Verdeckte Aufnahmen zeigen: Amazon vernichtet weiterhin Neuware

Foto: Unsplash/ Yender Gonzalez, Screenshot: Twitter/ Greenpeace Investigativ

Neuwertige Kleidung, Bücher, Spielzeug, sogar Elektro-Ware – Amazon zerstört weiterhin systematisch Neuware. Das belegen unter anderem Bildaufnahmen aus einem Zentrum in Niedersachsen. Dabei sollte ein neues Gesetz eigentlich genau diese Praxis verhindern.Der Online-Versandhändler Amazon lässt in Deutschland immer noch Neuwaren vernichten – das geht aus einer Recherche der Umweltorganisation Greenpeace hervor, welche das NDR-Magazin „Panorama“ und die „Zeit“ anhand eigener Quellen geprüft haben. Greenpeace hatte einen Rechercheur in das Amazon-Logistikzentrum in Winsen (Niedersachsen) eingeschleust, wo er heimlich Fotos und Filmaufnahmen anfertigte.

Diese zeigen unter anderem sogenannte „Destroy-Stationen“, an denen die originalverpackte Ware ausgepackt, nach Wertstoffklassen sortiert und in Abfallsammelbehälter geworfen wird. Laut Greenpeace soll wöchentlich etwa eine LKW-Ladung Neuwaren am Standort Winsen in die Entsorgung geschickt werden. Informationen von „Panorama“ und „Zeit“ zufolge wird die Ware unter anderem verbrannt oder zu Putzlappen verarbeitet.

Greenpeace kritisiert, dass dies geschehe, obwohl 2020 ein Gesetz gegen diese Praxis in Kraft getreten ist. Die sogenannte „Obhutspflicht“ soll Unternehmen strenger in die Verantwortung nehmen. Sie schreibt vor: „beim Vertrieb der Erzeugnisse, auch im Zusammenhang mit deren Rücknahme oder Rückgabe, dafür zu sorgen, dass die Gebrauchstauglichkeit der Erzeugnisse erhalten bleibt und diese nicht zu Abfall werden“. Doch bisher fehlt eine Rechtsverordnung, die Strafen androht, wenn die Obhutspflicht verletzt wird.

In dem folgenden Video ist zum Beispiel zu sehen, wie ein Loriot-Buch zerstört wird:

Wegen hoher Lagergebühren wird Neuware entsorgt

Die vernichtete Ware stammt laut Informationen von „Panorama“ und „Zeit“ vor allem von Dritthändlern. Wenn diese ihre bei Amazon gelagerte Ware über einen bestimmten Zeitraum nicht verkaufen, bietet ihnen der Onlinehändler an, sie für sie zu entsorgen – sonst würden hohe Langzeitlagergebühren anfallen. Auch für die Entsorgung soll Amazon eine Gebühr verlangen.

amazon mülleimer
Greenpeace postete heimlich aufgenommene Fotos auf Twitter. Hier: Ein „Restmüll-Eimer“ im Amazonlager in Winsen. (Screenshot: Greenpeace Investigativ)

Amazon bestreitet Vorwürfe nicht

Inzwischen hat sich Amazon zu den Vorwürfen geäußert. Laut Tagesschau bestreitet der Online-Riese die Vernichtung von Neuwaren nicht. Ihm zufolge befände sich die Zahl der entsorgten Produkte aber im „Promillebereich“, wobei der Konzern jedoch keine konkreten Mengen nennt. Aber man arbeite daran, möglichst gar keine Produkte zu deponieren. „Nur wenn wir keine andere Möglichkeit mehr haben, geben wir Artikel zum Recycling oder zur Energierückgewinnung – oder als allerletzte Option – zur Deponierung.“ 

Dies ist nicht das erste Mal, dass Amazon in der Kritik steht, weil der Konzern Neuwaren zerstört. 2018 wurde beispielsweise durch die Wirtschaftswoche und das ZDF-Magazin Frontal21 bekannt, dass in deutschen Logistik-Lagern von Amazon massenhaft Artikel aller Art entsorgt werden. Der Konzern hatte dies wiederum nicht abgestritten, sondern nur erklärt, dass das Unternehmen jeden Tag an der Verbesserung von Prozessen arbeite, um „so wenig Produkte wie möglich entsorgen zu müssen“. 

Mit dieser absurden Geschäftspraktik steht Amazon übrigens nicht allein da. 2018 wurde bekannt, dass auch H&M massenweise Klamotten vernichtet hat.

