Nachhaltige Wohntrends: Bananenboden und Getreidewand

Foto: © unsplash / Henry McIntosh

Wände aus Gips, Fußböden und Dämmungen aus Kunststoff – das geht auch besser. Drei nachhaltige Trends fürs eigene Heim, die einen genaueren Blick wert sind.

Wände aus Getreide

Ob bei Neubauten oder Renovierungen: meistens werden Gipswände gezogen. Dabei ist das Material Gips an sich ein umweltbewusster Baustoff – schadstoffarm und wiederverwendbar. Allerdings ist die Entsorgung ein Problem: Allein in Deutschland fallen Tonnen an Überschnitt an, die alle im Sondermüll landen, da Gips Giftstoffe wie Sulfate ausdünsten kann.

Das britische Start-Up Adaptavate hat da eine umweltfreundliche Alternative: eine „atmende“ Getreide-Platte, genannt „Breathaboard“, die das Raumklima verbessern soll. Diese Platten bestehen aus Getreide-Abfällen der Landwirtschaft. Das gute Extra der Getreideplatten: Für das Material braucht es keine neuen Anbauflächen, sondern es wird aus Müll gewonnen. Zudem müssen Verschnitt und alte Wände nicht aufwendig entsorgt werden, sondern landen auf dem Kompost oder können als Düngemüttel verwendet werden.

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Das „Breathaboard“ besteht aus Getreide-Abfällen. (Foto: © Adaptavate)

Das „Breathaboard“ ist biologisch abbaubar, da alle Bestandteile natürlich, nachhaltig und ungiftig sind. Weitere positive Eigenschaften der Platte: Sie ist feuerresistent und dämmt die Lautstärke. Laut Hersteller sind die Wände atmungsaktiv und nehmen viel Feuchtigkeit auf – sie können daher nicht schimmeln. Allergien und Asthma, ausgelöst durch Schimmel in den eigenen vier Wänden, könnten so vermieden werden.

Bisher ist Breathaboard leider nur eine Idee, die massenhafte Produktion steht noch aus. Aber das Unternehmen ist auf einem guten Weg: Letztes Jahr gewann es den Green Alley Award, erhielt Geld- und Sachleistungen im Wert von bis zu 20.000 Euro und kann nun ein halbes Jahr umsonst in einem Co-Workingspace in Berlin arbeiten, um die Idee weiterzuentwickeln. Wir drücken die Daumen!

Fußböden aus Bananenstauden

Bananenstauden werden nach der Ernte verbrannt oder verrotten ganz einfach. Das Unternehmen Beleaf aus Monaco möchte das ändern – es fertigt Furniere aus den Stauden. Hieraus entstehen neben Möbeln, Lampen und Lautsprechern auch wunderschöne Bodenbeläge.

Das Abfallprodukt hat eine ganz spezielle Struktur, ist zudem wasserabweisend und laut Herstellerangaben nur schwer entflammbar. Die Furniere, Böden und Kacheln von Beleaf sind zu 100 Prozent aus natürlichen Materialien. Es wird kein Kleber verwendet, sondern die Fasern der Staude werden mit dem eigenen Harz zusammengehalten.

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Verschiedene Furniere von Beleaf aus Bananenstauden. (Foto: © Beleaf)

2011 gegründet ist Beleaf eine Tochterfirma von 3W S.A.M Toid Bois, einem Unternehmen, das seit über 60 Jahren hochwertige Furniere und Holzprodukte fertigt. Zudem wird Beleaf von der Naturschutzorganisation WWF und der Prince Albert II of Monaco Stiftung unterstützt.

Dämmung aus Pilzschaum

Wärmedämmungen sind nicht selten aus künstlichen Schäumen wie Polyurethan oder Polystyrol. Eine natürliche Alternative dazu hat sich das Unternehmen Ecovative Design ausgedacht: Pilzzellen aus Rohstoff. Die sogenannten Myzelen, die fadenförmigen Pilzstrukturen, breiten sich eigentlich unter der Erde aus und können zu extrem großen Gebilden heranwachsen.

Das verwendete Material „Myco Foam“, übersetzt Pilzschaum, züchten die Designer aus landwirtschaftlichen Abfällen wie Maisblättern. Nach einer Ruhezeit von mehreren Tagen wird der Schaum dann zwischen die Holzplatten geschmiert, dort können die Pilzfäden weiter wachsen. Wenn der Schaum schließlich trocknet, verbindet er die Platten miteinander, ähnlich wie Kleber, und dämmt zugleich. Eine Dampfbehandlung sorgt dafür, dass der Pilz danach nicht weiter wächst. Heraus kommt ein Material, das stabil, leicht und vollkommen kunststoffrei ist. Es eignet sich daher auch für Verpackungen.

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(4) Kommentare

  1. Ernteüberreste sollten vielleicht besser dort verrotten, wo die Nährstoffe wieder gebraucht werden. Aber ich nehme an, dass die „Ausbeute“ dieser Reste recht gering ist, da sie wohl recht stickstoffarm sind. Dem gegenübergestellt, müssten für ähnliche Produkte Holz herhalten bzw. nicht unbedenkliche Materialien hergestellt werden. …. Gips wird doch auch nachgesagt, dass es Quecksilber enthält, als Nebenprodukt der Rauchfilterung in Kraftwerken. Zumindest weiß ich, dass die dort ihren Ursprung haben. Kurzum, die Ideen sind gut und sollten weiterentwickelt werden. Die Bilanz zu den Alternativen sollten aber mehr beleuchtet werden.

  2. Schöne Ideen, aber es gibt auch so schon tolle Sachen. Unser Haus wurde nur aus Holz, Stroh und Lehm gebaut (Strohballenhaus). Das Stroh kam vom Bauern aus der Region. Wenn man Foren zu diesem Thema durchsucht, findet man auch Platten aus Stroh, ja sogar Türen. Zur Dämmung eigent sich auch Hanf wunderbar (haben wir teilweise auch verbaut, aber nur im geringen Maße).

  3. Da geht mir doch die Galle hoch, „dünstet Giftsoffe wie Sulfate aus“ – Gips besteht aus Calciumsulfat, so ein disqualifizierender Unsinn!
    Und diese Getreide und die Bananen sind alle kbA? Gerade bei Bananen hab ich da doch arge Zweifel, und da kann dann wirklich was dünsten.
    Grundsätzlich kann fast jedes feuchte organische Material schimmmeln, kommt nur auf die Bedingungen an.
    Der Artikel hat das Niveau der Bild-Zeitung

  4. Dämmalternative Zellulose oder holzfaser:eingeblasene recycelte Zeitungspapier Fasern.das ist seit mehr als 30 Jahren ökologisches dämmen auf höchstem technischem und qualitativem Niveau!!

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