Edeka will Mars, Red Bull und Heineken boykottieren

Fotos: colourbox.de, CC0 Public Domain / Pixabay

In den Supermarktregalen könnten in den nächsten Wochen einige Produkte fehlen: Edeka hat zu einem Bestellstopp für Artikel von Mars, Red Bull und Heiniken aufgerufen. Eine Taktik, die Edeka schon einmal erfolgreich angewandt hat.

Es ist ein ungewöhnlicher Schritt: Mitten im Weihnachtsgeschäft startet Edeka den nächsten Handelsstreit. Erst Anfang des Jahres hatte die Supermarkt-Kette mehr als 160 Nestlé-Produkte aus dem Sortiment genommen, um bessere Lieferpreise auszuhandeln.

Auch jetzt geht es wieder um die Preise. Das Einkaufsbündnis „Agecore“, zu dem auch Edeka gehört, will für 2019 bessere Konditionen erzielen. Laut Lebensmittelzeitung sollen sich die Preise um mindestens 0,8 Prozent verbessern. Um das zu erreichen, habe Edeka einen Bestellstopp gefordert: 56 Produkte von Mars, 21 von Red Bull und 14 von Heineken werden demnach ausgelistet.

Edeka war schon einmal erfolgreich

Mit dabei seien im ersten Schritt Marken wie Amicelli, M&M’s, Wrigley‘s und Pedigree. Je nachdem wie Mars, Red Bull und Heineken reagieren, könnten weitere Marken folgen.

Dass die Taktik funktioniert, zeigt der Streit mit Nestlé: Nach mehreren Monaten Boykott einigten sich Nestlé und Edeka auf eine „ausgeglichene Vereinbarung“.

Edekas Boykotte zeigen: Es geht auch ohne die Großkonzerne

Lebensmittelkonzerne
Die Macht der Lebensmittelkonzerne (Foto: "Illusion of Choice Consumer Brands" von Visual Capitalist)

Eigentlich gäbe es jedoch ganz andere Gründe, die großen Lebensmittelkonzerne zu boykottieren. Immer wieder stehen Unternehmen wie Nestlé oder Mars in der Kritik: Weil in Produktionsstätten teilweise Arbeiter ausgebeutet werden, sie Palmöl aus Regenwald-Plantagen beziehen, wegen irreführender Werbeversprechen oder Lebensmittelskandale.

Dass Edeka solche Konzerne jedoch überhaupt boykottieren kann, ist vielversprechend. Nestlé und Mars gehören zu den größten Lebensmittelkonzernen der Welt, Heineken ist der zweitgrößte Brauereikonzern weltweit. Der Edeka-Boykott zeigt: Trotz ihrer Marktmacht geht es prinzipiell auch ohne diese Marken.

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(9) Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch, Edeka!!!
    Das ist einfach super und das richtige Zeichen! Hut ab dafür!

    Wenn ihr jetzt noch das Gemüse Zeug weglasst, das aus dem giftigen China kommt (Ingwer z.B.), dann verneige ich mich gleich noch mal. 😉

  2. Das kann auch mal mächtig nach hinten losgehen:
    Wenn die Konzerne sich einig sind, den Spieß umdrehen und Edeka nicht mehr beliefern, dann kann Edaka seine Läden mangel Kundschaft dicht machen.
    Wr sich beim Pokern überreizt, der kann „Sack und Seele“ verlieren …

  3. Ich denke nicht so zögerlich und finde , dass genau diese Vorsicht die Gegenseite stärkt. In deinem Beitrag erwähnst du den wesentlichen Faktor: Die Kundschaft ! Auch wenn wir als Kunden NIE gefragt werden, können wir unseren Willen ausdrücken indem wir halt nicht nach Taurinpritschelwasser lechzen. Ich versuche Netle auszuweichen, wo es nur geht.

  4. Edeka hier abzufeiern halte ich für fehl am Platz.
    Der einzige Grund warum boykottiert wird, ist schließlich der Preis. Die anderen genannten nobleren Gründe interessieren einen Händler mit 52 Milliarden Euro Umsatz genauso wenig wie dessen Lieferanten.
    Und wer bekommt am Ende 0,8% weniger vom Kuchen? Mars, Heineken und Red Bull sicherlich nicht, weil der diese Margenreduktion wiederum an seine Lieferanten weitergibt. Und dann wundern sich alle, warum der kleine Bauer so wenig für sein Erzeugnis erhält.

  5. Bei diesen Firmen ist der Lieferant ohnehin im Anus. Umgekehrt würden die Lieferanten keinen Cent mehr erhalten bei einer 20% Preissteigerung, leider. Ansonsten stimme ich dir zu: es geht nur ums Geld.
    Leider fällt mir in letzter Zeit auf, dass Utopia gerne diverse Ereignisse im Artikel dann an die eigene Leitlinie anpasst. Auch diverse „Duröhren“ Vids oder Twitter Accounts werden nicht nachrecherchiert, obschon man schon an den Account Beschreibungen erkennen könnte welch Geistes Kind hier herrscht.

  6. Ich kenne eine Firma,die ihre Preisvorteile beim Lieferanten an den Kunden weiter gibt und deshalb seit Jahrzehnten stabile Preise hat:
    Ausgerechnet die sonst so gescholtene Firma McDonalds.
    Vor 20 Jahren kostete der Cheeseburger dort 1,99 DM, heute kostet er 99 Cent.
    Ansonsten bin ich sehr erfreut, daß ich mit meinem Eindruck hinsichtlich der Berichterstattung von Utopia nicht allein in der Welt stehe …

  7. Edeka sollte nicht zu sehr gelobt werden. Es sind großkapitalistische Beweggründe, die das Unternehmen hat, keine ethisch verantwortlungsvolle Maxime oder besonderer Goodwill.

  8. Wer halbwegs gesund und vor allem regional einkaufen will, braucht den Mist sowieso nicht. Das Zuckerzeug und Einheitsbier auch noch billiger unter´s Volk werfen zu wollen, verdient meiner Ansicht nach wirklich kein Lob. Ein Boykott zur Reduzierung des Zuckergehalts wäre mal interessant, aber wohl kaum von Erfolg gekrönt.

  9. Die ganze Aktion von Edeka ist – wie hier auch schon mehrfach festgestellt wurde – nichts anderes als eine unternehmerische Entscheidung, um den Lieferanten ein wenig Druck zu machen.
    Man könnte es auch Kapitalismus par excellence nennen.
    Deswegen weiß ich nicht, was diese versteckte Werbung für Edeka hier verloren hat.

    Ist vielleicht an den hier immer wieder auftauchenden Gerüchten, Utopia sei gekauft am Ende doch was dran?