Mesut Özil gründet „Öko“-Marke: So nachhaltig ist sie wirklich

Özil Kosmetik Unity ökologisch
Foto: "FIFA Freundschaftliches Spiel Österreich gegen Deutschland am 2. Juni 2018 in Klagenfurt. Bild zeigt Mesut Özil (GER)" von Granada unter CC BY-SA 4.0

Der Ex-Nationalspieler Mesut Özil hat zusammen mit dem französischen Fußballer Mathieu Flamini eine umweltfreundliche Kosmetikmarke gegründet. Wir haben sie uns genauer angesehen.

Fußball-Star Mesut Özil tritt in David Beckhams Fußstapfen und hat eine eigene Kosmetikmarke auf den Markt gebracht. Zusammen mit Mathieu Flamini, mit dem er einige Zeit bei Arsenal spielte, rief der Dreißigjährige „Unity“ ins Leben: Die elfteilige Pflegeserie umfasst Haut-, Haar- und Körperpflegeprodukte für Männer.

Außerdem wirbt sie mit besonders umweltfreundlichen Inhaltsstoffen und einer nachhaltigen Verpackung. So wollen die beiden Fußballstars ihren Fans ein Beispiel sein – auch im Umgang mit unserem Planeten. Mit diesem „Weltverbesserer“-Image werben sie auch auf Instagram. Doch ist „Unity“ wirklich nachhaltig?

Hier ist das Instagram-Video zu sehen

 

Özils „Unity“: Keine schlimmen Inhaltsstoffe – aber Luft nach oben

Laut Herstellerangaben verzichten „Unity“-Produkte auf schädliche Sulfate, wie Sodium Lauryl Sulfate (SLS) oder Sodium Laureth ether Sulfate (SLES). Diese werden in herkömmlicher Kosmetik oft als Schaumbildner eingesetzt, irritieren aber die Haut und werden von der Plattform Codcheck als „möglicherweise toxisch oder gesundheitsschädlich“ Eingestuft. Auch schwer biologisch abbaubare Silikone und Mineralöle sowie wahrscheinlich hormonell wirksame Parabene kommen bei „Unity“ nicht in die Tube – das gleiche gilt für Mikroplastik. Außerdem sind die Produkte tierversuchsfrei – die Praxis ist EU-weit aber ohnehin verboten – und größtenteils vegan.

Soweit scheint „Unity“ schon viel richtig zu machen – nur eines fehlt den Fläschchen leider gänzlich: Auf ihnen sind keinerlei Siegel oder Zertifikate abgebildet, die einen fairen oder biologischen Ursprung der Zutaten garantieren. Anerkannte Naturkosmetik-Zertifikate (z.B. NatrueBDIH, Ecocert) würden für Käufer trasparent machen, wie viele der verwendeten Inhaltsstoffe tatsächlich natürlichen Ursprungs sind und weitere schädliche Stoffe (z.B. je nach Siegel auch chemische Tenside) ausschließen.

„Öko“-Verpackung hört sich grüner an, als sie ist

Die Verpackungen von Shampoos, Duschgels und Co. bestehen größtenteils aus einem Bioplastik auf Zuckerrohr-Basis. Das hat einige Vorteile: Biobasierte Kunststoffe brauchen zur Herstellung keine fossilen Rohstoffe, sondern nutzen nachwachsende Ressourcen. Sie bestehen nicht aus Erdöl, dessen Förderung der Umwelt massive Probleme bereitet (Mehr Informationen: Erdöl: Darum ist es für die Umwelt und das Klima so problematisch).

Allerdings ist Bioplastik nicht automatisch biologisch abbaubar: Produkte dürfen sich „kompostierbar“ nennen, wenn sie sich innerhalb von 90 Tagen zu 90 Prozent zersetzen können. Solche Verpackungen sind meist mit dem „Keimling“-Logo versehen – Özils Pflegeserie weist dieses nicht auf.

Außerdem besteht nicht die ganze Verpackung aus Bioplastik: Für den Deckel von „Unity“-Produkten mussten die Hersteller auf herkömmliches Plastik zurückgreifen. Auf der Unternehmens-Website versprechen die Hersteller aber, dies zu ändern, sobald sie eine gute Alternative gefunden haben.

Unity: Ein Schritt in die richtige Richtung – aber noch keine Naturkosmetik

Mesut Özil macht mit seiner Pflegeserie schon einiges richtig – nicht zuletzt, weil er 1 Prozent des Unternehmensgewinns unter anderem an Umweltschutzprojekte spenden will. Außerdem verzichten „Unity“-Produkte auf viele schädliche Inhaltsstoffe, die in herkömmlichen Produkten noch Standard sind – an zertifizierte Naturkosmetik reichen sie aber nicht heran, denn: Diese liefert konkretere Angaben über die Herkunft und Umweltverträglichkeit ihrer Zutaten.

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(5) Kommentare

  1. Naja – irgendwie muß das Leben nach dem Fußball ja weiter gehen.
    Wieso also nicht versuchen, auf die Hambi-Bleibt-Welle aufzuspringen – finanziell könnte das ja lukrativ sein.
    Ein Schalk, wer Böses dabei denkt …

  2. Der „Hambi“ ist wirklich ziemlich „groß rausgekommen“ und hat vielen möglicherweise einen kleinen Denkanstoß in die richtige Richtung verpasst. Ob diese Menschen deshalb gleich auf Naturkosmetik umsteigen? Schön wäre es. Nur besteht bei größer werdender Nachfrage auch die Wahrscheinlichkeit, dass es immer mehr „grüne Blendgranaten“ im Angebot gibt, um es mal so zu formulieren. Möglicherweise ist Özils Marke eine davon. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da etwas anderes als Profit und Erfolg im Vordergrund steht. Aber das ist natürlich nur eine Vermutung, ich kenne ihn ja nicht…

    @WernerMax Da hat aber jemand Witterung aufgenommen, was…? 😉

  3. Die Formulierung „grüne Blendgranaten“ ist sehr schön und bringt es auf den Punkt. Wir werden noch staunen, wie viele davon in der nächsten Zeit wie Pilze aus dem Boden schießen werden.
    Weil es eben gerade mal chick ist, auf die Hambi-Bleibt-Welle aufzuspringen. Die Sache selbst wird darüber ins Hintertreffen geraten. Und es würde mich nicht wundern, wenn die Stimmung dermaleinst eben wegen dieser grünen Blendgranaten diametral ins Gegenteil umschlagen umschlägt und dann plötzlich öko als Quelle allen Übels angesehen wird. Radikale Stimmungs-Schwenks sind wir in Deutschland ja gewohnt.
    Warten wir es ab …

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