Das NATRUE-Siegel für Naturkosmetik

Natrue Siegel Naturkosmetik
Foto: natrue.org

Das Natrue-Siegel zeichnet Naturkosmetik wie Shampoo, Deo oder Bodylotion aus – doch was bedeutet das Siegel eigentlich?

Für die Begriffe „natürlich“ und „bio“ in Kosmetik fehlen in Deutschland nach wie vor gesetzliche Regulierungen. Um Verbraucher:innen zu helfen, authentische Natur- und Biokosmetik zu erkennen, gründeten 2007 Marken aus dem Naturkosmetiksektor den Verein Natrue, darunter: Weleda, Wala, Laverana, Primavera und Logocos. Der nach belgischem Recht eingetragene Verein Natrue ist nicht gewinnorientiert. Von ihm wurde 2008 das Natrue-Siegel ins Leben gerufen.

Vergeben in: weltweit
Vergeben von: NATRUE
Kategorie: Kosmetik und Hygiene
Produkte: Shampoo, Deo, Bodylotion, Körperöle, Duschgel, Seife, Make-Up, Creme, Parfum
Gelabelte Produkte: über 7.000 von über 320 Marken
Utopia-Bewertung: sehr empfehlenswert beim Kauf von Natur- und Biokosmetik

Beispiele für Produkte mit dem Label:

Die Kriterien des Natrue-Siegels

Die Natrue-Zertifizierung konzentriert sich auf die Inhaltsstoffe der Naturkosmetik. Sie werden in drei Gruppen unterteilt:

  • Natürliche Inhaltsstoffe/Naturstoffe sind unveränderte Substanzen und können nur durch physikalische Verfahren oder Fermentierung gewonnen werden.
  • Naturidentische Inhaltsstoffe können entweder Pigmente, Mineralien oder Konservierungsstoffe sein. Sie werden zwar im Labor reproduziert, kommen aber in der Natur vor. Diese Zutaten sind nur erlaubt, wenn der Aufwand, die Stoffe aus der Natur zu bekommen, zu groß und nicht akzeptabel wäre. Natrue regelt alle naturidentische Inhaltsstoffe in einer Positivliste, die regelmäßig aktualisiert wird.
  • Naturnahe Inhaltsstoffe sind das Ergebnis zugelassener chemischer Reaktionsverfahren aus ausschließlich natürlichen Ausgangsmaterialien von Bio-Qualität. Als naturnahe Stoffe werden auch solche bezeichnet, die zwar in der Natur vorkommen, aber nicht in ausreichenden Mengen aus der natürlichen Quelle entnommen werden können. Sie sind nur dann erlaubt, wenn es keine Naturstoffe gibt, die ihre Funktion übernehmen können. Beispiele für naturnahe Stoffe sind: Fette, Öle, Wachse, Lecithine und Proteine.

Nicht zugelassen sind Stoffe aus petrochemischem Ursprung oder aus genetisch veränderten Organismen, sowie synthetische Parfüms, Silikone, Parabene und Mikropartikel.

Palmöl und Palmkeröl darf nur in Produkten verwendet werden, wenn es aus zertifizierter nachhaltiger Lieferkette oder RSPO stammt. Tenside müssen biologisch abbaubar sein, um somit verträglich für die Umwelt zu sein.

Neben Anforderungen an die Inhaltsstoffe stellt Natrue auch Kriterien für Verpackungen der Naturkosmetik-Produkte auf:

  • Verpackungen müssen auf ein Minimum beschränkt sein.
  • Wenn möglich, sollen Produkte mehrfach angewendet werden können.
  • Verpackungen sollen, soweit technisch möglich und verfügbar, wiederverwendbar sein (z.B. aus Glas, Aluminium, Papier oder Karton) und möglichst aus nachwachsenden Rohstoffen sein.

Einwegmaterialien wie beispielsweise Feuchttücher, sogenannte Trägermaterialien von Kosmetik, unterliegen ebenso den oben genannten Kriterien von Natrue und müssen aus erneuerbaren Rohstoffen gewonnen werden.

Um Greenwashing zu verhindern, können Unternehmen nicht nur ein oder zwei Produkte zertifizieren lassen: Mindestens 75 Prozent (oder acht von zehn) der Einzelprodukte einer Produktreihe müssen die Kriterien des Siegels erfüllen.

Je nach Produktkategorie werden unterschiedliche Anforderungen gestellt. Es ist beispielsweise leicht, ein Körperöl zu 90-100 Prozent natürlich zu produzieren als etwa ein Shampoo, das aus viel mehr Inhaltsstoffen besteht. Das Natrue-Siegel unterscheidet zwischen 13 unterschiedlichen Produktarten (unter anderem: Parfums, wasserhaltige dekorative Kosmetik, Sonnenschutzmittel, Mundpflege und Seifen) und stellt an jede der 13 Kategorien realistische Anforderungen, um hohe Standards zu garantieren.

Das Natrue-Siegel und die Veganblume auf einem Shampoo
Das Natrue-Siegel und die Veganblume auf einem Shampoo (Foto: © Lavera)

Das Natrue-Siegel für Naturkosmetik unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Zertifizierungsstufen:

  • Naturkosmetik entspricht der Grundlage des Labels. Hier ist die relative Zusammensetzung der Inhaltsstoffe definiert. Je nach Produktgruppe gibt es ein Mindestgehalt an Naturstoffen und einen Maximalgehalt für naturnahe Inhaltsstoffe.
  • Biokosmetik muss die Grundvoraussetzungen für Naturkosmetik erfüllen und zusätzlich müssen mindestens 95 Prozent der natürlichen beziehungsweise naturnahen Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau und/oder kontrollierter Wildsammlung stammen. Die Unter- und Obergrenzen sind noch höher beziehungsweise niedriger als in der zweiten Stufe.

