Iglo gewinnt Negativ-Preis für Brokkoli – und liefert absurde Stellungnahme

Foto: Oksana Churakova / stock.adobe.com

Lebensmittelhersteller Iglo verkauft Tiefkühl-Brokkoli, der aus Ecuador stammt. Dafür wurde das Unternehmen nun mit der „Konsum-Ente des Jahres 2020“ ausgezeichnet – einem Negativpreis für Lebensmittel. In einem Statement verteidigte Iglo den weit gereisten Brokkoli.  

Der österreichische „Verein für Konsumenteninformation“ (VKI) vergibt einmal im Jahr einen Preis für Lebensmittelprodukte, die besonders ärgerliche Verpackungen, Werbeversprechen oder Zutaten haben. Dafür sammelt er das Jahr über Beschwerden von Kund:innen und lässt dann über eine Auswahl an Produkten abstimmen.

In diesem Jahr ging die „Konsum-Ente“ an tiefgekühlten Brokkoli von Iglo. Der Grund: Iglo verarbeitet Brokkoli, der aus Ecuador stammt. „Der Hersteller, der in seiner Kommunikation die Herkunft seines Gemüses eng mit dem Marchfeld verknüpft, sorgte mit seinem tiefgefrorenen Brokkoli aus Ecuador für den größten Unmut“, teilte der VKI mit.

Brokkoli aus über 10.000 Kilometern Entfernung

Das Marchfeld ist ein etwa 900 Quadratkilometer großes Gebiet in Österreich. Dort wird viel Landwirtschaft betrieben, das Marchfeld gilt traditionell als „Kornkammer Österreichs“. Iglo wirbt auf der Unternehmenswebseite damit, unter anderem Erbsen, Spinat und Sojabohnen aus dem Gebiet zu beziehen.

Der tiefgekühlte Brokkoli aus Südamerika hat hingegen eine lange Reise hinter sich. Zwischen Österreich und Ecuador liegen mehr als 10.000 Kilometer Entfernung (Luftlinie). Den Brokkoli so weit zu transportieren und energieintensiv zu kühlen ist ein hoher Aufwand – und verursacht jede Menge Emissionen.  

Das sagt Iglo

Iglo hat sich bereits zu der Auszeichnung des VKI geäußert. Es sei das oberste Ziel, „Produkte immer dort zu beziehen, wo es die besten regionalen Bedingungen gibt“, sagte das Unternehmen in einer Stellungnahme gegenüber dem österreichischen „Standard“. Zugleich wolle Iglo eine breite Auswahl bieten. Versuche mit Brokkoli im Marchfeld seien an „Anbaukonzept und Struktur der ansässigen bäuerlichen Betriebe“ gescheitert. Deswegen habe man einen anderen Anbieter gesucht.

Diese Erklärung erscheint absurd – immerhin wird Brokkoli auch in Europa angebaut, allen voran in den westlichen Mittelmeerländern. Gab es zwischen dem Marchfeld in Österreich und Ecuador keinen näheren Ort, von dem Iglo Brokkoli hätte beziehen können?

Utopia  meint: Die „Konsum-Ente“ von Iglo zeigt mal wieder, warum es so wichtig ist, möglichst mit frischen Zutaten zu kochen. Tiefkühlkost hat oft lange Transportwege hinter sich, auch Fertigprodukte und Lebensmittel in Konserven oder Gläsern sind oft weit gereist. Iglo hat freiwillig auf der Packung angegeben, dass der Brokkoli aus Ecuador stammt. Im Normalfall bekommt man die weite Reise solcher Lebensmittel aber gar nicht mit: Hersteller sind nur bei frischem Obst und Gemüse verpflichtet, das Herkunftsland kenntlich zu machen.

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(2) Kommentare

  1. Der TK-Brokkoli von Bofrost kommt auch aus Lateinamerika. Das war für mich der Grund, nicht bei Bofrost Kund*in zu werden.
    Immerhin gibt Iglo die Herkunft an. Dann kann der/die Verbraucher*in selber entscheiden.
    Es müsste eine gesetzliche Vorschrift für die Kennzeichnung geben, ähnlich wie für frisches Obst und Gemüse.

  2. Versuche mit Brokkoli im Marchfeld seien an „Anbaukonzept und Struktur der ansässigen bäuerlichen Betriebe“ gescheitert.
    Heißt übersetzt: „Sie waren uns zu teuer“?