Ecocert-Siegel für Naturkosmetik und ökologische Reinigungsmittel

Ecocert-Siegel
© ECOCERT

Das Ecocert-Siegel zeichnet Natur- und Biokosmetik sowie ökologische Wasch- und Reinigungsmittel aus. Welche Abstufungen gibt es und was bedeuten die Siegel genau?

Die Ecocert-Group ist ein Kontroll- und Zertifizierungsverband für ökologische Produkte, der 1991 in Frankreich gegründet wurde. Der Verband hat zwei eigene Label, eines zeichnet Bio- und Naturkosmetik aus, das andere ökologische Reinigungs- und Waschmittel.

  • Vergeben in: weltweit
  • Vergeben von: Ecocert Greenlife
  • Kategorie: Bio- und Naturkosmetik sowie ökologische Reinigungs- und Waschmittel
  • Produkte: Reinigungsmittel, Waschmittel, Kosmetikprodukte
  • Verbreitung: gering
  • Utopia-Bewertung: empfehlenswert

Die Kriterien für Ecocert Natur- und Biokosmetik

Das Ecocert-Kosmetik-Label wird nach den folgenden Grundsätzen vergeben:

  • Erneuerbare Ressourcen und Inhaltsstoffe aus ökologischem Anbau werden bevorzugt
  • Verarbeitungsverfahren sollen die Umwelt so wenig wie möglich belasten
  • Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs werden auch in Bezug auf ihre Umweltauswirkung (biologische Abbaubarkeit, Ökotoxizität) bewertet
  • Transparenz gegenüber dem Verbraucher

Ecocert unterscheidet zwischen synthetischen Inhaltsstoffen und Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs, letztere werden wiederum je nach Herkunft in pflanzliche, mineralische, marine und tierische unterschieden.

Tierische Inhaltsstoffe dürfen nur verwendet werden, wenn es keine gleichwertigen pflanzlichen Alternativen gibt, sie dürfen nicht von gefährdeten Arten stammen und sich nicht negativ auf das ökologische Gleichgewicht auswirken. Sie dürfen keine Bestandteile des Tieres sein: Lediglich Stoffe, die von Tieren auf natürliche Weise produziert werden – wie Honig oder Milch – können verwendet werden. Dabei darf die Gewinnung jedoch nicht zu Stress, Schmerzen oder dem Tod des Tieres führen. Tierversuche sind entsprechend der europäischen Gesetzgebung verboten.

Mehr über tierversuchsfreie Kosmetik im BeitragSo erkennst du Kosmetik ohne Tierversuche„.

Synthetische Inhaltsstoffe die aus Erdgas oder Erdöl gewonnen wurden, dürfen nicht verwendet werden. Synthetische Inhaltsstoffe mineralischen Ursprungs – meist Konservierungsmittel wie Benzoesäure oder Benylalkohol – dürfen allerdings verwendet werden. Maximal fünf Prozent der Inhaltsstoffe dürfen synthetisch sein, mindestens 95 Prozent aller Inhaltsstoffe im Endprodukt müssen natürlichen Ursprungs sein.

Ecocert unterscheidet Biokosmetik und Naturkosmetik:

  • Naturkosmetik muss zu mindestens 50 Prozent aus pflanzlichen Inhaltsstoffen bestehen und mindestens fünf Prozent der gesamten Inhaltsstoffe müssen aus biologisch zertifiziertem Anbau kommen.
  • Biokosmetik muss zu mindestens 95 Prozent aus pflanzlichen Inhaltsstoffen bestehen und mindestens zehn Prozent der gesamten Inhaltsstoffe müssen aus biologisch zertifiziertem Anbau kommen.

Nanopartikel sind in beiden Zertifizierungsstufen verboten, ebenso gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe.

Zudem müssen die Verpackungen der Produkte bestimmte Kriterien erfüllen, so sind Verpackungen aus toten Tieren verboten, die Verpackungen sollen nach Möglichkeit wiederverwertbar sein, bestimmte Materialien wie PVC und bestimmte Treibgase wie Propan sind verboten.

Die Produktion der Kosmetikprodukte muss ebenfalls bestimmte Kriterien erfüllen, so muss die Herkunft aller Materialien rückverfolgbar sein, für die Reinigung der Anlagen dürfen nur Reinigungs- und Desinfektionsmittel verwendet werden, die von Ecocert geprüft wurden.

Das produzierende Unternehmen muss sich zudem um die Optimierung des Emmissions-, Abfall- und Energiemanagements kümmern.

