Johanniskraut im Test: Sieger bei Stiftung Warentest und Öko-Test

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Johanniskraut soll gegen leichte Depressionen helfen. Öko-Test weist aber darauf hin, dass Extrakt und Dosierung stimmen müssen. Im Test von Stiftung Warentest 2020 und Öko-Test 2018 konnten mehrere Präparate überzeugen.

Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland erkranken innerhalb eines Jahres an Depressionen. Eine gute Wahl bei leichten und mittelschweren Depressionen ist Johanniskraut. Seine Wirkung ist wissenschaftlich bestätigt, jedoch nur bei einer entsprechend hohen Dosierung: 500 bis 1.000 mg Johanniskraut-Extrakt müssen in einer Tagesdosis enthalten sein. Dann kann frühestens nach zwei Wochen Besserung eintreten.

Die Zeitschrift Öko-Test hat 20 Johanniskraut-Produkte getestet, Stiftung Warentest im November 2020 insgesamt 18 verschiedene Produkte. Darunter frei verkäufliche Mittel sowie apothekenpflichtige Arzneimittel. Die beiden Untersuchungen kommen zum gleichen Ergebnis: Bestimmte Präparate sind empfehlenswert, andere eignen sich eher nicht.

Öko-Test Johanniskraut – Alle Testergebnisse als PDF**

Johanniskraut-Testsieger bei Öko-Test

Fast jedes zweite Produkt ist bei Öko-Test durchgefallen, da die Wirkung nicht belegt werden konnte. Fünf Johanniskraut-Präparate erhielten die Bestnote „sehr gut, darunter Jarsin 300 mg, Kira und Laif 612.

Bei den fünf Testsiegern handelt es sich um Arzneimittel, die nur in Apotheken erhältlich sind. Ihre Wirksamkeit ist eindeutig belegt und sie sind frei von bedenklichen Zusatzstoffen.

Stiftung Warentest: Diese Johanniskraut-Mittel sind geeignet

Stiftung Warentest empfiehlt im Test 2020 nur apothekenpflichtige Arzneimittel. Denn sie seien ausreichend hoch dosiert und ihre Wirkung „bei leichten bis mittelschweren depressiven Phasen“ belegt. Die Mittel seien „sogar ähnlich effektiv wie synthetische Antidepressiva“, so Stiftung Warentest. Allerdings solltest du Johanniskraut-Arzneimittel nicht lange auf eigene Faust nehmen, sondern spätestens nach einem Monat mit einem Arzt sprechen. Als „geeignet“ stuft Stiftung Warentest zum Beispiel folgende Präparate ein:

  • Jarsin Rx 300mg
  • Felis 425mg
  • Neuroplant / Neuroplant Aktiv

Von Arzneitees und Arzneimittel aus Drogerien rät Stiftung Warentest aber ab, da ihre Wirkung nicht ausreichend belegt sei.

Johanniskraut-Test: Produkte aus der Drogerie enttäuschen

Johanniskraut ist zum Beispiel freiverkäuflich als Dragees und Kapseln in Drogeriemärkten erhältlich. Die Drogerien Rossmann und Dm verkaufen Eigenmarken sowie Produkte von Kneipp, Abtei, Schoenenberger und Zirkulin. Sie alle sind von Öko-Test untersucht worden.

Die Expert*innen kommen zum gleichen Ergebnis wie Stiftung Warentest: Ihre Dosierung ist so niedrig, dass eine Wirkung gegen Depressionen nicht belegt ist. Stiftung Warentest hält aus diesem Grund zum Beispiel die Produkte von dm und Kneipp für „wenig geeignet“.

Öko-Test Johanniskraut – Alle Testergebnisse als PDF**
Auch wenn Johanniskraut ein pflanzliches Mittel gegen Depressionen ist, eignet es sich nicht für jeden. So sollten Schwangere und stillende Mütter darauf verzichten, ebenso Kinder unter zwölf Jahren.

Außerdem kann es die Wirkung anderer Medikamente abschwächen, die zur gleichen Zeit eingenommen werden. Dazu zählen etwa Gerinnungshemmer, die Antibabypille, Asthmamittel und Präparate in der Aidstherapie. Im Zweifel sollte unbedingt mit dem behandelnden Arzt Rücksprache gehalten werden.

Unnötige Farbstoffe in einigen Produkten

Öko-Test Ausgabe 02/2018
Öko-Test Ausgabe 02/2018 (© Öko-Test)

Nicht immer sind die pflanzlichen Dragees auch rein pflanzlich: In drei Präparaten wies Öko-Test Farbstoffe nach. In Johanniskraut-Kapseln von Abtei fand das Labor den Farbstoff Ponceau 4R. Er birgt ein hohes Allergie-Risiko, sagt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. In den Dragees von dm und Rossmann steckt der Farbstoff Chinolingelb. Auch er kann Allergien auslösen. Zudem müssen seit 2010 Lebensmittel mit diesem Farbstoff den Hinweis „kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ enthalten.

Grundsätzlich sollten Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren keine Johanniskraut-Präparate einnehmen, erklärt Stiftung Warentest. Denn für diese Altersgruppe gebe es keine ausreichenden Untersuchungen zu Wirkungen und Nebenwirkungen.

Zum Test: Den vollständigen Öko-Test Johanniskraut findest du in Öko-Test 2/2018 sowie die Ergebnisse von Stiftung Warentest auf test.de.

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(1) Kommentar

  1. Wenn es nicht zu absurd klänge, würde ich hier von Pharma-Lobbyismus sprechen… Wie bitte? ÖKO- Test sagt, Produkte aus der Apotheke sind sehr gut, die alternativen, teilweise biologischen Produkte nicht… Seit wann sind Titaniumdioxid und Abführmittel (Macrogol 4000) keine bedenklichen Inhaltsstoffe? Das finden Sie in laif 900 und ähnliches in allen anderen 4 „sehr guten „Produkten. Selbstverständlich muss die richtige Pflanze im Produkt sein und die richtige Menge muss man auch nehmen…aber ein korrekter Text auf der Verpackung ist ja wohl kaum das einzige Kriterium, wenn es um Gesundheit geht…primum non nocere.