WM 2018: Fußballtrikots machen reich (bloß nicht die, die sie nähen)

WM Trikots: Tragen macht reicher als nähen
Foto: © Clean Clothes Campaign

Mit Fußball wird auch zur WM 2018 ordentlich Geld verdient, aber nicht überall: Den rekordverdächtigen Sponsoren-Verträgen der Fußballer stehen zum Beispiel die Hungerlöhne die Trikot-Näherinnen gegen. Die Initiative „Our Game“ will das ändern.

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Clean-Clothes-Kampagne „Foul Play“ (Foul-Spiel) einen Vergleich der Sponsorengelder für Nationalteams, Vereine und Fußballer mit den Hungerlöhnen von Tausenden von Frauen, die Trikots und Fußballschuhe nähen. Das Ergebnis ist bitter.

Wenn Nike und Adidas ihre Sponsorenverträge auf dem Niveau von 2012 gehalten hätten, statt sie deutlich zu erhöhen, hätten sie genug Geld gespart, um existenzsichernde Löhne an alle Arbeiterinnen in den Hauptproduktionsländern China, Vietnam, Indonesien und Kambodscha zahlen zu können.

„Das Tragen von Trikots wird eindeutig besser bezahlt als das Nähen“, sagt Konrad Rehling von Südwind, Mitinitiator von „Our Game“. „Arbeiterinnen und Arbeiter müssen endlich einen fairen Anteil am Geschäft mit den Sportartikeln bekommen!“, meint Rehling. „Immerhin würde es diese Produkte ohne ihre Arbeit schlichtweg gar nicht geben.“

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Adidas & Nike zahlen schlecht – nur ihre Arbeiter

22 der 32 Teams, die sich für die Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert haben, werden von Adidas und Nike gesponsert. Ein neuer Vertrag mit Adidas sichert laut „Our Game“ zum Beispiel dem deutschen Nationalteam bis zur nächsten WM 65 Millionen Euro an Sponsorengeldern pro Jahr, mithin das dreifache der Summe des letzten Vertrages.

Ein Großteil der Sportbekleidung von Adidas und Nike wird in Indonesien hergestellt. Die Arbeiter und Arbeiterinnen verdienen zwischen 82 und 200 Euro pro Monat. 80% der Beschäftigten des Sektors sind Frauen. Ihre Löhne wurden nicht verdreifacht.

„Trotz harter Arbeit können viele Frauen nicht einmal das Nötigste mit ihrem Lohn finanzieren, geschweige denn ihren Familien ein angemessenes Leben ermöglichen“, sagt Kurt Wachter von Fairplay-VIDC, Koordinator der Initiative ‚Our Game‘, die sich für bindende Menschenrechtsstandards bei Sportgroßereignissen einsetzt.

Nach dem Berechnungsmodell Asia Floor Wage (Asiatischer Grundlohn) müssten die Arbeiterinnen zumindest 363 Euro monatlich verdienen, um für sich und ihre Familie sorgen zu können. Raja, eine indonesische Gewerkschafterin, sagt: „Die Lohnkosten für ein in Indonesien produziertes T-Shirt machen kaum 1% des Ladenpreises aus. Mir erscheint es nur logisch, dass da die Lohnkosten ein wenig erhöht werden können, oder? Aber die Sportartikelmarken weigern sich bis jetzt, sich dafür einzusetzen.“

Verhandlungen über Lohnsteigerung und Maßnahmen gegen prekäre Beschäftigungen waren nämlich geplant, sind aber ins Stocken geraten. „Our Game“ fordert gemeinsam mit der Clean Clothes Kampagne und Gewerkschaften von Adidas und Nike, die Verhandlungen für bessere Löhne und fixe Anstellungsverhältnisse wieder aufzunehmen.

Was können wir als Konsumenten tun? Im Fall des Fußballs sehr wenig – außerhalb des Fußballs aber sehr viel, zum Beispiel indem wir faire Kleidung kaufen.

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