eXo/nat: Öko-Architektur der Zukunft

Öko-Haus exo/nat
Bild: © Miccoli Architektur

Eine Glaskuppel, viel Raum und Licht und ein Garten mitten im Haus – das eXo/nat-Projekt versteht sich als „Konzept für eine neue Bau- und Lebensart“. Die Idee ist vielversprechend: Das Kuppelhaus ist individuell, gesund und nachhaltig.

Das Haus ist dabei zunächst nicht als Serienmodell gedacht: Der Entwurf für das geräumige Kuppelhaus ist laut Erfinder „nur eine von unzähligen Realisierungsmöglichkeiten“. eXo/nat soll ganz individuell gestaltbar sein – und wäre somit auch dem jeweiligen Budget anpassbar.

Verschmelzung von innen und außen

Der Entwurf soll Nachhaltigkeit mit einer neuen Lebensqualität verbinden: eXo/nat will ein Stück Natur nach drinnen bringen und gleichzeitig die Bewohner näher an die Natur. Aufgrund des ständigen Kontakts mit der Umgebung bekomme auch der Biorhythmus des Menschen mehr Orientierung, heißt es in der Projektbeschreibung – das Wohnen im Glashaus soll förderlich für die körperliche und geistige Gesundheit sein.

Öko-Haus exo/nat: Innenansicht
Innen uns Außen verschmelzen: Blick aus dem ersten Stock ins Erdgeschoss (Bild: © Miccoli Architektur)

Das Haus lässt in jeder Hinsicht die Grenzen von innen und außen verschwimmen: Das eXo/nat-Konzept sieht vor, nicht nur durch die Glasflächen die umgebende Natur sichtbar zu machen, sondern (Nutz-)Pflanzen auch im Innenraum zu anzupflanzen – ein Traum für Selbstversorger.

Die Glaskuppel würde dabei dafür sorgen, dass auch bei niedrigeren Temperaturen Lebensmittel angepflanzt werden können. Sogar exotische Gewächse können am richtigen Standort unter der Glaskuppel wachsen. Aufgrund seiner Kuppelform könnte das Haus in kühlen und gemäßigten Klimazonen wie in Deutschland die Vegetationsperiode für Nutzpflanzen verlängern und so Ernteerträge steigern.

Neue Lebensräume erschließen

Das Haus könnte durch individuelle Anpassungen fast überall gebaut werden – auch in eher unwirtlichen Gegenden. Architekt Joshua Miccoli findet: Während Wohnraum in den wachsenden Städten immer knapper wird, gibt es kaum Konzepte, die auch weniger wertvolle Grundstücke nutzbar machen. eXo/nat will durch seine Bau- und Funktionsweise auch Gebiete wie beispielsweise Wüstenränder und karge Gegenden der Erde bewohnbar machen.

So soll das Haus aussehen

Die Glaskuppel, die dem Haus sein außergewöhnliches Aussehen gibt, soll etwa zwei Meter tief im Boden stecken und „nutzt so die dort konstanten Bodentemperaturen zur Grundtemperierung.“ Unter der gewölbten Kuppel finden drei Stockwerke Platz. Nach Angaben des Architekturbüros kann der Innenausbau zum Großteil selbst ausgebaut werden.

Öko-Haus exo/nat: Essbereich
Eine Rampe soll die drei Stockwerke verbinden. (Bild: © Miccoli Architektur)

Die drei Ebenen sollen nach der Vision des Architekten über Rampen verbunden sein. „Die Rampe führt entlang eines durch den Raum gespannten Fang-, Kletter- und Relax-Netzes vorbei, in der Art eines Wipfelpfads, bis auf den Glasboden des oberen Geschosses,“ schreibt der Architekt auf seiner Website.

Sein Entwurf sieht die Räume im ersten Stock als nestförmige „Baumhäuser“. Sie sollen im Boden extra Stauraum bieten. Im Erdgeschoss soll neben Küche, Essbereich und Abstellraum auch der Indoor-Gemüsegarten liegen. Doch das ist nicht das einzig ungewöhnliche Element: Ein kleiner Bach soll auf dieser Ebene die verschiedenen Bereiche verbinden und das Mikroklima unterstützen. Die unterste Ebene enthält neben einem Wohn- und einem Technikbereich eine Art „Höhle“ , im Entwurf ist sie als „Kino“ gekennzeichnet.

Öko-Haus exo/nat: Querschnitt
Der Entwurf für den eXo/nat-Prototypen (Bild: © Miccoli Architektur)

Energieeffizient und fast autark

Die Verglasung der Kuppel sorgt für viel Licht und Wärme, was Energie für Beleuchtung und Heizung einspart. Ein Teil der Glaskuppel soll zudem mit Solarmodulen versehen werden, die Strom und Wärme für das Haus erzeugen. Die Wärmeenergie wird in einem Saisonalspeicher gespeichert; dieser Speicher soll auch die Heizung versorgen – in Kombination mit einem Kaminofen.

