Fair Trade Studie: Essen ist Macht

Bananenpflücker in Ecuador
Foto: TransFair e. V.

Eine Fair Trade Studie legt höchst bedenkliche Konzentrationen von Macht in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten offen.

Organisationen aus dem Umfeld des fairen Handels fordern die Bundesregierung auf, für soziale Mindeststandards in globalen Lieferketten zu sorgen. Eine Studie mit dem Titel „Wer hat die Macht? Machtkonzentration und unlautere Handelspraktiken in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten“ stellt hierzu umfassend die Benachteiligung kleinbäuerlicher Produzenten dar.

Zu den Hintergründen von Fair Trade lesen Sie bitte auch: Fairer Handel: Die wichtigsten Fragen & Antworten und den Ratgeber: Diese Produkte sollten Sie fair kaufen.

Wo sich die Macht konzentriert

Unfairer Handel?
Unfairer Handel? (Grafik: Camille Poulie)

Die Studie legt eine massive Machtkonzentration entlang von landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten offen: Einige wenige Unternehmen kontrollieren weltweit die Produktion und Vermarktung von Lebensmitteln. Zehn starke Marken – darunter Nestlé, Unilever, Danone – würden bereits 15 Prozent des Einzelhandelsumsatzes auf sich konzentrieren, fünf Einzelhändler – etwa Aldi, Lidl, Metro Group – sogar 50 Prozent des Marktes in Europa kontrollieren.

Laut Studie kontrollieren beispielsweise nur drei Konzerne die Hälfte der globalen Kakao-Verarbeitung und fünf weitere Konzerne den Schokoladenmarkt. Alle stammen aus den G7-Ländern oder der Schweiz. Als weitere Beispiele geht die Studie auf Bananenplantagen, Zuckerrohrproduzenten und die Marktdiskriminierung von Kaffeebauern ein, welche sich in Kollektiven organisieren wollen.

Die Folgen der Marktkonzentration

Die Lebensmittelindustrie in der Hand weniger Konzerne

Der Missbrauch von Nachfragemacht führe, so die Studie, zu unlauteren Handelspraktiken im europäischen Einzelhandel ebenso wie in den Produzentenländern und auf allen Ebenen der landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten. Dies habe in vielen Fällen schwerwiegende Auswirkungen auf Kleinbauern und Arbeiter insbesondere am Anfang der Lieferkette, sowohl in Europa als auch im globalen Süden: Die Folgen seien unsichere Lebensgrundlagen, Kinderarbeit, prekäre Anstellungsverhältnisse und Umweltzerstörung.

Das alles nähme die Konzerne der G7-Länder in die Pflicht, verstärkt dafür zu sorgen, dass es in ihren Zulieferketten nicht zu Menschenrechtsverletzungen kommt. Hierfür fordern die Fairhandels-Organisationen verbindliche gesetzliche Regelungen.

Die von Forum Fairer Handel e.V., GEPA, MISEREOR, TransFair e.V. und der Weltladen-Dachverband e.V. gemeinsam veröffentlichte deutsche Fassung der Studie des Fair Trade Advocacy Office in Brüssel zum Thema Marktmacht finden Sie hier: vollständig (PDF) und als Zusammenfassung (PDF).

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Zur Studie gibt es auch ein Video (englisch mit deutschen Untertiteln):

 

 

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(5) Kommentare

  1. Scary. Aber das Gedankenspiel kann man weitertreiben. Food processing dieser Konzerne macht krank (Salz, Zucker, GMO,…). Ergo, sieht die Pharma Landschaft nicht weniger machtkonzentriert aus.

  2. Um diese Macht zu brechen ist online das ideale Werkzeug. Nun kann der einzelne direkt beim kleinen Produzenten kaufen. Dies macht nun auch eine Genossenschaft von 400 Heumilch-Milchbauern mit unglaublich gutem Alpenkäse aus Vorarlberg, im Westen Österreichs. Das Projekt heisst „Alpen Sepp“ – siehe http://www.alpensepp.com. Es ist aber viel mehr als nur ein Käseshop.

    • Kingt gut die kleinen Bauern zu unterstützen und direkt dort zu kaufen. Allerdings sehe ich ein anderes Problem damit verbunden: Mir ist es auch wichtig, dass die Dinge die ich kaufe einen möglichst kleinen CO2 Fussabdruck haben. Wenn nun jeder sich seinen Käse oder was auch immer schicken lässt, so ist wesentlich mehr Verpackung, Kartons und Transportaufwand nötig, als wenn man im Supermarkt einkauft. Mein Eindruck ist eher, dass sich das Problem dann eher verlagert.

  3. Interessant wäre doch auch mal welche der Discountermarken zu den großen Konzernen gehöhren. Schließlich machen die ja einen großen Umsatz. Das kann man an dem wunderbaren Bild leider nicht sehen.

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