Bis zum 31.12.2020 gab es neben den beiden Zertifizierungsstufen noch eine dritte: Naturkosmetik mit Bio-Anteil. Diese Stufe wird seit dem 01.01.2021 nicht mehr von Natrue vergeben. Produkte mit diesem Label gibt es weiterhin zu kaufen, bis das Produktzertifikat abläuft. Sollte ein Produkt danach erneut zertifiziert werden, kann es nur in den beiden Stufen „Naturkosmetik“ und „Biokosmetik“ zertifiziert werden. Welche der beiden Labels ein Produkt dann erhält, hängt von der Formulierung ab.

Natrue-Siegel für Naturkosmetik: Die Kontrollen

Unternehmen, die ihre Produkte mit dem Natrue-Siegel auszeichnen wollen, müssen die Zertifizierung bei einem unabhängigen, von Natrue zugelassenen Zertifizierer (Natrue Approved Certifier – NAC) beantragen.

Es folgen zwei Kontrollen: Zunächst sendet das Unternehmen Unterlagen zu Produkten bzw. Rohstoffen an einen ausgewählten Zertifizierer. Dieser beurteilt dann, ob die Produkte oder Rohstoffe den Natrue-Kriterien entsprechen. Im zweiten Schritt überprüft der Zertifizierer dann noch einmal vor Ort, ob die Herstellung der Produkte oder Rohstoffe auch wirklich mit den Angaben in den Unterlagen übereinstimmen. Wenn das der Fall ist, erhält das Produkt oder der Rohstoff ein Abschlusszertifikat und darf das Natrue-Siegel auf der Verpackung abbilden.

Das Label wird für zwei Jahre vergeben, anschließend erfolgt eine erneute Überprüfung. Bei einem Verstoß gegen die Vergabekriterien, kann das Label entzogen werden.

Kritik am Natrue-Label

Es gibt nach unserer Recherche nur wenig kritische Stimmen zum Natrue-Siegel. Bei der Einführung des Siegels gab es ein Drei-Sterne-System, das die Zertifizierungsstufe leicht erkennbar machte. Dieses System wurde 2010 durch einen QR-Code abgelöst, den es seit ein paar Jahre auch nicht mehr gibt. Mittlerweile können sich Verbraucher:innen direkt bei Natrue in der Datenbank über die Zertifizierung das Produkts erkundigen.

Das Natrue-Siegel und Tierversuche

Seit März 2013 gibt es zwar ein Gesetz, das die Durchführung von Tierversuchen für Kosmetika oder deren Inhaltsstoffe sowie das in Auftrag geben der Versuche und die Vermarktung der Produkte in der EU verbietet. Jedoch gibt es noch immer Schlupflöcher. Mehr dazu im Beitrag „So erkennst du Kosmetik ohne Tierversuche„.

Natrue-zertifizierte Produkte sind tierversuchsfrei, denn den Richtlinien zufolge sind „Tierversuche grundsätzlich gegen Natrues zugrundeliegende Werte und Ethik“. Jedoch bedeutet tierversuchsfrei nicht unbedingt, dass das Produkt auch vegan ist: Tierversuchsfreie Kosmetik kann auch Inhaltsstoffe tierischer Herkunft enthalten (z. B. Bienenwachs, Honig, Milch).

Alternativen zum Natrue-Label

Neben dem Natrue-Siegel gibt es andere Naturkosmetik-Siegel:

  • Das Siegel „Kontrollierte Naturkosmetik“ des BDIH definiert anerkannte Mindestkriterien für Naturkosmetik.
  • Das Siegel Ecocert ist ähnlich streng wie Natrue, aber eher selten zu finden.
  • Der internationale Standard COSMOS ist mit dem BDIH-Siegel vergleichbar.
  • Selten gibt es auch ein Naturland-Siegel für Naturkosmetik.

Verfügbarkeit: hoch

Das Natrue Siegel ist mit rund 6.500 zertifizierten Produkten recht weit verbreitet und daher ein einfacher erster Schritt auf der Suche nach einem besseren Kosmetik-Produkt. Man findet die Produkte in Drogeriemärkten wie dm, Müller, Rossmann, aber auch in Biomärkten und Reformhäusern sowie in ganz normalen Supermärkten und Kaufhäusern wie Edeka oder Rewe.

Die Produkte der Drogeriemarkt-Eigenmarken Alverde (dm), Alterra (Rossmann) und Terra Naturi (Müller) sind bei Naturkosmetik häufig Natrue- oder BDIH-zertifiziert, es lohnt sich, nach einem der beiden Labels Ausschau zu halten.

Utopia-Fazit:

Die transparenten Kontrollen und hohen Standards des Natrue-Siegels – insbesondere in der Zertifizierungsstufe Biokosmetik – machen das Label zu einem vertrauenswürdigen und empfehlenswerten Siegel für Natur- und Biokosmetik. Auch, dass es Vorgaben für die Verpackung der Naturkosmetik gibt, finden wir toll. Unser einziger Kritikpunkt: Auf den ersten Blick ist nicht erkennbar, um welche Zertifizierungsstufe es sich handelt.

Mitarbeit: Johanna Wehrmann, Nora Braatz

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