Öko-Haus exo/nat: Schlafzimmer
So könnten die Schlafzimmer aussehen. (Bild: © Miccoli Architektur)

Um zu vermeiden, dass im Haus schwül-heißes Gewächshaus-Klima entsteht, sorgt ein gut durchdachtes System von mit Sensoren gesteuerten Fenstern für Lüftung und Kühlung.

Rund um das Haus soll ein Ring Regenwasser aufnehmen, das von der Hülle abfließt. Das Abwasser wird in einem „Kompaktklärwerk“ gereinigt und dann für die WC-Spülung oder zur Bewässerung genutzt. Auch zur Herstellung von eigenem Pflanzendünger könnte das Abwasser genutzt werden.

Öko-Haus exo/nat: Wohnbereich
Ein kleiner Bach mitten im Haus soll das Mikroklima verbessern. (Bild: © Miccoli Architektur)

In Zukunft aus dem 3D-Drucker?

Dass noch kein eXo/nat-Haus in der vom Architekten erträumten Form steht, könnte daran liegen, dass der Bau sehr aufwendig und damit kostspielig ist: Architekt Joshua Miccoli glaubt, „dass man 1,5 Mio. € investieren können sollte – für den Prototyp. Ein solches Gebäude wurde noch nicht gebaut, man betritt an vielen Stellen Neuland.“ Alleine die aufwendige Tragekonstruktion der Kuppel schlucke über ein Drittel der Kosten. Allerdings hoffe Miccoli, dass die Kuppelkonstruktion in Zukunft zu einem Bruchteil der Kosten direkt vor Ort 3D-gedruckt werden könnte.

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(1) Kommentar

  1. Im letzten Absatz wird es deutlich: Es ist kein Haus der Zukunft! Es ist ein Haus für ein paar Wenige -mehr nicht. Nicht Öko! Nicht Nachhaltig! Nicht Zukunft!
    Als Schlagwort ist Nachhaltig genannt. Was ist da Nachhaltig? Ok, wenn man als Laie nicht weiß was Nachhaltig bedeutet, dann sei es verziehen. Nachhaltig/Öko ist das Haus jedoch nur, wenn man beschränkt betrachtet.
    Ich seh schon die Bauschäden, Kosten Bauunterhalt/Instandsetzung, den Aufwand den kleinen Bach in Ordnung zu halten etc. Ganz davon abgesehen: Die Kosten, der Technische Ausbau, Einbauten und Möbel, die versiegelte Fläche – man mag sich gar nicht ausdenken wie die Landschaft aussehen und was mit der der Natur geschehen würde – zersiedelt, zersiedelt – Lebensraum für Flora/Fauna zerstört oder zumindest reduziert… aber Öko-Architektur der Zukunft…die Ökobilanz wäre noch interessant, toll wird sie nicht sein.
    Standort? Waldrand? Außenbereich? Verkehrswege gibt es nicht? Wie die Mobilität? Tolle Animation(en) die leicht beeindrucken können, wer nicht mitdenkt…(Politik: Gebt mehr Geld für Bildung aus).
    Prinzipiell nichts gegen das Haus: Aber hier bei Utopia, mit dem Wort Zukunft in der Überschrift und – leider wiederholend – Nachhaltig als Schlagwort zu setzen, einen Artikel veröffentlichen welcher keinerlei Reflexion mit dem Thema offenbart, erschreckt mich ziemlich. Oder habe ich „Anzeige“ übersehen?
    Ähnlich, vor etwa einem Jahr in „enorm“, es wurde ein innovatives StartUp aus Bayern (?) vorgestellt: Urwald-Laub (Amazonasgebiet, Indonesien) importieren um leichtes Einweggeschirr zur Grillsaison für unsere Wegwerfgesellschaft herzustellen, biologisch abbaubar – ohne Worte, oder?

    Das Haus der Zukunft: In der Stadt, mehr Menschen pro qkm, Nachverdichtung der Städte, volles auslasten der Infrastruktur (Kanal/ÖPNV), flexibel/umbaufähig/vernetzt/langlebig-dauerhaft, ökologisch/gesunde Baustoffe, wirtschaftlich/lebenszyklusorientiert, saubere Energie – mit dem Menschen im Mittelpunkt!

    Liebes Utopia, liebe Schreiberin: Nachhaltigkeit und speziell der Baubereich, sind seit vielen Jahren mein Spezialgebiet. Wissenstransfer ist Teil meines Angebots. Global, holistisch, Blick weit über den Tellerrand – dabei kritisch, reflektierend – auch selbst, das ist mein Vorgehen, mein Anliegen. Nur so schaffen wir den Schritt in eine lebenswerte Zukunft.
    Wenn Sie mögen: Ich bin als Dozent buchbar und gebe mein Wissen gerne weiter. Manchmal auch für den guten Zweck – wenn ich überzeugt bin.
    SAMberlin

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