Aldi Süd Grünstrom: Ökostrom vom Discounter?

Aldi Süd Grünstrom
Screenshot: aldi-gruenstrom.de

Vor kurzem überraschte Aldi Süd mit der Ankündigung, ab 2017 klimaneutral handeln zu wollen – jetzt gibts im Discounter auch noch „Grünstrom“ zu kaufen. Steckt da womöglich ein Wurm im Apfel?

Unter dem Slogan „Einfach. Natürlich. Günstig.“ bietet die Unternehmensgruppe Aldi Süd künftig auch Grünstrom an. Wird die Discounter-Kette zum Ökostrom-Anbieter? Könnte ja sein, immerhin haben schon über 1000 Aldi-Märkte und Logistikzentren Solarzellen, deren Strom Aldi Süd nach eigenen Angaben zu 80 Prozent nutzt (für Beleuchtung, Kühlregale, Tiefkühltruhen, Backautomaten) und zu 20 Prozent ins Netz einspeist. Ende 2016 sollen von rund 1860 Aldi Süd Filialen über 1200 Filialen und 31 Logistikzentren mit Solaranlagen ausgestattet sein. Über eine ISO-50001-Zertifizierung verpflichtet sich das Unternehmen zum Energiesparen und will ab 2017 selbst nur noch Ökostrom nutzen. Und mit Stromtankstellen unterstützt man die Mobilitätswende hin zum Elektroauto. Gut so.

Wie gut ist Aldi Süd Grünstrom?

Allerdings lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Kunden können „ab dem 21. November 2016 bis zum 8. Januar 2017“, also nur in einem begrenzten Zeitraum, „nachhaltigen Ökostrom beziehen und so zur Energiewende beitragen“. Aldi Süd verkauft also lediglich in einer vorübergehenden Aktion den Strom anderer Produzenten.

Der Preis kann dabei regional unterschiedlich sein und von Ort zu Ort leicht variieren. Während der Vertragslaufzeit von zwölf Monaten gewährt Aldi Süd aber eine Preisgarantie. Der Grünstrom kann online oder über telefonisch bestellt werden.

Der Strom selbst kommt vom Online-Energieversorger 123energie, der wiederum zu den Pfalzwerken gehört. Ist das nun schlecht oder gut?

Gut:
Der Tarif 123energie Ökostrom Premium wird in der EcoTopTen-Liste Ökostromtarife des Öko-Instituts aufgeführt, genügt also deren Kriterien. Der Aldi-Süd-Grünstrom ist nicht identisch, stammt aber zu 100 Prozent aus Wasserkraftwerken in der Schweiz, die mit TÜV SÜD Erzeugung EE zertifiziert sind. Lieferant 123energie war nach eigenen Angaben Gewinner des deutschen Fairness-Preises 2016 in der Kategorie „Stromanbieter überregional“ (DISQ 10/2016) und erhielt das Kundenurteil „sehr gut“ im ServiceAtlas Energieversorger 2016 (08/2016) – um seine Kunden bemüht sich das Unternehmen demnach gut.

Weniger gut:
Öko-Test hatte sich die EcoTopTen-Liste näher angesehen und die Anbieter einer eigenen Betrachtung unterzogen. Unter den mit „sehr gut“ bewerteten Tarifen im Sonderheft Öko-Test Energie 10/2016 sind weder 123energie noch Pfalzwerke zu finden. Auch gehören die Pfalzwerke eben unter anderem dem Energiekonzern RWE. Und im Stromix der Pfalzwerke befindet sich noch Kernenergie – laut Stromkennzeichnung.

Besser wäre:
Wir empfehlen derzeit diese 7 Ökostromanbieter. Ihr Strom wird aus erneuerbaren Energien hergestellt, sie sind unabhängig von den vier großen Atomkonzernen, sie werden oft auch von namhaften anderen Organisationen empfohlen und sie fördern aktiv den Ausbau erneuerbarer Energien.