Utopia meint: Diese Nachricht zeigt mal wieder, dass wir Kund:innen unser Kaufverhalten hinterfragen sollten. Denn es sind wir, die massenhaft Produkte bestellen und zurückschicken. Doch das massenhafte Zerstören von Neuware und funktionierenden Artikeln ist in einem Wort gesagt: krank. Und selbstverständlich muss Amazon schleunigst damit aufhören. Dass es scheinbar effizienter ist, Neuware zu zerstören als sinnvoll weiterzuverwenden zeigt, dass im System Onlinehandel etwas grundsätzlich nicht stimmt.

Weiterlesen auf Utopia.de: 

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(8) Kommentare

  1. Wirklich bizarr ist, dass ausgerechnet Utopia massenweise auf Amazon verlinkt, wenn es um Produktempfehlungen geht.
    Beispielsweise in diesem Artikel:
    https://utopia.de/galerien/10-erstaunliche-dinge-die-es-auch-ohne-plastik-gibt/
    Kaum eine Seite ohne einen Hinweis „Bei Amazon“ oder (erhältlich** bei: xxx oder Amazon).“. Das ist peinlich Utopia!

    Ungefähr so als wenn Greenpeace empfehlen würde, doch mal bei Monsanto nach Tipps für gesundes Leben zu googlen oder „grünen Strom von RWE“ zu kaufen.

    Hallo? Geht’s noch?

    Und mehr noch: Kritik daran verhallt auch seit Jahren ungehört. Das ist echt richtig pervers … darum jetzt auch endlich mal einen Kommentar von mir zu einem Artikel :-((

    Öfter mal schaue ich gerne nach Hinweisen bei Utopia, wie so viele – aber das stößt mir regelmäßig gewaltig auf.

  2. In dem erwähnten Artikel wird mit Produktempfehlungen sowohl auf Amazon als auch auf Waschbär, Avocadostore uvm. verlinkt. Also was stößt genau auf? Onlineversandhandel an sich oder der Nicht-Boykott von Amazon?

  3. Ganz deutlich: Amazon als Link für den Bezug an sich einzupflegen – und zwar bei gefühlt 30%-50% aller Links für Bezugsquellen an sich.

    Utopia ist zu Recht voll von kritischen Stimmen/Artikeln über Amazon – verlinkt dabei jedoch regelmäßig auf Amazon-Seiten wenn es um’s kaufen geht. Das passt für mich überhaupt gar nicht zusammen.

  4. Skandal aufgedeckt? Weil Amazon das tut, was jeder andere Händler auch macht? Das ich nicht lache… Natürlich steht bei Amazon ein ganz anderes Umsatz-Volumen dahinter, nur daher wirken die Zahlen so krass hoch…
    Und der Einzelhandel räumt seinen Kunden in der Regel genauso freiwillig Umtauschrechte ein (Was im Onlinehandel nunmal sogar gesetzlich verankert ist!) bis hin zu „Umtausch ohne wenn und aber“, sogar von Fremdware, das landet genauso in der Tonne!
    Da kann sich jeder grundsätzlich selber an die Nase fassen, warum wir diesen aberwitzigen Konsum betreiben und das dann solche Auswüchse bewirkt!

  5. Nun, es ist und bleibt ein Skandal. Auch bzw. gerade wenn es andere ebenso machen! Amazon steht wie im Artikel auch erwähnt, hier exemplarisch für das System, welches letztlich dahinter steckt. Darauf das im Grunde jede/r daran Beteiligte (auch der/die Konsumentin), die Mitverantwortung trägt, wird ebenso in dem Artikel aufmerksam gemacht! („Dennoch sollten sich auch alle Amazon-Kunden kritisch fragen, ob sie weiterhin beim munteren Artikel-Hin-und-Zurückschicken mitmachen wollen. Der Online-Handel bewegt absurd viele Produkte durch die Welt und dass es scheinbar effizienter ist, Neuware zu zerstören als sinnvoll weiter zu verwenden ist mehr das Symptom als die Ursache.“)

  6. ALLE machen das, seit ewigen Zeiten!
    Z.B. auch Otto-Versand: Wenn zu alt oder schwer verkäuflich, dann ab in die Müllpresse…
    Was bei Lebensmitteln bekannt, ist anderswo auch so.

    Fragen Sie doch mal die Kalkulatoren in den Firmen!
    WARUM gibt es kein Interview mit Insidern?
    Alle Firmen machen das!