtwert 3,1 bis 3,8 Milligramm Fluorid an, die ein Erwachsener täglich aufnehmen sollte. Öko-Test zufolge nehmen wir über die Nahrung täglich etwa 0,4 und 1,5 Milligramm zu uns. Letztlich liegt die Entscheidung bei dir, ob du Zahnpasta mit oder ohne Fluorid kaufen möchtest. Viele Naturkosmetikhersteller bieten beides an.

Zahnpasta-Test: Naturkosmetik ohne bedenkliche Inhaltsstoffe

Abgesehen von dem fehlenden Fluorid hatte Öko-Test an den Naturkosmetik-Produkten wenig zu kritisieren. Nur zwei Pasten enthielten kritische Inhaltsstoffe: In einer Marke steckte Natriumlaurylsulfat, in einer anderen Silbersulfat. Bei allen anderen Produkten waren die Inhaltsstoffe unbedenklich.

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(15) Kommentare

  1. Fluorid habe ich ebenfalls längst aus meinem Bad verbannt, sowie andere Schadstoffe in Kosmetik. Eine gründliche und klar aufgelistete Recherche zu dem Fluorid-Schwindel habe ich in diesem Buch gelesen:

    https://www.amazon.de/Giftcocktail-K%C3%B6rperpflege-schleichende-Tod-Badezimmer/dp/3941956019/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&linkCode=ll1&tag=utopia012-21&linkId=eec01c331c846f55ef1931f73f5d74f2&language=de_DE

    Dort sind auch weitere Recherchen zu unnötigen und schädlichen Stoffen in Kosmetik aufgeführt. Es war sehr informativ zu lesen.