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Wegen Instagram-Tourismus: Beliebtes Naturparadies muss schließen

Foto: "190313 081 Lake Elsinore, Walker Canyon - Hill Top Drive Trail, Instagram nitwits trampling Echscholzia californica California Poppy" von cultivar413 unter CC-BY 2.0

Am Wochenende wurde ein Berghang in Kalifornien für Besucher gesperrt. Der „Walker Canyon“ ist zurzeit mit Mohnblumen übersät – und deswegen ein beliebtes Foto-Motiv. Der Vorfall zeigt: Wenn ein Ort auf Instagram populär wird, ist er in Gefahr.

Auf dem Walker Canyon ist gerade „Superbloom“ – nach einigen Wochen Regen erblühen die orangenfarbenen Mohnblumen und andere Wildblumen in ihrer vollen Pracht. Am Wochenende nutzten tausende Menschen die Gelegenheit, um den Berghang in der kalifornischen Stadt Lake Elsinore zu besuchen und Fotos zu machen. Dabei richteten sie so viel Schaden an, dass die Behörden den Berghang sperrten.

„Die Situation ist über unsere vorhandenen Ressourcen hinaus eskaliert. Keine zusätzlichen Shuttles oder Besucher werden in den Walker Canyon gelassen. Dieses Wochenende war unerträglich“, kündigte die Stadt auf Facebook an. Eine Abgeordnete sprach von „Disneyland-ähnlichen Menschenmassen“.

Das perfekte Instagram-Foto

Um das perfekte Selfie zu schießen, verließen viele Touristen die markierten Wanderwege – und zertrampelten dabei Blumen und Pflanzen. Manche hatten sogar Lichtreflektoren für ihr Fotoshooting dabei, berichtet das Portal Desert Sun.

Die Touristen zerstörten nicht nur Wildpflanzen, auf den ungesicherten Wegen kam es auch zu Unfällen. Ambulanzen seien ständig vom Canyon hin- und her gefahren.

Verkehrschaos und überlaufende Toiletten

Die Stadt hatte schon mit dem Besucheransturm gerechnet und vorsorglich mobile Baustellentoiletten am Walker Canyon aufgestellt. Allerdings schafften es die Zuständigen nicht, die Behälter schnell genug zu leeren – überlaufende Toiletten waren die Folge.

Ein weiteres Problem: Die vielen Autos der Touristen verstopften Straßen und blockierten Einfahrten. Wegen falsch geparkter Fahrzeuge erreichten Anwohner teilweise ihre Häuser nicht mehr. Am Sonntag hatte die Stadtverwaltung genug und riegelte den Walker Canyon ab.

Instagram-Bilder vom #Superbloom

Zertrampelte Blumen, überlaufende Toiletten und Verkehrschaos – von alldem merkt man auf Instagram nichts. Sucht man nach dem Hashtag #Superbloom, findet man mehr als 111.400 Fotos (Stand 20.3.). Personen, die in einem orangenen Blumenmeer liegen, gedankenverloren auf den Berghang schauen oder mit Blumen im Haar posieren:

Instagram und Massentourismus

Der Bürgermeister Steve Manos sagt, das Wochenende sei „absolut verrückt“ gewesen und beschrieb es als „Mohn-Apokalypse“. Inzwischen hat die Stadt den Walker Canyon wieder geöffnet. Es sei zurzeit nicht möglich, Besucher fernzuhalten, heißt es in einem Facebook-Post.

Der Walker Canyon ist ein weiteres Beispiel dafür, was Massentourismus anrichten kann; und Instagram verstärkt den Effekt. Die Plattform macht vermeintliche Geheimtipps berühmt – die oft kleinen Orte sind mit den Foto-Touristen überfordert. Denn die Menschenmassen bedeuten mehr Müll, mehr Verkehr, Verdrängung der Einheimischen, steigender Trinkwasserverbrauch. Das was den Ort eigentlich ausmacht – etwa die unberührte Natur im Walker Canyon – wird von den Massen zerstört. Mehr dazu: 7 Orte, die der Tourismus zerstört hat 

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(4) Kommentare

  1. Man könnte es auch den „Mops-Klopapier-Effekt“ nennen.

    Im Umkehrschluss weiß man also Dank Instagramm, wo man tunlichst nicht hinfahren sollte.
    Da man dieses schreckliche Massenverhalten offenbar nicht verhindern kann, kann man es wenigstens für sich nutzen, indem man sich direkt in die andere Richtung bewegt, wo man dann die Chance auf echte und eventuell sogar einzigartige Erlebnisse hat.

  2. Instagram ist auch nicht mein Medium.
    So etwas passiert aber nicht nur durch „Instagram-Massen“:
    In Karlsruhe im botanischen Garten ist jetzt der Zugang zum Baum gesperrt, unter dem jährlich der Blaustern im März wie ein Teppich blüht. (wer Karlsruhe und Blaustern im Internet sucht findet bestimmt bilder),. Weil die Besucher die Wurzeln des Baumes zertrampeln, ist der 150-jährige Baum krank.
    Traurig, aber wahr.

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