Die Kriterien für ökologische Wasch- und Reinigungsmittel

Für die Zertifizierung der ökologischen Reinigungs- und Waschmittel gelten die Grundprinzipien:

  • Schutz des Planeten und seiner Ressourcen
  • Schutz und Information der Verbraucher
  • Reduktion von unnötigen Abfällen und Abwässern

Wie auch bei der Kosmetik unterscheidet das Ecocert-Siegel zwischen natürlichen und synthetischen Inhaltsstoffen, erstere werden auch hier in pflanzliche, mineralische, marine und tierische Inhaltsstoffe unterschieden. Pflanzliche Inhaltsstoffe dürfen durch ihre Produktion oder Sammlung die Landschaft nicht schädigen oder das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen. Für die tierische Inhaltsstoffe gelten die gleichen Kriterien wie bei der Kosmetik.

Keiner der Inhaltsstoffe darf gentechnisch hergestellt worden sein. Tenside, Farb- und Duftstoffe dürfen nur natürlicher Herkunft sein. Tenside natürlichen Ursprungs mit hoher Wasser-Toxizität wie beispielsweise Seifen auf der Grundlage von Nadelbaum- und Harzsäuren sind nicht erlaubt.

Seit 2012 gibt es auch bei den Wasch- und Reinigungsmittel zwei Zertifizierungsstufen: Es wird zwischen ökologischen Wasch- und Reinigungsmitteln aus Bio-Rohstoffen und Nicht-Bio-Rohstoffen unterschieden.

  • Ökologische Wasch- und Reinigungsmittel (ohne Bio-Rohstoffe) müssen zu mindestens 95 Prozent aus Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs bestehen, ein Anteil an Inhaltsstoffen aus biologischem Anbau ist nicht definiert.
  • Ökologische Wasch- und Reinigungsmittel mit Bio-Rohstoffen müssen zu mindestens 95 Prozent aus Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs bestehen, mindestens 10 Prozent der Inhaltsstoffe müssen aus biologischem Anbau stammen.

Wie auch bei den Kosmetika müssen Produktion und Verpackung bestimmte Kriterien erfüllen.

Die Kontrollen

Die Zertifizierung der Bio- und Naturkosmetik sowie der ökologischen Wasch- und Reinigungsmittel gilt jeweils nur für ein Jahr, vor der Genehmigung werden Inhaltsstoffe, Rezepturen, Etiketten, Verpackungen und Reinigungsprodukte überprüft. Ein Zertifizierer prüft den Produktionsprozess im Unternehmen und nimmt Proben der Produkte. Im Laufe des Jahres werden Überwachungskontrollen vor Ort durchgeführt, bei Abweichungen kann das Zertifikat entzogen werden.

Kritik am Ecocert-Label

Zum Ecocert-Label für Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel sind wenig kritische Stimmen bekannt. Dies liegt sicherlich auch dran, dass das Label in Deutschland bisher eher wenig verbreitet ist.

 Alternativen zum Ecocert-Label

Für Bio- und Naturkosmetik gibt es viele weitere Siegel, nicht alle haben vergleichbar hohe Standards. Empfehlenswert und weiter verbreitet als das Ecocert-Siegel:

  • Das NaTrue-Siegel hat ähnliche Anforderung wie das Ecocert-Siegel und ist derzeit das am weitesten verbreitete Naturkosmetik-Siegel.
  • Das Siegel „Kontrollierte Naturkosmetik“ des BDIH definiert anerkannte Mindestkriterien für Naturkosmetik.
  • Der internationale Standard COSMOS ist mit dem BDIH-Siegel vergleichbar.

 Für Wasch- und Reinigungsmittel gibt es nicht viele Siegel, einzig das EcoGarantie-Siegel stellt eine Alternative zu Ecocert dar.

Verfügbarkeit: gering

Das Ecocert-Siegel ist in Deutschland nicht sehr weit verbreitet. Im Naturkosmetikbereich sind das Natrue und das BDIH-Siegel wesentlich häufiger. Das Ecocert-Siegel tregen beispielsweise die Produkte der Naturkosmetik Marken Eubiona, Eco Cosmetics, Alva und Love Me Green.

Bei Reinigungs- und Waschmittel gibt es generell wenig Zertifizierungen, hier tragen beispielsweise die Marken Sodasan, AlmaWin und Klar das Ecocert-Siegel.

Utopia-Bewertung

Ecocert ist ein empfehlenswertes Siegel für Natur- und Biokosmetik. Es ist ähnlich streng wie das NaTrue-Siegel, allerdings ist der Anteil der biologisch zertifizierten Rohstoffe am Gesamtprodukt mit fünf beziehungsweise zehn Prozent relativ gering. Für ökologische Wasch- und Reinigungsmittel ist das Ecocert-Siegel ebenfalls empfehlenswert – insbesondere da es kaum Alternativen gibt. Etwas irritierend ist jedoch, dass beide Wasch- und Reinigungsmittel-Siegel „ökologisch“ heißen, obwohl nur Produkte mit der strengeren Zertifizierungsstufe Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau enthalten.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Externe Info-Seiten zu Ecocert:

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