Ist Aldi Süd Grünstrom also schlecht? Nein, es ist eben Grünstrom, über den man einiges wissen sollte. Und 123energie ist kein reiner Ökostrom-Anbieter, sondern ein Anbieter von sowohl Ökostrom als auch konventionellem, also schmutzigem Strom. Die Pfalzwerke befinden sich zudem zu über 26,7 % (Konzernbericht 2015) im Besitz von RWE. Uns überzeugt das alles nicht restlos. Wer das Angebot von Aldi selbst sehen will: aldi-gruenstrom.de

Utopia meint: Wir finden es gut, das Aldi Süd im Bereich von Nachhaltigkeit viele kleine Schritte wagt und durch die Bewerbung seines Ökostrom-Aktionsangebots auch mehr Aufmerksamkeit auf das Thema lenkt. Noch besser hätten wir es natürlich gefunden, wenn sich Aldi Süd als Partner einen reinen Ökostromanbieter ohne konventionelles Zweitprodukt gesucht hätte – na, vielleicht bei der nächsten Aktion. Wer wirklich weg will von Kohle und Atom, dem empfehlen wir aber weiterhin diese 7 Ökostromanbieter.

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(4) Kommentare

  1. Die Kapazitäten an Wasserkraft, in der Schweiz und Österreich sind nicht unendlich, es kann nur eine gewisse Menge an Strom produziert werden. Alle verfügbaren Plätze scheinen belegt, lediglich die Anpassung an die fortschreitenden Technologien können noch das ein oder andere KW geben. Aber zum Glück für die Wasserkraftwerke gibt es im nahen Tschechien das ein oder andere Atomkraftwerk, welche helfen die Lieferengpässe zu kompensieren. Als Wasserkraft verkaufter Atomstrom bleibt dennoch was es ist. Leider ist für mich als Verbraucher das ganze kaum zu überblicken. Es hilft nur zu schauen wer wirklich hinter dem Angebot steht um sich dann die Frage zu stellen: kann es sein das dieser Energiegigant, deren Lobbyisten alles tun um jeden Ökostrom zu verhindern, mir sauberen Strom verkaufen, oder wollen sie nur ein Stück des Lifestyles bedienen, in dem sie den Menschen die etwas tun wollen eine Augenwischerei verkaufen, in der Hoffnung der Kunde wird es schon nicht merken?

  2. Ich kann mich Hr. Epp in punkto „Undurchsichtigkeit“ nur anschließen. Außerdem erlebe ich gerade hautnah, dass auf Grund der EEG-Umlage derzeit in meiner Heimat auf Gedeih und Verderb WKAs mit fraglicher Rentabilität gebaut und dafür eine schöne Landschaft mit großen Waldflächen samt geschützten Vogelarten ( Schwarzstorch, Rotmilan…) geopfert werden sollen. Das Ganze ( diese Art der Energiewende ) ist schlicht unausgereift…

  3. Die Schweizer Wasserkraftwerke sind alle schon mehrere Jahrzehnte alt. Der Strom wurde seitdem immer verbraucht. Wenn jetzt Aldikunden diesen Strom kaufen kann er eben nicht mehr von den alten Kunden verbraucht werden. Die werden dann wieder mit Atom- oder Kohlekraft versorgt. Z. B. auch mit Strom aus überflüssigen deutschen Kohlekraftwerken.
    Es macht nur dann Sinn Ökostrom zu beziehen wenn er in neugebauten Anlagen produziert wird, also zusätzlich auf den Markt kommt.

  4. Die Photovoltaik auf den Aldidächern hat nichts mit Umweltschutz zu tun. Das ist für Aldi ein angenehmer Nebeneffekt. Die Anlagen sind vor allem wirtschaftlich sinnvoll.

    Der Strompreis für Gewerbebetriebe beträgt etwa 20ct/kWh. Selbstgenutzter Strom aus der eigenen Photovoltaik kostet ca. 8ct/kWh inklusive der Kreditraten. Überschüssiger Strom kann für 12,5ct/kWh verkauft werden. Wenn der Kredit nach 8-10 Jahren abgezahlt ist kostet der eigene Strom nur noch ca 5-6ct/kWh. Eine Anlage hält ca 25 Jahre ohne viel Wartung oder Komplikationen.

    Jeder Unternehmer, der nicht versucht soviel wie möglich von seinem Stromverbrauch selbst zu erzeugen, ist dumm.

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